KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

eine Vorahnung der Barockkunst, währenddes­sen das Bild eines Gichtkranken, die Darstellung eines Zeitgenossen der Brüder Meyer, noch im­mer auf dem Niveau der alten, szenisch geglie­derten mittelalterlichen Totentänze steht. Und es haben die Totentanzideen vom Mittelalter bis zu den Totentanzszenen Holbeins einen sehr langen Weg zurückgelegt ! Es dauerte noch lange, bis sich auch die holbeinartige Totentanz­auffassung von der Gebundenheit des mittelal­terlichen Todes- und Toten-Reigens der Stände­vertreter befreit hat. Diese grossen Entfernun­gen in der Entwicklung des reigenartigen To­tentanzes bis zur holbeinartigen Szenerie soll uns die Gegenüberstellung der Totentanzreihe von Meslay-le-Grenet und der beiden Holbeinbil­der „Braut und Bräutigam" vergegenwärtigen. Schon in vielen Szenen des Meyer-Toten­tanzes trat ein satirisch-ironisches Element in den Vordergrund. Diese Züge des neueren To­tentanzes waren schon im alten Totentanzrei­gen und in den Nachahmungen der Basler To­tentanzszenen nicht ganz unbekannt Aber die spöttische Einstellung der Todesmotive in den neueren Totentanzszenen will die Schrek­kengestalt des Todes noch fürchterlicher erschei­nen lassen, wie dies auf einer Elfenbeinstatue des „Trommler-Todes" zu beobachten ist. 1 Das ungestüme Wesen des Todes, das sich hier auf keinen Standesvertreter bezieht, wird schon als ein Emblem behandelt. Für die verschie­densten Szenen der einstigen Totentanzreihen gibt es sozusagen feste, unveränderliche Rezepte und Regeln der Einrichtung, sodass man das Bild auch dann mit Leichtigheit deuten kann, wenn es mit der Zeit einen falschen Titel be­kommen hat, wie dies mit dem „ Wucherer " von Leprince geschah. 2 Während also die Brüder Meyer die dramatische Spannung der Totentanz­szenen beträchtlich erhöht haben, gab es neben­bei auch eine andere Richtung, bei welcher der Text wieder zu seiner alten Rolle gelangt und das Bild in eine leere Allegorie zurücksinkt. Zwar ist auch diese Allegorie nicht ganz wir­kungslos, wie dies das Flugblatt aus Köln be­zeugt. 3 Der Tod richtet seinen Bogen direkt ge­gen den Zuschauer und, indem er zielt, scheint er in der nächsten Minute seinen Pfeil auf den Leser des Textes abdrücken zu wollen. In die­sem Symbolismus wird der Tod zu einer „Heer­fahrt" der „Verwesungsgeister" gegen die Mensch­heit und auch gegen die ganze Natur, gegen die Tier- und Pflanzenwelt. Der Gedanke, dass Menschen und Tieren das gleiche Ende bevor­steht, ist seit dem bekannten Blatte von David Vinckeboons 4 über den Triumph des Todes und seiner Gesellen über Menschen und Tiere 5 ein sehr beliebt gewordenes und häufig wiederkeh­1 Tat. XIII. Fig. 1. 2 vgl. Tat. XIII. Fig. 2. 3 Fig. 3. auf derselben Tafel. 4 Vinek-Boons ; geb. 1576 in Mecheln und gest. 1629 in Amsterdam. 5 vgl. Taf. XIII. Fig. 4. rendes Motiv neuerer Totentänze. Was der be­kannte Niederländer, dessen liebster Gegenstand die Darstellung des Volkslebens nach dem Vor­bilde P. Bruegels war, auf seinem hier mitge­teilten Blatte zum Ausdruck bringen wollte, das­selbe verbildlicht später Alphonse Legros 6 auf seinem berühmten Blatte vom Triumph und vom siegreichen Kampfe der Todesdämonen gegen die gesamte Menschheit. Ein Vergleich zwischen den beiden Darstellungen kann uns von der Tatsache unterrichten, dass es sich hier um eine — vielleicht unterbewusste — genaue Einhal­tung derselben rezeptartigen Vorschrift der Ein­richtung derartiger Szenen handelt. Von den Totentänzen der Barockzeit er­rangen sich die Werke von Abraham á S. Clara eine unstreitbar geltendmachende Rolle in der Beeinflussung der weiteren Geschichte der neu­eren Totentänze. Dieser Einfluss war nicht nur ein rein literarischer, sondern auch ein künstleri­scher. Abgesehn davon, dass die Totentanzbil­der und Texte von Vondreb' Nachbildungen der 68 Totentanzbilder der Lorettokapelle der Augustiner Hofkirche in Wien sind und daher der Auffassung Abraham ä S. Claras entspre­chen, — da doch die Bilder der Wiener Lo­rettokapelle 1677/79 auf die Anregung des be­rühmten Wiener Augustiner-Predigers entstan­den sind, — muss mit unwiderruflicher Ent­schiedenheit festgestellt werden, dass die Werke Lösch-Wienn, Mercks-Wienn, Sterben und Er­ben und die „Totenkapelle" von Abraham ä S. Clara auch in ihrem Illustrationsschmuck so ei­genartig neu sind, dass sich seit Holbein kein zweites Totentanzwerk gezeigt hat, welches für die Totentanzforschung nur annähernd so be­deutende Resultate geboten hätte. Während das Werk „Die grosse Todtenbruderschafft . . ." (Salzburg 1684) ohne einen Rilderschmuck er­schien, sollen hier nur einzelne Bilder aus den übrigen Werken Abrahams besprochen werden. Tafel XIII. Fig. 6. bringen wir das Titelblatt der Flugschrift „Lösch-Wienn". Vor einem Tore, durch dessen barocken Bogen der Stephansturm zu uns herüberleuchtet, steht die symbolische Gestalt der Stadt und löscht die Flammen des Purgatoriums mit der Hilfe einer Giesskanne aus. Zu Füssen der Skelett-Chariatiden hockt eine symbolische Gestalt mit den Werkzeugen des Gebetes. Auf dem Titelblatte für „Mercks­Wienn" sitzt dieselbe symbolische Frauengestalt unter einem kahlen Baum, auf dessen Ästen ein Totenvogel mit Skelettkopf sitzt. Im Hinter­grunde gewährt uns das Bild auch einen Aus­blick nach Wien und vor der symbolischen Gestalt steht der geharnischte Tod mit Sieges­fahne, sich Respekt verschaffend. Die einzelnen Bilder dieses Büchleins wurden so gezeichnet, dass der Verfasser des Bildes direkt ein latei­nisches Zitat illustriert hat. Dabei hatte der II­6 geb. 1873 in Dijon und gest. 1911 in Watford bei London ; vgl. Taf. XIII. Fig. 5. 7 Bilder aus dem XVII. Jahrhundert in dem kleinen Dörflein bei Tirschenreuth im Stiflslande Waldsassen.

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