KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

# 7. Der „Everymans-Tod" als Anführer der Toten 1 Schon im mittelalterlichen Todtentanz er­scheinen : „Der töt und seine gesellen." Nicht ein germanischer „Quälgeist", sondern der mit­telalterliche Tod selbst ist der Anführer der Toten. Auch diese Form des „wütenden Heeres" reicht bis in die modernste Literatur hinauf. Das Motiv vom „Tanze in den Tod" und von der dämonischen Musik der Schalmei des To­des vereinigt in der „Ballade vom Tod und dem Zecher" 2 Otto Julius Bierbaum mit der Führer­rolle der Everyman-Todesgestalt und mit dem Motiv des „wütenden Heeres". Ein Jüngling la­det den Tod zum Zechgelage ein. Der Tod er­scheint mit Sense und Sanduhr. Er ist die Eve­ryman-Todesgestalt. Der Tod ist aber ein fader und langweiliger Zechkamerad. Der Jüngling schenkt ihm ein, aber er trinkt nicht. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, den Tod auf­zuheitern, ruft der Jüngling zwei Dirnen herein, Leonore und Belinde. Die beiden Mädchen er­scheinen nackt und tanzen. Aber auch dies rührt den Tod nicht. Endlich schenkt er dem Jüngling ein, aber sein Wein wird zu Blut. Wie auf einen Ruf des Todes erscheinen noch zwei Mädchen, ebenfalls splitternackt und der Tod spielt ihnen auf seiner Schalmei ein teuflisches Lied vor, welches wie Fegfeuerschrei klingt. Die zwei Mädchen des Todes sind hohläugig und kalt, sie sind zwei verdammte Seelen. Die­se zwei bösen Geister packen den Jüngling und drehen und schwingen ihn im endlosen Tanz. Die aus einem Menschenknochen verfer­tigte Schalmei des Todes schrillt spöttisch . . . Dem Jüngling vergeht sein Atem, sein Herz steht still und seine Seele weht in die Hölle. „Freund Hein" — wie ihn der Jüngling nennt — ist der „Everymans-Tod". Erreicht dem Men­schen den Todestrunk. In seinem Becher ver­wandelt sich der Wein in Blut. Seine Musik ist Teufelsmusik. Der Tod als Zechkamerad des Menschen tritt auch in einer ungarischen „Comico-Tra­gödie" aus dem Jahre 1646 auf, 3 in welcher die Parabel vom Reichen und armen Lazarus mit dem Tod eines Säufers, eines Soldaten ver­bunden wird und welche mit der bekannten Ansprache des Todes, bzw. der Toten im Bein­haus der Trier-Homburger Legendenform und des Casseler Toten-Tanzes endet. Man sieht, dass die merkwürdigsten Dar­stellungsweisen der Totentanzidee aus einem eigenartigen Gemisch der mittelalterlichen ge­lehrten und volkstümlichen Tradition abgeleitet werden können. 1 Tab. B. II. b. 3. ß 2„Irrgarten der Liebe". Gedichte aus den Jahren 1885 bis 1900. Berl.-Leipzig. Insel-Verl. 1901. „Im Balladenton" S. 417 ff. 3 Alszeghy Zsolt: Magyar drámai emlékek a közép­kortól Bessenyeiig. Budapest. 1914. Kisfaludy Társ. Nemz. kvtára. Bd, LX. S, 163-216, 8. Der „Toten-Tanz" der Sage im Rahmen der historischen Wirklichkeit 4 Schon der Everyman-Todestanz näherte sich der historischen Darstellung der historischen Wirklichkeit durch den geschichtlichen Rahmen, durch zeitgenössische Verhältnisse, in denen die Todesgestalt aktiv auftritt. Auch die „Toten­Tänze" der germanischen Sage werden in einen historischen Rahmen verlegt. Die Ballade „Le­nore" von Bürger spielt eigentlich auch schon zur Zeit Friedrichs des Grossen. Die Geschichte des Everyman-Todes-Tan­zes und der Toten-Tänze der germanischen Sage gehl von zwei Richtungen aus. Aus der Ver­einigung der zwei Richtungen entsteht die „all­gemein menschliche Totentanzauffassung." Um die zwölfte Stunde erscheint „der tote Cäsar", Napoleon, in einem wertvollen Gedicht „Die nächtliche Heerschau" von Joseph Frei­herr von Zedlitz (1790—1862). Wenn es zwölf Uhr geschlagen hat, verlässt der Tambour sein Grab. Er geht mit der Trommel emsig auf und ab und rührt mit seinen entfleischten Händen die Schlegel. Die alten Soldaten erwachen in ihrem Grab. Nicht nur jene hören den starken Ton der Trommel, die in demselben Friedhof begraben wurden, sondern auch jene, die im tiefen Norden in Schnee und Eis erstarrten, die in Italien liegen, die der Nilschlamm, der ara­bische Sand deckt. Alle nehmen ihre Gewehre. Auch der Trompeter steigt aus seinem unter­irdischen Hause. Die Trompete schmettert und er reitet auf und ab, während sich die grosse Menge eilig in Reih und Glied stellt. Blutige Schwadronen reiten herbei, ihre Schädel grinsen unter dem Helm hervor und in der Knochen­hand halten sie lange Schwerter. Zum Schluss erscheint der grosse Feldherr mit seinem Ge­neralstab langsam herbeigeritten. Der Feldherr besieht sich die Truppen. Er hat einen kleinen Hut, kleinen Degen und trägt einfaches Kleid. Die Reihen präsentieren und das ganze Heer zieht in einem strammen Marsch vor dem Gene­ralstab vorüber. Der Feldherr sagt den Marschäl­len und Generälen ein leises Wort : „Frankreich" ist die Parole, „Sankt Helena" 1 die Losung. „Das Geisterschiff" , ebenfalls ein Gedicht von J. Frh. v. Zedlitz, lässt Napoleon in seine Hei­mat zurückkehren. Er verlässt auf einem „Gei­sterschiff" die öde Insel, St. Helena. Von Gei­sterhand gesteuert ist der Lauf des Segelschif­fes unaufhaltsam. Wie in der Sage vom „Flie­genden Holländer", durchkreuzt auch hier das Schiff des Toten das Meer über den schäu­menden Wogen, ohne vom Sturm vernichtet zu werden. Der tote Napoleon besucht sein ehemaliges Reich, findet aber, dass auch sein Ruhm vergänglich war. Seinem Erben blieb selbst der grosse Name nicht, den er ihm liess. Das „Geisterschiff" ist das „Totenschiff" der germanischen Mythologie, auf dem der Tote 4 Tab. B. II. b. 4; l. a. 2. + II. 4,

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