KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

X. Das einheitlich allgemein menschliche Bildals Symbol des Lebens – „Lebens-Tanz"

ras, als er ihr die Blumen schenken liess. — Eines Tages ging Hugh zu jenem Felsen hinaus, wo er einst der Gi­nevra die ewige Treue schwur, und zur Erinnerung legte er Blumen auf die Stelle, wo Ginevra stand. Ziegler ging ihm nach. Kaum erreichte Hugh den Felsen, — es fiel ein Schuss und er war tot. Im Gebüsch stand grinsend Ziegler mit der noch rauchenden Pistole. Diese neue Sünde ninlmt ihm aber den Verstand. Im Irrenhaus been­det er sein Leben. Diese pessimistisch gelaunte Erzählung, so­wie die willenlosen, vom Schicksal in die Ver­derbnis getriebenen Personen des Romans sym­bolisieren die heutige Gesellschaft. Dieses von aussen abgesperrte „Schweizer Haus", mit sei­nen dem sicheren Tod geweihten Kranken, ist die Welt und die Menschheit. Auch im Leben ist es ein Geheimnis, wohin die Menschen nach­einander verschwinden. Man sagt, sie seien in ein besseres Land verreist, sie sind aber ver­storben. Jeder Mensch ist ein Kranker des grossen „Weltsanatoriums," . . . und nur das eine ist sicher über ihn zu sagen, dass er ge­wiss sterben muss. Aber die Menschen küm­mern sich wenig um ihr trauriges Los und leben sorglos weiter. Die indifferenten, alltägli­chen Geschehnisse des Romans sind also ein finsteres Symbol. Die willenlos, fast unwissend in die Vernichtung gejagten Gestalten vertreten fast alle Nationen der Erde, um auch so die allgemeine Bedeutung vorzutäuschen. Die Dich­tungsart des Romans ist . also jene des allge­mein symbolisierenden Obergangsstadiums zur „allgemein menschlichen Totentanzauffassung ." Dabei wird das Symbol, — wie dies in sämtlichen, in diese Gruppe gehörigen Toten­tänzen geschieht, — mit den Elementen des Everyman-Todes-Tanzes und der germanischen Totensage vereinigt. Die nächtliche Erscheinung Ginevras im Traume ihres Geliebten ist ein Mo­tiv der Totensage. Zugleich endigt der Roman mit einem Hinweis auf den Tanz, auf die Mu­sik des Todes und auf den „Lebens-Tanz" der Menschheit : „So verschwanden Ginevra. Madame Mer­cati, Ziegler und Hugh aus dem Schweizer Haus, wie die verfaulten und zerjagten Blätter eines kranken Baumes." „Und diese Lebensmüden suchten Ruhe und versammelten sich hier, um jede Beziehung mit dem Leben abzuschneiden. Aber nur eine Ruhe gibt es : Bis in den Tod tanzen auf die Töne der Schalmei, auf die jeder tanzen muss, solange sie nur tönt, ob er krank, müde oder lahm ist ; obwohl hinkend, mit grotesken Be­wegungen, in herzzerbrechender Unbeholfenheit — aber bis in den Tod tanzen den Tanz des Lebens : und dann — zusammenbrechen." Den Begriff des „Lebenstanzes" verdanken wird die­sen Zeilen ; er ist eigentlich der Schlüssel zur Erklärung der modernen „Allgemeinen Toten­tanzauffassung." In der Rezension des Romans von Aladár Bodor 1 wird erwähnt, dass das Werk ein Ten­1 Im Tasrblatt Magyarság, in der Nummer vom 23. Nov. 1924. S." 10. denzroman sei, welcher das folgende Problem lösen will : „Der grosse Fehler in der Weltordnung ist, dass der Mann einer nicht unterdrückbaren körperlichen, und einer von der körperlichen Liebe verschiedenen seelischen Liebe bedarf und dass er jede dieser zwiefachen Liebe mei­stens mit einem anderen Weibe lebt und nur selten in ein und demselben Weibe vereinigt, währenddessen sich ein reines und selbstbewuss­tes Weib auch mit der seelischen Liebe be­gnügen und mit der körperlichen warten, ja ihr sogar vollständig entsagen kann." Wäre das der Grundgedanke des Romans, so wäre er genug unsittlich an sich. Abgesehn von der falschen Verallgemeinerung der „nicht unterdrückbaren" körperlichen Liebe des Man­nes. steht auch die Behauptung der abgeson­dert gelebten zwiefachen Liebe auf schwachen Füssen und untergräbt nebenbei die Idee von der Möglichkeit eines friedlichen und reinen Familienlebens. Das Ziel des Romans ist : das Elend des irdischen Lebens darzustellen. Zu diesem Zwecke brauchte die Dichterin willen­lose Gestalten, die ihre niedrigen Triebe nicht bekämpfen können und für die es wirklich eine nicht unterdrückbare körperliche Liebe gibt. Dies ist aber sogar den Gestalten des Romans nicht recht. Ziegler bekennt, dass aus den Lippen der Diakonissa Gertrudeine Perle fiel, die er gerne auf den Faden seines ungläubigen Lebens auffä­deln möchte. Als nämlich Gertrud von den un­schuldigen Leiden Ginevras sprach, und Ziegler darin die Ungerechtigkeit des Himmels sah, sagte sie : „Mein Herr, wir müssen an eine andere Weltordnung glauben, wo jeder so viel Wert haben wird, wieviel er hier unten gelitten hat!" Und Ziegler küsste nach diesen Worten den Saum des Kleides der Diakonissa und sprach : „Gott, wie gut wäre es, daran zu glauben 1" Da­bei steht der nur seelisch liebenden Ginevra die sinnliche Mercati gegenüber, die mit ihrer körperlichen Liebe doch nicht warten kann Und dem in einer Person zugleich seelisch und kör­perlich liebenden Hugh steht wieder Ziegler gegenüber, welcher zwar närrisch, aber rein und idealistisch liebt und von der Sinnlichkeit Mercatis und Hughs zurückschrickt. Ziegler be­kennt ausdrücklich, dass er, bei der Toten in der Kapelle wachend, sie nicht berührte. Endlich wird das von der Dichterin nur als Mittel zur Vergänglichkeitsdarstellung ver­wendete Liebesproblem im Roman nicht sehr begüngstigt. Die Tragik der Gestalt Hughs liegt ja gerade in jener Unmöglichkeit der Lö­sung seiner unkonsequenten Handlungsweise. Mit seiner körperlichen Liebe unterbricht und vernichtet er seine seelische Liebe. Seine Un­treue ist ein sündhafter Schritt, der eben gerade durch sein eigenartig persönliches Wesen bestra­fen wurde. Die Vergeltung äussert sich im Selbst­mord Mercatis, im scheinbar unversöhnten Tod Ginevras und in der drohenden, krankhaften Ver­dacht Zieglers. Die Tragik des Lebens wird in

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