KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

Holbeins Totentanz wirkte aber vor allem als eine Einzelbilderreihe. Und als eine solche hatte er in der Förderung der weiteren Ge­schichte der Totentanzidee eine wichtige Rolle gespielt, da er schon in der ersten Ausgabe durch einen Text erläutert wurde. Der franzö­siche Literat Gilles Corrozet oder Carozet, der das Werk nicht als einen „Todtentanz" erkennt, gibt der Bilderreihe in der ersten Lyoner Ausgabe (1538) den Titel „Todesbilder", ,,.Simulachres et histoires faces de la mort". Er kennt auch keinen dialogisierten Totentanztext und geht daher in der Gestaltung seines eigenen Textes aus Bibelzitaten aus, denen er aber eine ganz willkürliche Umdeutung aufzwingt. Joseph Doll­riess zeigt in seiner Inaugural-Dissertation zu Königsberg, 1 wie Corrozet die Dialogform ver­nachlässigt, wie er in der Einleitung zur Aus­gabe meint, dass man eigentlich rechtfertigen sollte, warum so etwas Unreales, wie der Tod, im Bilde dargestellt wird. Seinen Standpunkt formuliert er so eigenartig, dass sich daraus der grosse Realisierungsdrang des modernen Toten­tanzes schon restlos zu erkennen gibt. Er stellt sich den Tod vor allem nicht als eine Person vor. Er geht vom Standpunkte aus, dass man das Unsichtbare nicht durch etwas Sichtbares vor Augen stellen könne. Tut man es doch, so kann das nur so geschehen, wie sich auch der unsichtbare Gott in seinen Werken offen­bart. Ebenso lässt sich die Gestalt des Todes durch seine Werke, durch den verwesten Kör­per und durch die Bilder der Gräber „vortäu­schen", obwohl der Tod selbst unsichtbar ist. Als dann Georgius Aemilius, d. h. Georg Oemm­ler, die französischen Begleittexte der ersten Ausgabe ins Lateinische übersetzt hat und später erst von einem Unbekannten, 2 dann für die Ausgabe 1557 3 von Caspar Scheit ins Deutsche übersetzt 4 und wieder in einen dia­logisierenden „Todtentanz" umgeformt wurde, gewannen die wundervollen Holbein-Holzschnitte in der meisterhaften Arbeit von Hans Lützel­burger 5 einen ungemein grossen Einfluss auf die Totentanzerscheinungen von ganz Europa. Trotzdem verliert der alte Totentanz, be­sonders der Basler „Todtentanz" seinen alten Vorrang nicht. Selbst Dürer steht z. B. auf sei­ner Zeichnungsskizze „Der Bischof und der Tod mit Schaufel" 6 mit dieser alten Auffassung noch in Verbindung. Was aber aus den Basler Re­1 vgl. „Totentanzlexte seil dem XVI. Jahrhundert ", Oettingen i. B. 1927. Verl. Friedr. Krön ; S. 9—27 2 Ausgabe 1544. Exemplar in der Staatsbibliothek zu München : vgl. Ellen Breede : Studien zu den lateini­schen und deutschsprachlichen Totentanzfexten . . . etc. Halle 1931, S. 109 ff 3 Verleger Gregorius Hoffmann in Worms. 4 vgl. Ellen Breede: a. a. 0. S. 125 ff. 5 vgl. Ferd. Max Kurth : Reigen der Toten'änze . . . etc. Berlin, 1900, S. 9 ff. und A. Freybe : Das Memento mori in deutscher Sitte, bildlicher Darstellung und Volks­glauben, deutscher Sprache. Dichtung und Seelsorge. Gotha, 1909. Friedr. Andreas Perthes Verl. S. 140 ff. 8 1514 ; Giuseppe Vallardi : Trionfo e Danza della Morte . . . etc. Milano 1859. Taf. VIII. zw. S. 25-26. miniszenzen unter Holbeinschem Einfluss für eine eigenartige Mischung der Motive entstand, das zeigt uns der Füssener Todtentanz, ein Werk des Füssener Malers Jakob Hiebeier, der die Füssener (bzw. Freiberger-) Annakapelle (am Barockkirchlein des St. Magnus-Stiftes) mit seinen Totentanzbildern schmückt. Auch der Text, eine Nachbildung des Basler Textes, 7 scheint eine Kompilation des Malers zu sein. 8 Auf die­sem Totentanz ist schon jene Weise zu beob­achten, wie durch Holbeins Vermittlung aus den Totentanzpaaren von Basel regelrechte „Szenen" entstehen. Meist erscheint eine grös­sere Anzahl von Skeletten, dem Papst spielt noch ein zweites Skelett auf seiner Schalmei ein Liedchen vor, auch beim Fürsten erscheint noch ein zweites Skelett mit einem Dudelsack. Den Doktor überraschen sogar drei Skelette. Es sind also keine „Todes-Bilder", sondern eher eine Art von Szenen aus Totensagen. Darauf weist auch die eigenartige Gestalt der Hexe, „Unholdt" genannt, am Schluss der Reihe hin. Aus einem Vergleich mit den Ausgaben des Basler Totentanzes ergibt sich als Resultat, dass Hiebeier eine Ausgabe von Hulderich Frö­lich benützt hat. 9 Renaissance und Humanismus bieten den kulturgeschichtlichen Hintergrund für die beiden Totentänze in Luzern. Das erste Luzerner To­tentanzbild, welches sich erst in der Jesuiten­kirche befand (später im Stadthause, bzw. in der Kantonalbibliothek), ist ein Ölgemälde von Jacob von Wyl (t 1621), welches auf Leinwand aus sieben grossen und einem kleinen Tableau besteht und ebenso nach einem Holbeinschen Vorbilde gemalt wurde, wie der zweite Luzerner Totentanz auf der Mühlenbrücke. Wyl eröffnet seine Bilderreihe von 2! Personen ebenfalls mit der Paradiesszene und schliesst sie mit der Darstellung des Beinhauses. 1 0 Die eigentliche Bedeutung des Wyl'schen Totentanzbildes ruht aber in der Tatsache, dass auf seine Anregung der imposante Totentanz auf der Spreuer- oder 7 vgl. H. F. Massmann : Die Basier Totentänze in getreuen Abbildungen nebst geschichtlicher Untersuchung, sowie Vergleichung mit den übrigen deutschen Totentän­zen, Stuttgart 1847: auf der Texttabelle im Anhang; wei­ter vgl. A Dürrwächter: Der Füssener Totentanz und sein Fortleben : Jahrbuch der Historischen Vereins für Schwa­ben und Neuburg. 25. Jahrg. Augsburg. 1898 ; der Text zuerst in einem „Kalender für katholische Christen 1845" erschienen. 8 Von diesem Totentanz lässt sich auch die Toten­tanzreihe in der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle in Oherstdorf, ein Werk aus dem XVII. Jh. ableiten und auch der Lech­taler Graveur, Anton Falger, hat um 1820 seinen Toten­tanz in Elbigenaln noch nach dem Füssen'schen Vorbilde aufaebaut ; vgl. Ellen Breede : a. a. 0., S. 82 ff. und J. Dollriess : a. a. 0 . S. 29 ff. 9 vgl. W. Seelmann : Die Totentänze des Mittelal­ters. Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachfor­schung. Jahrgang 1891. XVII. Leipzig 1892, S. 51. Vgl. hier Tafei VI. 1 0 1832 von Eglin restauriert ; vgl. Todtentanz oder Spiegel menschlicher Hinfälligkeit. In 8 Abbildungen, wel­che von v. Wyl gemalt. . usw. Getreu nach den Origine­llen lithogr. von Gebr. Eglin. Mit Text von B. Leu. Lu­zern 1843.

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