KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes

Das schadet nicht, — er kehrt doch bald [zurück. Endlos wird aber deine Sühne sein, Indem du immer wieder sehen musst, Dass, was du zu verderben trachtest, stets Ein neuer Keim des Schönen, Edlen wird." Das Drama endet mit einem Chor der En­gel, mit einem Hymnus des freien Willens. Eva. Ach, ich versteh' das Lied, Gott sei [gepriesen I Adam. Ich ahn' es auch, und will darein mich [finden, Das Ende, ach, könnt' ich nur das [verwinden ! Der Herr : (zu Adam) Lass' dir's gesagt sein : kämpfe und [vertraue !' „Die Tragödie des Menschen" von Ma­dách ist eine historische Einzelbilderreihe, ein Totentanz. Wenn wir hier einzelne Szenen des Dramas mit zwei deutschen Totentänzen ver­gleichen, die vor Madách erschienen sind und sehr verbreitet waren, so wollen wird dadurch nur den Totentenzcharakter des Madách Dra­mas beweisen, das aus Szenen besteht, die zu seiner Zeit durch die Vermittlung der schon öf­ters erwähnten deutschen Totentänze als reine Totentanzszenen galten. Es ist nicht sicher, ob Madách diese beiden Totentänze gekannt hat. Es kann ja leicht möglich sein, dass ein grosser, genialer Dichter solche Motive von einem Werke unbeeinflusst dem Zeitgeiste gemäss neuerlebt. Nachdem der Everyman-Todestanz in der Dichtung des ausgehenden XVIII. und begin­nenden XIX. Jahrhunderts mit den Toten-Tän­zen gleichzeitig einen historischen Rahmen er­halten hat, wurde die historische Einzelbilder­reihe von Abraham ä St. Clara, die aus lauter Everyman-Todes-Tanz-Szenen bestand, mit den Motiven der Totensage bereichert. „Der Totentanz" von Ludwig Bechstein 2 ist eine Sammlung von Totentanz-Gedichten, deren Grundlage die Holbein-Bilder sind. Vor der Inhaltsangabe lesen wir die Bemerkung des Dichters : „Die Folge der Bilder ist genau die­selbe, wie in den Originalausgaben (Holbeins), und nur die Benennung einiger ist verändert". Aber Bechstein hat nicht nur die Benennung verändert, sondern den ganzen Sinn der Hol­beinbilder. Und das soll nicht zu seinem Tadel gesagt werden. Der Dichter behält den Inhalt der Holbeinbilder nur in Grundzügen. Seine Phantasie bildet ein jedes Bild zu einer länge­ren Geschichte aus, deren Hintergrund mehr­mals ein historisches Begebnis ist. Bechstein 1 Übersetzung von Julius Lechner von der Lech. Mit einem Vorwort von Jókai: Die Tragödie des Men­schen. Dramatische Dichtung von Emerich Madách. Leip­zig, 1888. Reclam. 2 Mit 48 Kupfern nach Holbein. Leipzig. Fr. Aug. Leo. 1831. bringt durch die den Toten- und Todes-Sagen entnommen Motive eine interessante Einheit in die Holbeinbilder, die Holbein nicht planmässig gezeichnet hat, welche daher ausser der To­desgestalt miteinander durch kein Verbindungs­glied vereinigt wurden. Die führende Rolle ü­beinimmt bei Bechstein der Text. Die originel­len Gedanken Bechsteins kehren dann umge­staltet in der „Tragödie des Menschen" wieder. Die einzelnen Szenen Bechsteins spielen in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. Sie sind keine symbolischen Dar­stellungen des Lebens, sondern reale Darstel­lungen der Geschichte der Menschheit. Es ist selbstverständlich, dass diese Szenen weit nicht so kunstvoll sind, wie die Szenen der „Tra­gödie des Menschen". Der Tod zeigt uns hier Szenen aus der vorgeschichtlichen Zeit, die ge­ologischen Umwälzungen und führt uns durch die Vernichtung der ägyptischen und römischen Welthegemonie in die deutsche Geschichte. Aus der Gegenwart wird der Tod Napoleons und Goethes dargestellt. Hauptsächlich jene Einfälle Bechsteins sind kunstvoll, durch welche die Holbeinbilder als Illustrationen der Bechstein­gedichte erschienen. Die historischen Szenen werden durch die Tragödie des Todes und der Menschheit in eine geschichtliche Einheit zusammengedrängt. Im Totentanz Bechsteins herrscht daher eine grös­sere Einheit, als in den Holbein-Totentanzbil­dern. Dieser Totentanz macht den Eindruckei­nes grossen Sagenkreises, der den Tod im Le­ben, in der Geschichte auftreten lässt. Der Bech­stein-Totentanz ist die Tragödie des Todes und nicht nur die Tragödie der Menschheit. Von der Zeit und dem Leben geboren durchwan­dert der Tod die Welt, wie ein auf die Erde verbannter Wanderer. Er ist überall bekannt und doch unbekannt. Vom Messias besiegt, über­fällt er mit neuer Kraft die Menschheit. Sein Ziel ist, die Menschheit von Gott abwendig zu machen. In der grössten Sünde überrascht er den Menschen und tötet ihn mit teuflischer Schadenfreude. Als ein ruhelos wandernder „Quälgeist" oder „Rachegeist", dessen Gestalt dem „wilden Jäger" und dem „Wanderer-Wuo­tan" sehr nahe steht, kämpft er gegen das „Le­ben" und wird aber doch zuletzt einsehen müs­sen, dass den Ruinen des vernichteten Lebens ein neues Leben entspriesst. Die allerletzte Ver­nichtung der ganzen Menscheit, welche der Tod so sorgfältig vorbereitet, wird zu einer allgemei­nen Versöhnung. Die Auferstehung der Mensch­heit ist der grösste Sieg über den Tod. Der Kampf des Todes gegen Golgotha endet mit der Niederlage dieses teuflischen Geistes. Die Sehn­sucht der Menschenseele nach der Ewigkeit kann der Tod nicht aus dem Herz der Men­schen schaffen. Dieser erfolglose Kampf wird dem Tod zuletzt langweilig, er möchte die Welt verlassen, aber die vollständige Ruhe findet er erst am Tage des Jüngsten Gerichtes. Die Tra­gödie des Todes bei Bechstein entspricht der

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