KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
Anhang
-XII den Königen.und Fürsten ist eine italienische Aufschrift lesbar, nach welcher diese Ständevertreter erklären, dass sie das Geld, den Reichturn verachten und daher durch die irdischen Güter nicht zugrunde gerichtet werden können. — Phot, nach Giuseppe Vallardi : Trionfo e Danza della Morte . . . etc. Milano 1859, vor S. 15. — Vgl. Tabelle A II 9+V1+VII. Tafel XVUI — Variationen von Totenlegenden und das „Jüngste Gericht" in Autun. Fig. 1. — Armenseelenlegende. — Holzrelief im Kaiser Friedrich Museum. Berlin. Ich kenne die Darstellung aus der Totentanzstudie von Gert Buchheil (Der Totentanz, Leipzig 1925, S. 42 — 44) und wiedergebe ihre Erklärung den in diesem Werke befindlichen Erörterungen folgend, welche wieder aus den ikonographischen Abhandlungen von Philipp Maria Halm stammen (Ikonographische Studien zum Armenseelenkultus : Münchener Jahrbuch der bildenden Kunst, Bd. 12 : 1921 ; weiter ders. Altbayerischc Totendarstellungen : Münchener Jahrb. d. bild. Kunst, 2 Halbband 1909). Nicht nur in einem in Hagenau 1507 erschienenen ..Speculum exemplorum", sondern auch in fast sämtlichen mittelalterlichen Legendensammlungen (wie auch in der Legenda Aurea) werden ähnliche Wundergeschichlen erzählt, welche zur Erklärung dieser Darstellung herangezogen werden könnten. Darnach berichtet ein Cluniazenser Abt Petrus von einem Bischof, der einen Priester suspendiert hat, weil er allzu viemals die Missa pro defunctis gelesen habe. Als derselbe Bischof bei festlicher Gelegenheit in vollem Ornat über einen Friedhof zur Matutin eilte, erhoben sich gegen ihn die Toten und verlangten von ihm mit feindlicher Gesinnung, die Suspension des Priesters sofort aufzuheben, sonst müsste er sterben. Der Bischof bereute seine voreilige Tat, hob die Suspension auf und zelebrierte von nun an auch selber sehr häufig für das Heil der Verstorbenen. Auf unserem Holzrelief sehen wir den Bischof in vollem Ornat, wie er über den Kirchhof schreitet und vor der Kirchhofskapelle von zwei in weisse Laken gehüllten Gerippen stürmisch angehalten wird. Ein drittes Skelett greift noch aus einem offenen Grabe nach dem Pluviale des Bischofs. Links, neben einer kulissenartig aufgestellten Mauer entfernt sich ein niederer Geistlicher. Es ist der suspendierte Geistliche. Lange hielt man diese Skulptur für einen „Totentanz", was allerdings soviel beweist, dass die Darstellungen derartiger Todeslegenden schon deswegen an die wirklichen Totentänze erinnern, weil doch der Toten-Tanz selbst aus einer Form der Gesamtlegende cmporgewechsen ist, deren Grundlage der Glaube an die Möglichkeit der Dankbarkeit und Rache der Toten war. — Photo nach Buchheit ; a. a. 0. S. 43. - Vgl. Tabelle A II-PIIl-4. Fig. 2. — Das Kolberger .Legendenbild. — Im Mariendom zu Kolberg befindet sich ein Fresko aus dem Jahre 1492. Es stellt eine Version der Basler Totenlegende dar. Aufschrift : Biddet got vor sivert grantzins sele vnd alle kristen seien. Das Fresko hat Dr. A. Matthes in einem Gedichte erläuterl und in einem kleinen Hefte 1916 zu Kolberg veröffentlicht. Leider hat Matthes in seinem Gedichte die ursprüngliche Form der Legende vollständig verändert und die Geschehnisse in den Weltkrieg verlegt. !n Grundzügen ist aber auch auf diesem Bilde die Totenlegendenform der Gesamtlegende erkennbar. Ritter Grantzin hat in der Schlacht alle seine Soldaten verloren und der Feind verfolgt ihn. Er flüchtet sich in einen Kirchhof und fleht Gott, sich auf die Knie werfend, um Hilfe an. Die Toten, für die der Ritter so gerne und häufig betete, wenn er andersmal über einen Kirchhof schritt, steigen aus ihren Gräbern, kommen aus dem Beinhause hervor und vertreiben mit grossen Stecken, Scheren, Lanzen bewaffnet den Feind. Es sind die Leichen gefallener Soldaten, die hier einst begraben wurden und nun in voller kriegerischer Ausrüstung in die Schlacht ziehen. Auf ihrer Fahne steht als Wappen ein Totenschädel mit zwei Knochen. Es wurde aber bischer noch nicht bemerkt, dass sich im Vordergrund des Bildes rechts und links in je einem höhlenartigen Gewölbe ein älterer und ein jüngerer Eremit aufhält. Es isl nicht schwer festzustellen, dass wir es hier mit dem alten Eremiten der Gesamtlegende und mit dem bekehrten Everyman zu tun haben. — Phot nach der Ausgabe von Matthes. — Vgl. Tabelle A wie das Baseler und Trienter Bild. Fig. 3. — Die feindlichen Toten auf einer Legendenskulptur. — Auf diesem Holzrelief des Bayerischen Nationalmuseums in München überfallen die drei Toten, welche aus dem nahen Beinhause einer Kirche soeben hervorkrochen, die drei Reiter, deren mittlerer samt seinem Pferde zu Boden stürzt. Wir teilen hier dieses Bild nur deswegen nach G. Buchheit (a. a. 0. S. 61, Fig. 10) mit, weil es uns einen Vergleich zwischen dieser Form der bekannten Totenlegende und der ihr beigelegten älteren Fassung aus dem XIV. Jh. erleichtert. Fig. 4. — Der Begriff des Lebensrades in der Totenlegende. — Auf einem italienischen Gemälde des XlV. Jhs. im Museo Civico zu Pisa treten rechts die drei Lebenden der Totenlegende nach der eingebürgerten Sitte als drei Reiter auf. Sie scheinen sich ebenfalls auf einer Jagd zu befinden, da sich vor ihnen ein Jagdhund furchtsam zu verstecken sucht. Ich glaube nicht, dass es sich hier um drei Hirten handeln sollte, nur weil im Vordergrund fünf Schafe weiden. Diese gehören eher dem Landschaftsbilde an, wie jene fantastischen Berge im Hintergrund. Auf der rechten Seite des Gemäldes, vom Beschauer aus links, erscheinen aber nicht die gewohnten drei Totenskelette, welche man in Subiaco und Pisa sogar in den drei Verwesungsstadien charakterisiert hat 1 Hier sitzen drei Jungfrauen, garnicht furchtbar gezeichnet, die mittlere hat sogar einen Heiligenschein ! Es sind die drei Parzen, Klotho, Lachesis und Atropos, von denen ich im ersten Bande dieses Werkes (GTT Bd. I. S. 117, 132, 165 und 244 ff ) auf der Grundlage antiker Angaben gezeigt habe, dass sie eigentlich das menschliche Leben, das Lebensrad verkörperlichen. Es ist also keineswegs ein Einzelfall, eine „Abart", — wie es im Buche von Weber-Holländer (S. 76) heisst. — sicherlich kein Zufall, wenn hier in der antiken Form des Lebensrades die drei Parzen den drei Lebenden gezeigt werden. Ja, es ist sogar von ungemein grosser Wichtigkeit und Tragkraft für die Entstehungsgeschichte der Todes- und Toten-Motive, sowie des Todes- und Toten-Tanzes, wenn wir es an einem Gemälde des XIV. Jahrhunderts, also noch vor den ersten Todes- und Toten-Tänzen, mit Sicherheit wahrnehmen können, dass seit der antiken Zeit über das ganze Mittelalter eine permanente Tradition geherrscht haben muss, welche in den Gestalten der drei Parzen so sehr die Personifikationen der Stadien des Lebensrades und der drei Verwesungsstadien des Gisant-Typ-Rades erblickte, dass sie die drei in verschiedenen Stadien der Verwesung dargestellten Leichname einer mittelalterlichen Totenlegende ohne Schwierigkeit durch die drei Gestalten der antiken Parzen, des antiken Lebensrades ersetzen konnte ! Also nicht nur die Todesgestalt des Mittelalters, sondern auch die drei Toten der Legende von den drei Lebenden und drei Toten verflechten sich mit dem Begriffe des Lebensrades. Kein Wunder also, wenn die drei Toten der Legende zur Zeit der Entstehung der Todes- und Totentänze auch an die Stelle dér EverymanTodesgestalt treten (wie z. B. in Clusone 1). — Phot, nach Weber-Holländer: a. a. 0. S. 74. Fig. 5. — Das „Jüngste Geriebt" in Autun. — Am Tympanon der Kathedrale St. Lazare in Autun befindet sich auf einem mächtigen Steinrelief des XII. Jahrhunderts das „Jüngste Gericht" dargestellt. Von allen Darstellungen der Auferstehung und des Jüngsten Gerichts, welche sich über den Portalen verschiedener Dome in Frankreich befinden, ist uns diese Darstellung von grösster Wichtigkeit. Die Geschehnisse sind in drei Feldern. Streifen verteilt worden. Die Gestalt des Ewigen Richters, des Heilands, welche in einer Mandorla, in einem von Engeln getragenen, ovalen Heiligenschein thront, füllt den Mittelpunkt des Bildes in der Länge von zwei oberen Streifen aus. Leider ist die Gestalt Christi sehr beschädigt. Im obersten Streifen thronen die Apostel oder vielleicht einige von jenen 24 Weisen, von denen die Apokalypsen Erwähnung machen. Vom Beschauer aus links oben scheint Maria zu thronen. Der oberste Streifen, in welchem die Gottheit über Himmel und Erde triumphiert, schliesst an beiden Seiten mit einem Engel, der in ein mächtiges Horn