KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
VII. „Die Tragödie des Menschen" von Madách und die „historische Einzelbilderreihe" des modernen Totentanzes
- 173paarlos sind — zum Paare begehrten. Adam macht auf Eva Anspruch. Aber die Meinung des Gelehrten ist : „Schwärmerisch der Mann, die Frau nervös, gibt ungesunde / Nachkommenschaft. Das Paar taugt nicht zusammen." Doch will Adam von seiner Wahl nicht abstehen. Sie lieben sich. Der Gelehrte und der Greis bedauern die beiden, wie man Wahnsinnige bedauert. Aber dieser Wahnsinn ist Adam lieb. Denn was jemals gross und heilig war, wird ja nur hier als Wahnsinn erklärt. Er umarmt Eva : „ und wir verachten Den niedrigen gemeinen Staub der Erde, Uns kühn den Weg in höh're Sphären su[chend." Durch die Worte Adams empört, schickt der Greis beide ins Krankenhaus. Aber Luzifer bedeckt Adam mit seinem Rock, beide versinken : „Adam, wir reisen 1". — Das Bild der Zukunft, welches hier Madách entwirft, ist recht trostlos, aber die „Fortschritte", welche die Kultur, Wissenschaft, Kunst, Technik, Medizin, Politik des modernen Abendlandes machen, beweisen, dass Madách mit dem Blicke eines Propheten die drohende Gefahr des Unterganges erkannt hat. Luzifer fliegt mit Adam in den unendlichen Raum. Adams Sehnsucht war ja, von jeder Schlacke befreit in höhere Sphären zu gelangen. Von weitem ist ein Kreisschnitt des Erdballs sichtbar, der immer kleiner wird, bis er nur als Stern erscheint, unter die andern vermengt. Adam (die Menscheit), zu einem betagten Greis geworden, hat sich aus dem Banne der Erde befreien wollen, da er fühlte, dass die Erde zu gering sei, um seine stolze Seele einzuschliessen. „Doch überfällt es mich wie banges Heim[weh, Da ich von ihr nun losgerissen bin. Ach Luzifer, schau' nur einmal zurück Auf unsre Erde dort 1 Zuerst entschwanden Die Wiesenblümlein unsern Blicken, dann Der Waldesriesen schwanke Blätterkronen; Die wohlbekannte heimatliche Gegend Mit ihren hundert trauten Lieblingsorten, Schneehäupt'gen Bergen, grünen Thälern, [ist zur Charakterlosen Ebene verflacht." Der Fels wird jetzt zur schlechten Scholle, das blitzschwangere Wolkenheer ist zu einem armseligen Flöckchen Dunst eingeschrumpft, aus dem Ozean wurde ein bescheidener grauer Fleck und der Erdball verliert sich ängstlich kreisend unter Millionen gleichartiger Gefährten. Das war unsere ganze Welt 1 — Von so einem hohen Standpunkt geht zuerst der Liebreiz verloren, dann die Grösse, die Kraft, bis zuletzt nur die starre, abstrakte Mathematik übrigbleibt. Wie die Sterne, so bleiben auch Ziele, Hindernisse, die Liebe, der Kampf ums Dasein hinter den zwei Fliegenden zurück. Aber Adam will nicht zurückkehren,obwohlsein Atem stockt und er vor dem Unendlichen einen Schauder fühlt. Endlich ist er an der Scheidegrenze zwischen Himmel und Erde angelangt. Die Stimme des Erdengeistes ruft ihn zurück, fliegt er noch weiter, so muss er sterben. Aber Adam will trotzdem nur vorwärts. Plötzlich erstarrt er mit einem Angstschrei. Luzifer stösst ihn von sich, damit er, wie ein neuer Planet im Weltenraume weiterkreise. Aber der Erdgeist erweckt ihn zu einem neuen Leben und Luzifer führt ihn wieder auf die Erde zurück, damit er den zwecklosen Kampf mit neuer Hoffnung aufnehmen kann. Das Ende der Menschheit ist jämmerlich. Während Luzifer mit Adam in den weiten Weltenraum hinausgeflogen ist, sind auf der Erde die viertausend Jahre vergangen. Schnee und Eis bedeckt die einst wunderbare Gegenden des Äquators Die Sonne erscheint als rote strahlenlose Kugel von zerrissenen Nebelschwaden umgeben. Die Wissenschaft hat über das Los der Erde nicht gesiegt. Adam : Was wandern wir in dieser endlosen Schneewelt umher, wo uns der kalte Tod Aus leeren Augenhöhlen frostig anstarrt ?... Und aus dem Nebelgrau der Mond mit rotem Gesicht hervorlugt, wie des Totengräbers Laterne in die Nacht des Grabes leuchtet ... Welch' Schreckenswelt 1 rein nur zum Ster[ben gut. Wird mir nicht leid tun ihr Valet zu sagen. Ach, Luzifer 1 der ich einst an der Wiege Der Menschen stand, der ich gesehen habe, Welch' grosser Zukunft Hoffnung drin geschlummert, Der alle seine Kämpfe mitgekämpft, Wenn ich nun da auf diesem Riesengrabe, Worüber die barmherzige Natur Ein Leichentuch gebreitet, sinnend stehe, Der erste, letzte Mensch auf dieser Welt : Wüsst' ich doch gern, wie meine Art ge[endet ? In edlem Kampfe, mutig, — oder schmachvoll . . . ? Der Mensch dieser vereisten Welt hat sich in in ein Tier verwandelt. Er wohnt in einer kleinen Eskimohütte und als er Adam und Luzifer erblickt, wirft er sich vor ihnen nieder, betet sie an, als wären sie Götter. Er ist gern bereit, die schönste Robbe, die er erbeutet, für sein Leben zu opfern. Luzifer fragt ihn, mit welchem Recht er sein Leben mit dem Leben der Robbe löst. Die Antwort ist grässlich : Mit dem Rechte des Stärkeren. Der Fisch frisst den Wurm, den Fisch der Seehund, den Seehund verzehrt der Mensch und den Menschen der grosse Geist, die Verwesung. Die Hauptfrage dieses Menschen ist, ob er hungrig oder gesättigt ist. Dieser Eskimo bedauert, dass in der Gegend noch so viel Menschen wohnen. Er hat schon alle seine Nachbarn erschlagen, doch kommen immer neue her.