KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
IV. Der germanische Toten-Tanz
qviqvam valent contra furorem ejus". — Die Mutter des „Halálfi" ist selbstverständlich die „Everyman-Todesgestalt". Die Charakteristik dieses interessanten Todesgeistes ist prachtvoll. Seine blinzelnden Augen liegen tief in seinen dunklen Augenhöhlen. Wenn er sich bewegt, klappern seine kraftlosen Knochen. Die traurige Verwesung ist sein Purpurmantel. Seine sehnigen Hände sind nur beim Erwürgen brauchbar. Seine liebste Unterhaltung ist Lustmord. Findet er niemanden, den er töten könnte, so spielt er sich mit seiner Hand, als wollte er die Luft erwürgen. Er lebt wie ein Mensch. Er wird auch hungrig. Seine liebste Speise ist die bittere Erde. Er legt sich auf den Boden und schüttet eine Faust voll Erde in seinen gierigen Mund. Wie später bei Bechstein der „Wanderer", gebietet der „Halálfi" einer grossen Menge von Dienern, die in der Höhle sitzend auf seine Befehle warten : die ersten Sünden der Jugend, Zecherei, das böse Geschick, die Qualen, der Hunger, Durst, Neid, die Schande usw. Hadadür schlägt den „Halálfi" mit einer Keule zu Boden, bindet ihm einen Strick um den Hals und nimmt ihn mit sich auf den Weg. Unterwegs bindet Hadadür den Tod an einen starken Baumstamm und lockt Szüdeli, das feenhafte Mädchen, mit den lieblichen Tönen seiner märchenhaften Wunderpfeife zu sich. Während aber Hadadür schläft, nimmt der Tod die Seele des Mädchens aus seinem Körper und das Mädchen sinkt tot nieder. „Halálfi" hält die schöne Seele grinsend in seiner Knochenfaust und will sie erwürgen, aber ein Löwe überfällt ihn. Hadadür erwacht und bittet den Tod, die Seele des Mädchens freizugeben, aber der taube Tod hört seine Bitten nicht. Hadadür kämpft mit dem Tod drei Tage und drei Nächte, bis er den „Halálfi" vollständig vernichtet hat. Dann gibt er dem Mädchen ihre Seele zurück. Nach einer griechischen Sage sendet Zeus den Tod um Sisyphus, damit dieser in der Unterwelt gehörig bestraft werde (vgl. damit die Erzählungen über Everyman). Sisyphus kämpft mit dem Tod, besiegt ihn und bindet Hände und Füsse des Boten der Unterwelt. 1 Diese Sage, sowie das deutsche Märchen vom Spielhansel und vom Tod erinnert an den Kampf des Hadadür mit dem Tod. In einem Gedichte von Ady : „A menekülő élet" (1912), in dem sich das „Leben" vor dem Tod flüchtet, wird das Motiv der „vielen Tode" auch auf die Gestalt des „Lebens" übertragen. Das „Leben" wird von vielen „kleinen Leben" begleitet, während die Diener des „Todes" „kleine Tode" sind. In der deutschen Literatur können wir dieses Motiv in keinem Totentanz auffinden. Im 5. Gedicht des Bechstein-Totentanzes (dem 5. Holbein-Bild entsprechend : „Gebeyn aller menschen") sind die „Todesengel" Leichen der ver1 Peez : Ókori lexikon. Budapest. 1904. II. S. 802. storbenen Menschen. Diese sind aber nur die Totengeister des „wütenden Heeres" und werden nicht einzeln zu je einem Menschen gesandt, sondern töten alle Menschen, die ganze Menschheit. Im 13. Gedicht Bechsteins sind die Diener des „Wanderers" : „der Zorn", die „Rache", „der Neid", „Rausch", die „Krankheit" usw. Der „Wanderer-Tod" ist aber nur „ein Tod", ihm dienen die Todesgeister des „Zornes", der „Rache" usw. Im ersten Gedicht des Totentanzes von Frey (1895): „Vor meiner Kammerthür ..." steht vor der Tür des Dichters eine Todesgestalt die Wache. Ob sie zur Gemeinschaft der „Tode" gehört oder nur „der Tod" ist, das kann man schwer entscheiden. Der „Halálfi" ist der „moderne Tod" der ungarischen Totentanzliteratur. 6. Der „germanische Tod" als Anführer des „wütenden Heeres" 2 Während die „vielen Tode" bei Vörösmarty die Kinder des Todes sind und die Eigenschaften ihres „Vaters" oder ihrer „Mutter", der Todesgestalt, erben, wird in der deutschen Totentanzliteratur der Tod zum Führer der Toten, die ihm dienen. Während der „Halálfi" auch dann „ein Tod" blieb, wenn ihn sein Schöpfer, Vörösmarty, als einen ruhelosen Toten charakterisiert hat, verlor der Tod als Anführer der Toten seine Eigenschaft als „Everymans Tod" und wurde zu einem Toten, zu einem bösen Geist, zu einem „Quälgeist" , dessen Gestalt mit dem „Wilden Jäger" identisch wird. Der Tod wohnt mit den Toten in Berghöhlen, wie der „Wilde Jäger" mit seinem toten Gefolge. Der Tod steigt aus seinem eigenen Grabe und lockt auch die anderen Toten des Kirchhofs aus ihren Gräbern, um mit ihnen eine grosse Weltreise anzutreten und alle Menschen zu töten. Aber die Toten bleiben Tote und werden nicht zu „Toden". Der Tod — auch ein Toter — ist ihr Gebieter, wie auch der „Wilde Jäger" seinem Gefolge als ein unbeschränkter Herrscher vorangeht. Das vom Tod geführte „wütende Heer" lockt die Lebenden mit einer geheimnisvollen Kraft in den Tod, wie auch die Geister der Sage jeden Lebenden, den sie erwischen, hinwegraffen. Wie der „Wilde Jäger" durch einen Fluch Gottes auf die Erde verbannt wurde, so ist auch der »germanische Tod" ein unglücklicher, von Gott verstossener, tragischer Geist, dem sein mörderisches Amt keine Freude macht, der selber sterben möchte, aber die Welt nicht verlassen darf, da ihn Gottes Fluch auf die Erde bannt. Im 31. Gedicht Bechsteins ist der Tod der Gebieter und König der Toten, die sich aus dem Wasser erheben, um ihrem Herrn zu huldigen. Im 13. Gedicht des Bechstein-Totentanzes (Der Kurfürst) sendet der Tod seine Diener in die 2 Tab. B. II. b. 3 «.