KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

IV. Der germanische Toten-Tanz

- 128­spensterhaften Tanz der „W i 1 1 i ' s" mit. Aus ihrem Kranz, der ihre Haare schmückt, sprü­hen Funken und ihr Trauring glüht, wie Feuer. Morgens findet man den Bräutigam tot unter einem Rosenstrauch. 1 In einem wendischen Liede stirbt die Geliebte. Der Bräutigam reitet drei­mal um den Kirchhof und besucht das Grab des Mädchens. Uber das Jahr stirbt er. 2 In einer anderen ungarischen Sage ist der tote Geliebte mit dem Teufel, mit einem Plage­geist identisch. Dieses Motiv des „Tanzes in den Tod" (des „Zu-Tode-Tanzens") kommt in deutschen Sagen sehr vielmals vor und ist sogar bis in das frühe Mittelalter zurückzuführen. Zu St. Johann im Unterinntale wurde ein junges Mädchen von ihrem Geliebten verlassen. Dieser ging auf ein Hochzeitsfest. Das Mädchen aber blieb zuhause und tobte vor Zorn und Eifer­sucht. Da erschien plötzlich ein grünes, graues Männchen in Jägergewand und lud sie zum Tanz ein. Sie willigte ein, da sie umsomehr über ihren treulosen Geliebten triumphieren zu können glaubte. Der kleine Jäger tanzte so rasch, sang und sprang so schön, dass ihn alle An­wesenden bewunderten, trotzdem es aber einem jeden von ihnen in seiner Nähe vor ihm graute, da er einen schlauen und giftigen Blick hatte, wie eine Schlange Die Dirne fürchtete sich aber nicht vor ihm. Der Jäger kam auch „fensterin". Da erschien er schon in seiner wirklichen Teu­felsgestalt und zog das Mädchen durch das Fenstergitter, dass Haut und Fleisch an den Eisenstäben hängen blieben. Hierauf trug er die Schreiende in seinen Vogelkrallen fest haltend blitzschnell durch die Lüfte. 3 Auch die Toten haben teuflische Eigen­schaften. In manchen Sagen fliegen die Toten in einem Feuerwagen auf die Erde, der blitz­schnell durch die Lüfte jagt. Ihre Pferde haben feurigen Atem. Die Erscheinung dieser Toten ist finster, schrecklich und gefährlich. Der Wa­gen dieser teuflischen Toten ist jener Wagen, auf dem die Toten nach den Mythen aller indo­germanischen Völker in die Unterwelt fahren? Für die dämonische Erscheinung der To­ten ist jene Sage charakteristisch, welche von Grimm unter dem Titel „Zusammenkunft der Toten" veröffentlicht wurde. 5 Die Königin ist ge­storben. Sie wird in einer Kapelle aufbewahrt. Mitternachts hört die Nachtwache ein geheim­nisvolles Sausen und das Rasseln eines schnell dahinfahrenden Wagens Vor der Kapelle bleibt plötzlich ein Vierspänner stehen Die erste Hof­meisterin der toten Königin steigt aus der Kut­sche und bittet Einlass zur Toten. Der Kapitän 1 Grat Joh. Majláth : Magyar. Sagen und Märchen, vgl. Grimms Sagen : 175 (Geisterkirche), 176 (Geistermahl), weiter 331, 334, 335. usw. 2 Henne-am Rhyn : Nr. 936. 3 Alpenburg: Mythen. S. 277. Henne-am Rhyn: Nr. 694 b. 4 Vgl. die etruskischen Bilder auf Urnen und Grab­steinen. 5 Deutsche Sagen. Leipzig Georg Müller. München. 1816—1818. 1 S. 341. der Wache weigert .sich die Erlaubnis zu geber). Doch nach kurzer Überlegung gibt er den Be­fehl, die Hofmeisterin in die Kapelle zu lassen. Die Hofmeisterin tritt in die Kapelle und der Kapitän beobachtet sie durch das Schlüsselloch. Zu seinem grössten Entsetzen richtet sich die tote Königin auf und in ihrer Bahre sitzend, ohne ihre Augen aufzumachen, spricht sie ganz regungslos mit ihrer Freundin. Als aber die Hof­meisterin sich verabschiedet, fällt sie wieder tot auf die Bahre zurück. Die Hofmeisterin wird vom Kapitän bis zum Wagen begleitet. Kaum ist die Hofmeisterin in ihre Kutsche eigenstie­gen, verschwindet diese in einer rasend schnel­len Fahrt im Nebel. Der Kapitän kann nur den feurigen Atem der Pferde sehen. Am nächsten Morgen wird berichtet, dass die Hofmeisterin zu derselben Stunde gestorben sei, in der sie die tote Königin besucht hat. In den modernen Bearbeitungen ist der Kutscher der „Totenkut­sche" der Tod selber. In der Novelle von Mik­száth fährt der Tote als Plagegeist ebenfalls in einem Geisterwagen. Die Erscheinung der Toten wird in den Sagen auf verschiedenartig begründet. In je­ner alten Sage, die als Grundlage für die Er­weiterung der Gesamtlegende (in Basel, Trient, Clusone usw.) den Toten-Tanz vorbereitet hat, erscheinen die Toten, um dem im Kirchhof be­tenden Ritter, den seine Gesellen im Kirchhof überfallen, Hilfe zu leisten. Ein andermal müs­sen die Toten aus Strafe oder aus Rache auf die Erde zurück. In weiteren Sagen halten sie im Kirchhof mitternachts ausgelassene Unterhal­tungen und feiern auch die grösseren Kirchen­feste mit Tanz. Sie beten laut, während ein to­ter Priester die hl. Messe liest. Ja, die Toten der Sage können sich während ihres Aufenthal­tes auf der Erde mit Toten oder mit Lebenden verheiraten und die Trauung wird von einem to­ten Priester in der Kirche mitternachts gehalten und die Hochzeit wird von den Toten mit Tanz und mit kreischendem Gesang gefeiert. Die Toten wiederkehren, um die irdische Arbeit fortzusetzen. Diese Toten dürfen weder in ihrer Arbeit oder in ihrem Gebet, noch in ihrer Unterhaltung von Lebenden gestört werden und töten jeden Le­benden, der sich mitternachts in den Kirchhof begibt und ihre geheimen Zusammenkunftsorte entdeckt. Die Toten können aber auch dankbar sein. Im Werke „Buch der Ritter vom Thum von den Exempeln der Gottesfurcht und Ehrbarkeit" , das i. J. 1493 erschien, wird gleich im ersten Exempel Folgendes erzählt : „Der Kaiser von Konstantinopel hatte eine fromme Tochter, die, wenn sie nachts erwachte, immer für das See­lenheil der Toten betete. Als sie älter wurde, da führte sie ein unkeusches Leben und gab einem Jüngling die Erlaubnis, nachts zu ihr in die Schlafkammer zu kommen. Als der Jüngling in das Zimmer trat und sich dem Bette der Kaisertochter nähern wollte, sah er unzählige Geister in der Gestalt von Gerippen, mit Lei-

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