KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

- Í46 — Szerelmedért Megöltem első férjedet ; De bűnömért Kezedből ittam vesztemet. Nézz meg, mivé lett szeretőd ; Nincs szer, mely meggyógyítsa őt. Mérged nekem halált adott ; Te menj s öleld a vérpadot." 1 Dann wankt „der Tod" wieder in sein Grab zurück. Der Leichnam des ermordeten Geliebten, sein Skelett, verlässt also das Grab und geht in das Haus seiner ehemaligen Frau, die sich jetzt wieder mit einem anderen vermählt und wirft ihr ihre Sünden vor. Das Skelett, welches hier auftritt, ist also ausdrücklich ein Toter und Vö­rösmarty nennt ihn doch den „Tod". Dies lässt sich nur aus ganz eigenartigen ungarischen Verhältnissen erklären. Die Toten­sagen werden in der ungarischen Literatur erst im XIX. Jahrhundert bearbeitet. Von 1510 (Ü­bersetzung des Vadomorigedich.tes und des Eve­ryman-Dialoges) bisinsXlX. Jahrhundert herrscht in Ungarn die reinste Todesauffassung der Lei­chengesänge und Kirchenlieder, in denen auch manchmal die Everyman-Todesgestalt auftritt. Während in Deutschland der Todes- und Toten­Tanz zu einem „Todtentanz" (Toten-Todes-Tanz) wurde, dessen Skelettgestalt gleichzeitig den Tod und einen Toten bedeutet, nennt man in Ungarn den Todes-, den Toten-Tanz, sowie den Tod­ten-Tanz nur mit einem Namen : „Haláltánc" : „Todestanz". Es ist also selbstverständlich, dass man im XIX. Jahrhundert, als die deutschen Toten­sagen auch in die ungarische Literatur über­tragen wurden, den germanischen Toten „den Tod" nannte. Dieses Motiv entstand aus unga­rischen Verhältnissen und wird von Vörösmarty das erstemal verwendet. Unter dem Einfluss Bech­steins wird dieses Motiv später auch in der deutschen Literatur und Kunst zur Mode. Bei Rethel steigt „der Tod" aus einem Grabe, um nach Paris zu wandern und die Revolution zu führen. Er ist aber eigentlich ein teuflischer Toter. In dem Gedichte „Haláltánc" („Todes­tanz", zwischen 1908—1911) des modernen un­garischen Dichters, Babits Mihály, 2 ist „der Tod" ein „alter Toter", ein „Längstverstorbener", er­scheint aber auf einem Thron, wie der „König Tod" und telephoniert der Menschenseele : „Hallo ! Hier der „Tod" 1 Der Totentanz von Max Morold 3 ist eben­1 „Dein Gift war nicht genug stark. Hier steht der Mörder, der Held 1 / Für deiner Liebe Preis / Ermordete ich deinen ersten Gatten, / Aber für meine Sünde / Trank ich aus deiner eigenen Hand die Strafe. Betrachte mich, was aus deinem Geliebten geworden ist. / Es gibt kein Mittel zu seiner Heilung.- / Dein Gift gab mir den Tod, / Und du geh und umarme das Schafott." 2 Babits : Versek. 1927. S. 87. " Ein Totentanz : Ein Tanz- und Sing-Spiel in drei Aufzügen. Nach einer schlesischen Sage von Max Morold. In Musik gesetzt von Joseph Reiter. Mit Titelzeichnung von Ferdinand Dorsch. Wien und Leipzig. 1903. (Carl Fromme). falls ein germanischer Totentanz. Der Tote der germanischen Totensage erscheint als die Eve­ryman-Todesgestalt. Titelblatt : Im Vordergrund steht der Tod den Du­delsack pfeifend. Er hat einen Totenschädel, aber er ist bärtig und langhaarig. Er ist als ein alter Mann dargestellt. Er hat einen Jägerhut mit Federschmuck und ist in einen grossen dunkelgrauen Wettermantel gehüllt (übrigens rot gekleidet). Auf die von ihm aufgespielten Tanzweisen tan­zend folgen ihm weiss gekleidete Jungfrauen. Zeit : Anfang oder Mitte des XVI. Jahrhunderts. Der 1. Aufzug spielt Sonntag, der zweite Mittwoch und der dritte Sonnabend. I. Aufzug. Der Tod, ein alter Mann, spielt Dudel­sack. Die sehnsüchtigen Melodien locken den jungen Ma­ler, Wipo, zu ihm. Dieser bittet den vermeintlichen „alten Bettler", er soll auch seiner künftigen Braut ein so wun­dersames Liedchen vorspielen, da wird sie, die Tochter des Bürgermeisters, die Bitte eines armen Malers vielleicht doch erhören. Der Tod teilt ihm mit, dass er Ella, die Tochter des Bürgermeisters gut kenne ; er weiss aber auch, dass ihr Freier ein prahlerischer Bürgerjunge ist. Kaum hat aber Wipo über seinen Rivalen, Odilo, gehört, als dieser, mit seiner Partei das Abdanken des jetzigen Bürgermeisters planend, erscheint und dem Maler und Sackpfeifer (diesem „Gesindel" — wie er die beiden schilt) befiehlt, den Platz zu räumen. Es wäre zwi­schen dem Maler und dem Junker zu Tätlichkeiten ge­kommen, wenn der Bürgermeister mit seiner Tochter im Gedränge des zu einem Feste sich versammelten Volkes nicht erschienen wäre. Odilo eilte ihnen entgegen. Als Wipo aber Ella bemerkte, begann der Alte den Dudel­sack zu blasen. Ella horchte auf und nahte sich unwill­kürlich der Macht des gespenstischen Liedes folgend ihrem unbekannten Geliebten, Wipo. Sie beginnen zu plau­dern. Und die Melodien des Alten flössen Liebe in ihr Herz ein. Da eilt der Alte auf das Podium, auf dem die Musiker des Volksfestes spielen und spielt auf seiner Pfeife mit. Erst sehnsüchtig, bald lustig und immer schneller. Die Teufelsmacht seiner Töne bringt das Volk zu tanzen. In­dessen fordert Odilo den Bürgermeister auf, die Hand sei­ner Tochter ihm zu versprechen. Dieser willigt aber nur dann ein, wenn Ella diesen Schritt freiwillig macht. Odilo bemerkt, Ella suchend, dass sie mit dem Maler tanzt. In seinem Zorn kann er sich ihr nicht nähern, denn die Kraft der Todespfeife war schon so gross, dass auch er unwill­kürlich tanzen musste. Der Tod beendet sein Liedchen und alle bleiben voll Staunen stehen. Der Bürgermeister wird von seiner Gegenpartei und Odilo angegriffen, da man ihn der Zauberei verdächtig glaubt. Da stimmt der Tod wieder eine lustige Melodie an. Aus der Unordnung wird Tanz-Ordnung, aus dem Ernst und Rauf wird Spass ; das ist die Wirkung der Todesmusik. Auch dieses lustige Lied ist zu Ende und der Bürgermeister will den alten Sackpfeifer belohnen, da er sein Leben rettete. Dieser aber nimmt nie einen Lohn für seine Arbeit an und weist die Güte des Bürgermeisters zurück. Wegen seiner Frechheit will man ihn gefangen nehmen. Als aber ihn alle überfallen, sinkt der Alte tot nieder. Seinen letzten Wunsch richtet er an Wipo, seine Sackpfeife ins Grab neben ihn zu legen. II. Aufzug. Seitdem man den „gestorbenen Tod", den alten Sackpfeifer, samt seinem Dudelsack begraben hat, ist die kleine Stadt nächtlich der Schauplatz grosser Schrecknisse. Mitternachts um zwölf Uhr sieht der Tür­mer den Sackpfeifer aus seinem Grabe steigen, alle To­ten um sich sammeln, und an der Spitze eines langen Totenzuges in das kleine Städtchen tanzen, wo man sei­ner voll Entsetzen harrt. Am nächsten Tag sterben dann immer einige Jungfrauen, die sogleich beerdigt werden und schon in der nächsten Nacht im Totentanz auch mit­tanzen. Eines Abends versammeln sich einige Bürger und gehen mit dem Bürgermeister an der Spitze zum Kirch­hofstor und wollen das Grab des Alten öffnen, seine Sack­pfeife wegnehmen, damit er die Jungfrauen der Stadt am nächtlichen Zug mit den gespenstischen Melodien nicht mehr ins Sterben locken kann. Aber niemand wagt es, das Grab zu öffnen. Da meldet sich Odilo unter der einen Bedingung : der Bürgermeister muss ihm die Hand seiner

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