KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
IV. Der germanische Toten-Tanz
Ránkolvasnak a papok" „Jaj, be szépen süt a hold..." 1 In einer ungarischen Volkssage " möchte ein Mädchen viel Verehrer haben, die um ihren Besitz werben. Es beschwört einen Toten, der nur unter der Bedingung in das Zimmer des Mädchens gelassen wird, wenn er eine Kiste Kleider, eine Kiste Geld und Bettzeug für drei Betten mitbringt. Nachdem der Tote ihre Wünsche erfüllt hat, lässt sie ihn herein, läuft aber entsetzt davon, als dieser in das Zimmer tritt. In einem Hause liegt ein Toter aufgebahrt. Das Mädchen läuft zufällig in dieses Haus und sperrt sich in demselben Zimmer ein, wo der Tote liegt. Der Tote aber, der das Mädchen verfolgt, kann durch die geschlossene Tür nicht herein und ersucht den auf der Bahre liegenden Toten, die Tür zu öffnen. Dieser steht von seinem Lager auf, öffnet die Tür, legt sich zurück. Der heraufbeschwörte Tote, ergreift das Mädchen und eilt mit der Jammernden in den Kirchhof. Er will seine Beute gerade in das offene Grab stürzen, da kräht ein Hahn und der Tote verschwindet. Das Mädchen ist gerettet. Von ungarischen Dichtern wurden die Totenmotive der Volkssagen mit grosser Vorliebe, manchmal sogar unter deutschem Einfluss, bearbeitet. Kisfaludy Károly vereinigt in der Ballade Karácsonyé] (1 829 ; Weihnachtsabend) nach dem Vorbilde der Bürger'sehen Ballade vom „Wilden Jäger" die Geschichte eines „Feiertagschänders", des „Wilden Jägers", mit einer merkwürdig aufgefassten Don Juan-Variante. Trotz der Abmahnungen eines seiner Gefolgsleute zieht der Junker am Heiligen Abend auf die Jagd aus. Auf dem Rückwege ereilt ihn aber seine Strafe. In der Nähe einer verfallenen Kirche erblickt er den Schädel eines gewesenen Untertanen, den er in den Tod verfolgte, bzw. im Gefängnisse ermordete oder töten liess. Voll Übermut ladet er den Toten zum Festmahl ein. Der Tote, dessen Schädel um Mitternacht in den Kreis der lustigen Gäste rollt und dem Stande der speziell ungarischen Todes- und Totenauffassung entsprechend nicht „Totenschädel", sondern „Todeskopf", „halálfej" genannt wird, nimmt Rache, erscheint wirklich unter den Gästen des Junkers, fordert ihn aber umsonst auf, sein Leben zu bessern. Plötzlich wird dann aus dem Toten ein furchtbar aufgedunsenes, höllisches Gespenst, das den Junker mit dem Verwesungshauch eines Toten und mit schrecklichen Schlägen seiner Knochenhand samt seiner Umgebung vernichtet. Die Ballade von Kisfaludy ist selbstverständlich kein „Totentanz" im engsten Sinne, nur eine sehr interessante Bearbeitung einer 1 „Du bist die tote Braut, / Ich der tote Bräutigam / Die Piaifen trauen uns." „0, wie schön leuchtet der Mond !..." usw. 2 Ipolyi Arnold : Volksmärchen-Sammlung, hg. von Kálmán Lajos. Budapest. 1914. Magyar Népkölt. Gyűjtemény. Bd. XIII. S. 253. Nr. 42. Halottidézés. Totenbeschwörung. Volkssage, die dem Dichter die Gelegenheit bot, einen speziell ungarischen Zug in den Bürger'schen Rahmen einzuflechten. Die Geschichte vom „toten Bräutigam" hat Kisfaludy übrigens ebenfalls (in einer Novelle) behandelt. Unter den Bearbeitungen dieser Totensage muss auch einer Ballade von Arany János gedacht werden. Diese Ballade, „Bor vitéz", „Junker Bor" (1855), erzählt uns in einer sehr kunstvollen Form die Geschichte eines Mädchens, dessen Bräutigam auf kriegerische Taten auszog und im Kampfe fiel. Der Vater des Mädchens will seine Tochter mit einem anderen verheiraten und die Dirne flüchtet sich vor diesem zweiten Treueschwur in den nahen Wald. Da erscheint ihr der Geist des toten Bräutigams, führt sie in ein verfallenes Kirchlein, wo dann der „tote Priester" unter der feierlichen Anwesenheit der Totengeister die Ehe des Toten mit der Lebenden segnet. Des nächsten Morgens finden die Burgeinwohner die entseelte Leiche des Mädchens in den Ruinen eines nahen Waldkirchleins. In der Ballade „Der untreue Knabe" von Goethe verliebt sich ein französischer Jüngling in ein schönes Mädchen, das er aber untreu verlässt. Das Mädchen stirbt aus Gram und der Jüngling reitet von seinen Gewissensbissen getrieben aus, sein verlassenes Liebchen aufzusuchen. Sieben Tage und sieben Nächte durchsucht er die ganze Gegend. Endlich findet er in einer verlassenen Ruine vor einem plötzlichen Gewitter Zuflucht. Als er den Ausgang sucht, sinkt er in eine tiefe Grube. Vom Fall halb betäubt sieht er in der finsteren Grube drei Lichter, die sich flatternd nähern und bald wieder entfernen, als wenn sie ihn in eine Richtung rufen wollten. Er steht auf und folgt den Irrlichtern und gelangt in einen grossen Saal, in dem sich um einen Tisch eine grosse Gesellschaft versammelt hat. Die Gäste sind aber keine Lebenden, sondern lauter Skelette. Der Jüngling trifft unter den toten Gästen auch seine junge Braut, die sich aber vom untreuen Bräutigam abwendet, als sie ihn erblickt. — Der Jüngling ist dort in der Grube gestorben und in seinem Grabe findet er nun auch seirte Braut. Zu den charakteristischen Sagenelementen ist auch der Umstand zu rechnen, dass die Toten in ihren Gräbern mit lustigem Schmaus, mit Unterhaltungen die Zeit verbringen. Nach einer Bemerkung der „Dichtung und Wahrheit" soll Goethe diese Ballade in Köln i. J. 1744, während seiner Rheinlandsfahrt geschrieben haben. Zu derselben Zeit habe er das Gedicht seinem Freund Jacobi vorgelesen. Nach H. Viehoff 1 hat sich Goethe bei dieser Angabe geirrt, denn er hat die Ballade i. J. 1775 für den Operntext : „Claudine von Villa Bella" verfertigt. Den Tanzbegriff der germanischen Sage hat Apel in einer Novelle mit dem Tanzbegriff 1 Goethe s Gedichte : Variantensammlung. Stuttg. 1869. I. S. 199-201.