KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Zweiter Abschnitt: Romanische Weltanschauungs-elemente im Totentanz

dessen erster Strophe die Solmisationsbenen­nungen der C-Dur-Skala bei Guido entstanden, nach den Anfangsbuchstaben seiner fünf Stro­phen {„Ut queant laxis", ,,/Vuntius celso . . .", ,,/lle promissi . ..", Ventris obtruso . . .", und „Sit decus Patri . . ."), also UN1VS, eigentlich schon ein Monogramm für „Universum" bilden ! (die Form der Kürzung : UNIV'S). Auch möchte ich es nochmals betonen, dass der Illustrator des Bildes die vier „Mutterzahlen" IV, VI, VIII und XII mit je einem Monogramm versah und das die Zahl der Buchstaben der einzelnen Monogramme jedesmal der betreffenden Zahl entspricht. Bei der Zahl IV hat das Mono­gramm „Mors" vier Buchstaben, bei VI steht „MWNDWS" mit sechs Buchstaben ; während aber man das Monogramm von „Mors" in Kreisform ablesen muss, soll bei „MWNDWS" die Kreuzform verwendet werden. Bei der Zahl VIII hat das Monogramm „INFERNVS" acht Buchstaben und sie wurden in der Form eines Vierecks aufgezeichnet. Das Monogramm für „Universum", jenes rätselhafte „Plin-tespilon" besteht aus zwölf Buchstaben. Und die Form, in welche der Illustrator diese zwölf Buchsta­ben schrieb, — ist die einer Spule I Es ist uns ja bekannt 1, dass nach altklassischer Auffassung das Universum die Form einer sich drehenden Spule hatte 1 Auf diesen Umstand der Zahlen­und Formspielerei des Konstrukteurs der Kreuz­darstellung im Evangeliar der Uta habe ich sei­nerzeit im ersten Band meiner GTT noch nicht hingewiesen. Dort zeigte ich es aber schon, dass vom Kreuze selbst zwei Welten miteinander verbunden wurden : die irdische Welt mit dem Tod und mit der Erde auf der einen Seite, d. h. rechts vom Gekreuzigten (aber links vom Beschauer !), weiter die „weite Welt", d. h. Himmel und Hölle auf der anderen, auf der linken Seite des Gekreuzigten (rechts vom Be­schauer aus gesehen !). Wenn also zu Häupten des Erlösers die Buchstaben Alfa und Omega stehen, u. zw. auf der Seite der „kleinen Welt" ein Alfa, während auf der anderen Seite ein Omega, so wissen wir nun schon, was dies zu bedeuten hat, — ausser einer Allusion auf die Aussprache Christi ! Das Kreuz verbindet also den „Mikrokosmos", — wie dies ja auch bei der Nonne Hrotsvitha zum Ausdruck kommt. Die beiden Zahlen IV und VI bedeuten im Rahmen des mikrokosmischen Lebens das ir­dische Dasein und seinen Abschluss im Tod, während auf der anderen Seite als „Makrokos­mos" die „Unterwelt", das Heim der „bösen Geister", und das „Weltall" oder der Himmel, das Empyreum von den Zahlen VIII und XII symbolisiert wird. Christus also siegte durch seinen Tod in diesen Vieren: „ Dux Vitae mor­tuus regnat vivus" — sagt die Ostersequenz, (,.Victimae paschali laudes . . ."), welche von Wr'po, einem Mönch zu St. Gallen, gerade zu derselben Zeit verfasst wurde, als unser St. 1 Vgl. GTT Bd. I. S. 243 tf. Emmeramer Kreuzbild entstand. Merkwürdig, dass Tod und irdisches Leben im Mikrokos­mos, sowie auch Hölle und Himmel im Ma­krokosmos in dem Verhältnisse einer Quinte zueinander stehen, während der Unterschied zwischen Mikro- und Makrokosmos nur eine Quarte ist. Dabei stehen der irdische Tod und der „jenseitige Tod", d. h. der „zweite Tod", die Hölle, in einem Oktavenverhaltnis. Dasselbe Verhältnis herrscht zwischen dem irdischen Leben und dem jenseitigen, ewigen Leben der Seligen. Christus hat also auf dem Kreuze den Unterschied zwi­schen Mikro- und Makrokosmos vertilgt. Nach der Weltanschauung der mittelalterlichen mysti­schen Theologie bedeutet das christliche Kreuz­erlebnis eben, dass der Mensch in seiner Seele den Mikrokosmos mit dem Makrokosmos (oder umgekehrt 1) vereinigt 1 Und nach dieser Vereini­gung von Mikrokosmos und Makrokosmos in dem menschlichen Icherlebnis beginnt jene „Neu­geburt" des Menschen, über welche Christus mit dem Nikodemus sprach. Daher entwickelt sich auf dem Kreuze ein Kreislauf. Auf der rechten Seite des Kreuzes (links vom Beschauer aus !) entspriesst der personifizierten symbolischen „VITA" das „neue Leben" der auf dem Kreuze Christi neugebornen Seele, u. zw. so, dass ein jeder Einzelner auf die durch die Vereinigung des Makro- und Mikrokosmos gebaute Grund­lage die Zahlen IV, VI, VIII und XII überei­nander wölbt und so zum „Gotteserlebnis" ge­langt. Derjenige dagegen, der in Sünden lebt und so aus der Gemeinschaft der „Eccle­sia" ausscheidet, nicht mehr auf die geheim­nisvoll in der Seele wohnende Gottheit, son­dern nur auf seine irdischen Kräfte bauen kann, überwindet den „körperlichen Tod" mit Christus nicht und gelangt nach einem Versuch der Ver­einigung von Mikro- und Makrokosmos in der Todesstunde nicht zu Gott, zum Universum, sondern zur Hölle als zu einem Endziel sei­nes Trachtens 1 Darum wollte der Konstruk­teur auf der entgegengesetzten Seite des Kreu­zes, von Christus links (vom Beschauer aus rechts 1), den Niederfall des gegenüber Gott ab­trünnigen Menschen darstellen, während wir auf der Seite der „VITA" einen „Aufstieg" der Lebenskraft bemerken konnten. Wenn wir also die von den vier Monogrammen angedeuteten „vier Welten" näher beobachten, so ist Mors die Welt der „himmlischen Liebe", der Sehn­sucht nach einer Vereinigung mit Gott. Mors führt, im Siege Christi verwirklicht, — und nur so 1 — zum ewigen Erlebnis des ersten absoluten Wertes, des Heiligen. Es sagt ja ein mittelalterli­ches Sprichwort: „Nemo sanctus ante mortem I" — aber heilig werden kann man nur dann im To­de, wenn man sich mit dem ..Todessieg" Christi vereinigt hatte! Die Zahl Vier ist also der erste absolute Wertbegriff : die Heiligkeit. Die zweite Welt im Mikrokosmos ist das „irdische Leben", „Mundus", und wird von der Zahl VI zum Ausdruck gebracht. Es ist die Welt der „irdi­schen Liebe", — welche zwar gewöhnlich in

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