KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

blems. 1 Wie es also die Münchener Lithographie „Noch ein Totentanz" und das ebenfalls auf der Tafel XXX (Fig. 4) mitgeteilte Blatt (die „Wacheablösung" darstellend) beweisen, war es zur Zeit Rethels eine ziemlich verbreitete Mode, die historischen Ereignisse der Gegen­wart als einen Totentanz aufzufassen. Auch das Blatt Rethels „Der Tod als Erwürger" (noch i. J. 1847 verfertigt) steht unter dem Einfluss ge­schichtlicher Begebenheiten. Die Erscheinung des fiedelnden Todes auf einem Maskenball, die furchtbar sphynxartige Gestalt der Cholera­Krankheit, das Entsetzen, welches die Gesich­ter der Fliehenden entstellt, die symbolische Deutungsmöglichkeit eines Maskenballs auf das gesamte menschliche Leben, — alle diese ori­ginellen Einfälle des Bildes leihen der Darstel­lung eine feierlich erhabene Stimmung, voll Wucht und Tragik. Rethel lässt aber den Tod nur als einen Erwürger und Feind der Mensch­heit handeln, seine Bleistiftzeichnung aus 1848, welche den Tod als einen Diener der Mensch­heit in eine vornehme Gesellschaft führt, macht den eleganten „Lakai-Tod" zum Mundschenken des inmitten seiner Unterhaltungen sterbenden Schlemmers. 2 Das schönste Blatt Rethels, das letzte Werk des Meisters, ist das als Holzschnitt vervielfältigte und verbreitete Blatt : Der Tod als Freund. 3 Der alte Türmer sitzt im Lehnstuhl. Durchs offene Fenster ein herrlicher Fernblick in die Natur, in die wundervolle Frühlingspracht. Der Alte schlummert langsam ein und der Tod, in einer Mönchskutte heimlich erscheinend, zieht das Seil der Glocke an. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne werden zum Symbol der ausgehenden Lebensflamme. Vor der offenen Turmtür steht das fahle, apokalyptische Ross des Wanderer-Todes. Auch dieses Bild ist im Mo­ment entstanden, als das Genie des Meisters noch einmal hoch aufleuchtete, um ein Jahr dar­auf dem umnachteten Geist preisgegeben zu werden. Einen ungeahnten Aufschwung erlebt die Totentanzmanier Holbeins in der Einzelbilder­reihe des Illustrators Carl Gottlieb Merkel 4 und des künstlerisch hochbegabten Holzschneiders Johann Gottfried Flegel." Dieser Totentanz von Merkel-Flegel 8 steht künstlerisch und auch poe­1 Leopold Hirschberg in Berlin : Totentänze neuerer Zeit. Zeitschrift für Bücherfreunde. F. v. Zobeltitz. Leipzig. VII. Jg. 1903/1904. Bd. 1. S 226-242. Vgl. weiter: Volks­bücher der Kunst Nr. 22. Alfred Rethel von Ernst Schnur. 1911. Bielefeld und Leipzig. Verl. Velhagen & Kissing. Aus der Berliner Staatsbibliothek erhielt ich die vollständige Ausgabe des Rethelschen Totentanzes in 4°-Format : „Auch ein Todtentanz aus dem Jahre 1848. Erfunden und ge­zeichnet von Alfred Rethel. Mit erklärendem Text von R. Reinick. Ausgeführt im akademischen Atelier für Holz­schneidekunst zu Dresden unter Leitung von H. Bürkner." Zweite Auflage. Preis 15 Slbgr. Leipzig, Georg Wigand's Verlag. 2 Tafel XXX. Fig. 3. 3 vgl. Tafel XXX. Fig. 2. 4 geb. 1817 in Leipzig und gest. 1897 in Wehleiden bei Cassel. D geb. 1815 in Leipzig und gest. ebenda 1881. 6 vgl. die Tafeln XXXII-XXXIV. tisch unter den herrlichsten Werken der Toten­tanzkunst Der Tod, eine dämonische, aber zu­weilen auch gütige Gestalt, immer als ein Ske­lett charakterisiert, wandert durch die einzelnen Szenen des irdischen Lebens und die beiden Meister können in unserer Seele die entgegen­gesetztesten Stimmungen erwecken. Manche Sze­ne bietet uns ein schwungvolles und zugleich auch mystisch-symbolisches Bild des Irdischen. Eine wahre Schatzkammer der originellsten Ein­fälle eröffnet sich vor unserem Blicke. Bald se­hen wir den Tod auf dem apokalyptischen Pfer­de einhertrabend (am Titelblatt), bald fliegt er in der Gestalt eines Dämons mit Fledermaus­flügeln und erscheint über den Häusern des ärm­lichen Dörfleins, um mit der Sense die Opfer der Pestkrankheit niederzumähen. Als die Per­sonifikation des Krieges fährt er auf einer Ka­none einher. Aber dann steht er als ein stren­ger Lehrer hinter dem Kathederpult. Wunder­voll ist die Leidenschaftlichkeit, wie der Geliebte seinen Schatz noch in der letzten Minute dem Todesskelett entreissen möchte 7 und wie lieb­lich schwungvoll erscheint das tanzende Braut­paar vor dem musizierenden Tod I — eine Sze­ne, wie sie in den Sagen vom „Tanz in den Tod" vorkommt. 8 Im Kämmerlein der Dirne ist die „alte Tödin" die „Verlassenheit" selbst. Im wüsten Durcheinander der Zechgesellschaft ist der Tod „die Sünde". Am Tische des Karten­spielers, der verloren hat, ist der Tod „die Ver­zweiflung". Im Duell spielt erden Sekundanten und in der Revolution ist er — wie auf den Bildern Rethels — der Aufwiegler der mörde­rischen Leidenschaften des Pöbels. Am Scha­fott ist der Tod der Gerichtsvollstrecker, 9 er flieht vor dem Lebensverdrüssigen und sieht den Qualen des Selbstmörders ruhig zu. Aber auch diese Todesgestalt ist nicht immer die „mörde­rische Macht der Verwesung". Sie lebt noch im­mer, wie bei Holbein, i m Menschenkörper drin­nen und verlangt ihren Anteil auch an den Hand­lungen des alltäglichen Lebens. Der Tod mäht mit dem Bauer in gleichem Rythmus, er vollen­det den Ruhm des Malers und „führt heim" den tödlich ermüdeten, alten Krüppel. Der ganze Totentanz schliesst mit einem mächtigen Strahl der ewig menschlichen Hoffnungen : der aufer­standene Heiland besiegt doch zuletzt den Tod, diesen Würgengel auf Erden I Diese poetisch schwungvolle Totentanzauffassung ist das grösste Verdienst des Totentanzes von Merkel-Flegel (1850). Sechzehn Jahre nach dieser Totentanzreihe erschien diejenige von Ferdinand Barth. 1 0 Schon das Titelblatt bietet dem Auge einen künstle­risch vornehmen Anblick. Im mittleren Rundbild mit der Aufschrift „Media vita in morte sumus" steigt der Tod aus einem Grabe, schleift seine 7 Taíel XXXII. s vgl. Tafel XXXIII. 9 vgl. Tafel XXXIV. 1 0 geb. 1842 in Partenkirchen, Oberbayern und gest. 1892 ebendort; vgl. Tafel XXXV-XXXVII, Fig. 1- 18.

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