KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
Anhang
- II den wieder übertüncht. Die Legendenszenen beginnen links und schreiten im Nacheinander der Geschehnisse nach rechts. Fig 1 : Links, in der ersten Legendenszene stehen drei vornehme Jünglinge mit einer eigenartigen Kopfbedeckung, welche aber keine Gloriole ist. Ihnen gegenüber erscheinen drei Totenskelette. Nur der mittlere Jüngling scheint seine Hand teilnahmsvoll den Toten entgegenzustrecken, während die beiden anderen durch abwehrende Handbewegungen und durch das Abwenden des Hauptes ihren Unwillen zum Ausdruck bringen. Der mittlere Jüngling ist Everyman, der sich infolge der Vision bekehrt. Er wird dann in der zweiten Szene der Legende (mit einem Büsserkleid angetan) von zwei Frauen, Ecclesia und Virtus (oder Fides ?) dem Kreuze entgegengeführt. Ganz rechts in der Dunkelheit der Bäume eines Waldes steht ein Eremit, dessen Lehre die Bekehrung Everymans vervollkommnet und der auch in anderen Versionen auf die drei Totengestalten hinzuweisen pflegt. Fig. 2: Links vom Eremiten ist auf zwei Mauerflächen erst die Kreuzgruppe sichtbar, der sich Everyman nähert. Unter dem Kreuze stehen Ecclesia und Synagoga. Die letztere ist als eine reich gekleidete Gestalt charakterisiert und steht rechts vom Kreuze (vom Beschauer aus I, d h. also auf der linken Seite des Kreuzes). Auf ihrem Kopfe trägt sie, die „blinde" Synagoge, die übliche Augenbinde, mit welcher aber der Freskomaler aus Unverstand nicht ihre Augen zugebunden hat. Fig. 2—3 : Zwischen der Kreuzgruppe und dem Eremiten steht ein Haus in Durchschnitt gezeichnet, so dass man die einzelnen Stockwerke mit den hineingezeichneten Szenen gut unterscheiden kann. In einem turmartigen Vorbau steht die hl. Jungfrau nach der Seite winkend, woher sich Everyman nähert. Wie ich es schon im ersten Bande dieses Werkes erwähnt habe (S. 212 Anm. 1), ist dieses Haus welches ich Fig 3 auch in Vergrösserung bringe, das „Haus des Erlösungswerkes", das „Haus Maria". Es will eigentlich den Inbegriff der Lehre des Eremiten symbolisch vorführen und entspricht dem Kap. 400 des Malerbuches vom Berge Athos, das dort den Titel führt : „Wie die vierundzwanzig Häuser der Gottesgebärerin Maria dargestellt werden" (Ausgabe Schäfer, S. 288-293). Von den vierundzwanzig Szenen bringt aber dieses „Haus Mariä" in Metz nur das erste Drittel. In den acht Bogenbildern werden Szenen aus dem Leben Mariens und des Christkindes dargestellt. In den zwei oberen Bögen ist die Taube des heiligen Geistes sichtbar (mit zwei Engeln ; daneben links hat auch der turmartige Nebenbau eine Wölbung, in der ein hinter dem Hause stehender Baum sichtbar ist), die in das erste Bogenbild herabfliegt, das die Annuntiation darstellt. Darunter im nächsten Bilde sehen wir Maria mit der Wiege Christi. Daneben links eilt Maria mit ihrem zwölfjährigen Sohn nach Jerusalem. In dem ersten Bogen der unteren drei Bilder sitzt Maria mit dem Kinde am Arme (links) ; in der Mitte steht der Knabe im Tempel mit den jüdischen Weisen ; rechts kniet einer der drei Könige vor dem in der Krippe liegenden Christkinde. — Phot, nach der Ausgabe : Dr. Fr. Xav. Kraus : Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen (4 Bde) III. Bd. Strassburg. 1889, S. 433 - 442; Fig. 97, 98, 99. Durch ein nachträgliches Verfahren wurden von mir Einzelheiten des Bildes deutlicher nachgezeichnet. — Vgl. Tabelle A IIb, a-y m Fig. 4—5. — Szenen der Basler Totenlegende in einem flandrischen Livre d'heures. — Die Szenen der Totenlegende, welche hier schon in eine Art der Everyman-Todeslegende aufgenommen wurde und die „Freunde E/erymans" nach dem Vorbilde der arabischen Nichtigkeilsvisionen" näher charakterisiert, erscheinen in der Form einer Randverzierung in der Handschrift Trient, Bibl. Communale Cod. Nr. 1761, Cod. Nr. 1761, fol. 122v (Fig. 4.) und fol. 123r (Fig. 5.). Der Kodex slammt aus Flandern und wurde in der 2. Hälfte des XIV. Jahrhunderts geschrieben. Die Bilder beider Seiten gehören zusammen und bilden ein einheitliches Ganzes. Durch eine Linie werden die Geschehnisse auf ein oberes und unteres Feld geteilt. Den Hintergrund bilden überall Berge, Hügellandschaft, Bäume und Gesträuch. Die Reihenfolge ergibt sich nach einem Vergleich mit den Legendenbildern des „Spiegelbuches", mit der Legendenform in Sacro Speco, in St. Jakob a. d. Birs bei Basel, in Clusone und Pisa. Die Geschichte beginnt im oberen Felde rechts, da auch der Text „Vigilie mortuorum. Ant. Placebo... etc", auf dieser Seite, fol. 123r (Fig. 5.) beginnt. Vor einem Kirchhofstor wird hier, von der Einrahmung des Offizientextes rechts, ein Mann, also „Jedermann", Everyman, von einem Skelett überrascht, das sein Schwert, das „Todes-Schwert" über seinem Haupte gegen ihn zückt. Es wäre dies also der „Everymans-Tod", der aber die Vollstreckung des Todesurteils scheinbar plötzlich aufhebt, da durch die Gnade des von den Toten erstandenen Heilands (den das D-Initiale dieses Blattes darstellt) Everyman noch das Schicksal seiner irdischen F'reunde in Vision betrachten muss und sich durch diese Vision noch bekehren darf. Nun schreilet der visionäre Mann nach rechts, er ist auf fol. 125v, rechts vom Mittelbild, schon unterwegs, um links vom Mittelbild derselben Seite die Nichtigkeit aller irdischen Eitelkeit in einem Spiegel zu betrachten, den ihm eine Tolengestalt, ein Gisant-TypToter, den drei Toten der alten arabischen Legende entsprechend, entgegenhält. Die Geschehnisse entfalten sich hier also nach demselben Gedankengang, wie im späteren „Spiegelbuche" ! Sogar das Gebet des in seiner Sterbestunde durch Vision bekehrten Manr.es wird inhaltlich im Mittelpunkte dieses Blattes Fig. 4 angedeutet: Wie der Heiland den Lazarus erweckt hat, so möge er nun die Toten des Kirchhofes erwecken, damit sie Everyman gegen die Nachstellungen der „Welt", d. h. seiner untreuen Freunde beschützen können. Alles vollzieht sich also nach dem Muster der Basler Totenlegende ! Hierauf folgen vier Szenen im unteren Felde des Bildes. Von links nach rechts werden von aus den Gräbern steigenden Toten die „Nichtigkeilen dieser irdischen Welt" vernichtet. Auf fol. 122v (Fig. 4) links sticht ein Toter einen Krieger, die Personifikation der weltlichen Macht und Kraft, nieder. Daneben rechts lockt ein Totenskelett eine Jungfrau, die Personifikation der irdischen Schönheit, mit den Tönen einer Totentrommel ins Vergehen. Auf fol. 123r (Fig. 5) scheint von der mittleren Texteinrahmung links ein Toter mit einer Lanze einen Jüngling, die Personifikation der Jugend (am Boden ein Sarg, wohin der Jüngling gelegt werden soll, odjr woher der Tote kam). Weiter rechts auf demselben Blatte tanzt ein Tänzer, dem ein Toter auf seinem Dudelsack zum Kehraus aufspielt. Dieser Tänzer personifiziert die „irdischen Freuden" und ihre Nichtigkeit ! Im Wirbel des Tanzes fliegt ein Sargdeckel in die Luft empor. — Also in der Vision Everymans erscheint die Basler Totenlegende und bringt eine Art Standesreihe der Nichtigkeiten mit Tanz. Musik und Entführungsmotiv vereinigt I Und dies alles schon im XIV. Jh. mit dem spanischen Todes-Tanz gleichzeitig ! — Originalphotographie der Bibliothek in Trient. für welche ich Herrn Direktor H. Sforza verbindlichst danke I — Vgl. Tabelle A I í7-8-10 + Illg, cr-ß-y , weiter eine sehr ähnliche Darstellung im Berliner Kupferstichkabinett im ersten Bande Taf. VIII. Fig. 11, XV. Jh. flämische Schule. Tafel III. — Die erweiterte Totenlegendenform der Gesamtlegende im Breviárium Grimani und in St. Jakob an der Birs (Basel) Fig. 1. Das Breuiarium Grimani, ein Beweis der fortlaufenden Tradition der Trienter Totenlegendenform. — Das Breviárium Grimani wurde im Auftrage des Papstes Sixtus IV. ca 1478—1489 hergestellt und von holländischen Meistern mit kostbarem Miniaturenschmuck versehen. 1593 gelangte es in den Besitz der Republik Venedig und befindet sich seit 1797 in der Bibliotheca Marciana. Das nach dem berühmten Theologen undPatriarchen von Aquileja. Kardinalpresbyter und Bischof von Albano, Frascali und Porto, Domenico Grimani (1461 — 1523) benannte Werk gehörte zum Bestände der werlvollen Bibliothek dieses grossen Gelehrten, welche ca. 8000 Bände zählte und nach seinem Tode an das Antoniusklosler in Venedig kam; leider ist der grösste Teil dieser Bibliothek am 23. April 1687 verbrannt. — Das hier mitgeteilte Bild des Totenoffiziums ist eigentlich eine Ars-moriendi-Szene, welche mit der Basler Totenlegendenform erweitert wurde. Der Reiche, d. h. Everyman, liegt am Sterbebette. Über seinem Haupte schweben schon Engel und Teufel, um seine Seele davonzutragen. Geistliche, Mönche stärken ihn mit Trö-