KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes

tot zu Boden, als der Freier ihm ein Goldstück in den Hut wirft. Es wird im Garten dunkel und das Bild verwandelt sich in ein Brautkäm­merchen. Das Mädchen und ihr Bräutigam liebkosen sich. Auch das Brautmütterchen tritt ein — es sieht der gestorbenen Mutter der Braut sehr ähnlich. Sie winkt ihrer Tochter und ent­weicht, als diese tot auf die Brust des Bräu­tigams sinkt. Das Bild verschwindet und das Marktvolk hört ein furchtbares Lied über den Tod, der um die Liebe des Menschen wirbt. Der „Meister Traum" weist zugleich auf das nächste Bild hin : Der Johannes-Segen 1. Ein müder Wanderer hat noch einen weiten Weg, aber auf der Grenze seiner Heimat möchte er noch einen Abschieds­trunk nehmen. Er geht zu einem Wirt, der ihm einen Becher reicht und ihn bis zur Schwelle des Wirtshauses begleitet. Der Wanderer fällt hier tot nieder, hört aber noch die Worte des Wirtes : Dein Wirt war das — Leben. Das Bild, welches an die Szenen des Kugler­Totentanzes erinnert, verschwindet und aus der Dunkelheit löst sich das Gebäude eines Klosters, in dessen Kapelle die Mönche wie Scheintote sitzen. Und der Traum erzählt die romantische Geschichte vom Pförtner 2 Ein junger Mönch ist der Pförtner des Klosters. Er sehnt sich in die Welt hinaus. Bei der Pforte sitzend hört er die lockenden Musiktöne der Welt und verlässt das Kloster. Als der alte Abt und die Mönche ihr Gebet beendigt haben, da vernehmen sie auf einmal ebenfalls die lockende Melodie und kom­men sehnsuchtsvoll zur Pforte herunter. Da steht aber ein alter, grauer Pförtner mit einem langen, scharf geschliffenen Stab und lässt sie nicht hinaus. Er ermahnt sie, den lockenden Tönen nicht zu folgen, da diese nur durch die Nach­lässigkeit des jungen Pförterns in das Kloster drangen. Von jetzt an hütet der l od in der Ge­stalt des alten Pförtrers die Pforte. — Nach viel Jahren kommt der junge Mönch schon als ein alter Greis zurück und der graue Pförtner will ihn nicht hereinlassen. Da er aber sieht, dass sich der Verlorene bekehrt hat, lässt er ihn voll Rührung und Mitleid herein. Die alten Brüder sind schon alle tot, doch als der Bekehrte in die Kapelle tritt, da sieht er seinen alten Abt und die Brüder wieder auf ihren Plätzen sitzen. Er legt diesen Toten, die allein seine Sünden auf der Welt kennen, ein reuiges Bekenntnis ab und stirbt. In dieser Szene personifiziert der Tod den Zeitgeist des Mittelalters. Er dient hier noch seinem ursprünglichen Gebieter, Gott. In den späteren Duller-Szenen wird er aber schon in den Gottesfeind, in den Bechstein'schen ger­manischen Jod verwandelt. — Das Bild ver­schwindet und ein Lied leitet das nächste Bild ein, indem der Traum den Tod eines Königs und eines Schuldners erzählt : 3 Der Schuldner 1 Nr. 3. 2 S. 64 {f. Nr. 4. Vgl. Tai. XXVIll. Fig. 4. 3 Nr. 5. Des Königs Testament. (S, 77 ff.) Nr. 6. Der Schuldner. (S. 85 ff.) sitzt im Kerker und träumt über seine nie er­reichbare Freiheit Da öffnet einmal der Schlies­ser die Tür und gibt ihm Wein und Essen. Der Schuldner staunt über die ungewöhnliche Güte des Schliessers, Dieser aber erklärt ihm, dass er Nachfolger des gewesenen Schliessers sei und er seinen Gefangenen Freude bereiten möchte. Er fragt den Schuldner, ob er frei sein möchte. Da erklärt der Alte, dass seine Sehn­sucht nach Freiheit noch jung sei. Hierauf be­freit der Schliesser den Schuldner und führt ihn aus dem Gefängnis durch eine schmale kleine Holzbrücke. Als der Alte das rote, schimmernde Abendlicht erblickt, fällt er tot in die Arme des Schliessers und er ist frei. Der Schliesser war der Tod, der ihn allein befreien konnte. In der weiteren Folge dieses Totentanzes singen die Suchenden und der Tod gemeinsam einen mysti­schen Gesang. 4 Den Anfang des Gesanges der Astrologen möchte ich hier mitteilen, damit wir an den Inhalt der Kepler-Szene des Madäch­Dramas erinnert werden. Madách weist doch in seinem Stücke gerade in der Kepler-Szene auf die Tragik der Astrologen hin, die seinerzeit statt eine wissenschaftliche Astrologie betreiben zu können, Schwarzkünstler sein mussten. „In Zauberkreisen, In festen Ringen Wollen wir zwingen Den alten Weisen. Welch freches Lügen, Welch Spott ob unserm Schmerz 1 Soll uns genügen Ein treues Herz ? — Nicht hier auf Erden, — Droben, im Himmelsrund, Muss kundig werden Leuchtend, hell unser Fund, Am Himmelbogen Müssen wir finden, Nicht in der engen Brust, Das Glück, den Stern Hierauf singen noch die Alchimisten, die Krie­ger, die Poeten, die Irrsinnigen und schliesslich der Tod. Der Arzt 5 will den Kranken retten und alarmiert sein ganzes Heer, die Medizinflaschen und Kristierspritzen. Aber der Tod ist gehar­nischt und von seinem Panzerkleid prellen alle Schachteln und Flaschen ab. Endlich drückt der Tod seinen Pfeil nicht nur auf den Kran­ken, sondern auch auf den Arzt los. 6 Der Tod wird in der nächsten Totentanz­szene zum Knechte eines faulen Bauern 1 Dies ist für ihn eine passende Beschäftigung, denn auch er ist ja ein langsamer Knecht. Als der Bauer krank wird, so schickt er diesen langsa­men Knecht nach dem Tod und glaubt, dass er solange am Leben bleiben kann, bis dieser 4 Intermezzo. S. 95 ff. Nr. 7. 5 S. 107 ff. Nr. 8. 0 Vgl. Tai. XXIX. Fig. 8. 7 S. 115 ff. Nr. 9.

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