KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
IV. Das Vadomori
mit dem „Dei tetragrammaton" und mit den Vierzeilern des Gedichtes übereinstimmen). —• Es folgt das 38-ste Strophenpaar, von Pseustis eigeleitet, aber nicht mehr von Alithia beantwortet, sondern von Fronesis. Pseustis gibt den Widerstand auf und bittet Phronesis, Alithia zum Schweigen zu bewegen : Quo fendis cedo, nec me cessisse negabo. Phronesis preist die Siegerin glücklich, aber sucht auch ihr Mitleid zu wecken : Desine, quod restat, ne desperatio laedat. Phronesis sagt: „Die Sterblichen sind unaufhörlich bestrebt, ihre Ziele zu erreichen, und zu diesem Zwecke, damit sie ihr Vorhaben vollenden können ertragen sie auch die Sorgen des Lebens. Dir, Alithia, gab der Herr unverhofft den Sieg, dein Feind bittet dich, aufzuhören. Orpheus, der „Treicius vates", bringt schon durch seinen Griffel, mit dem er die Saiten seiner Laute reisst, die „manes", die Unterweltsgeister in Aufruhr. Dich, Alithia, sollen die Thränen des Gegners bewegen, denn es reckt schon der Mond seine Hörner empor, die Sonne versinkt in den Ozean und es entsteht ein kühler Schatten. Lass ab, Alithia, das übrige, damit die Verzweiflung den Gegner nicht verletze 1" Ich übersetzte diese beiden letzten Strophen deswegen, weil diese schon auf fol. 142b der Handschrift Cod. 512 zu Bern stehen samt ihrem Kommentar. In diesem Kommentar werden dann die Worte der Phronesis sehr interessant erklärt. Das Hauptgewicht scheint auf dem Bild zu liegen, dass Orpheus mit seiner Kythara die „manes" in Bewegung setzt, sie aus der Unterwelt in die Oberwelt lockt. Alithia soll also ihr Saitenspiel, ihren Gesang abbrechen, denn — es sinkt die Sonne, Phoebus, der Mond aber steigt mit seinen beiden Hörnern immer höher, es wird auch immer kühler : der nahen Geisterstunde möge Alithia aus dem Wege gehen, denn es kehren aus der Unterwelt auf das Saitenspiel des Orpheus die Toten wieder, zu dieser Zeit herrscht also ihr Gesang. Dabei ist trotz des unzweideutigen Kommentars dieser Stelle nicht ausser acht zu lassen, dass „pecten" Stat. Ach. 2, 159 auch einen Tanz bedeutet, wobei die Tanzenden sich gleichsam verflechten ! Und das Bild der sinkenden Sonne, sowie des emporsteigenden Mondes, ist das nicht wieder aus dem vorher schon erwähnten Kreuzbilde herausgegriffen ? Und bedeutet die ganze Stelle nicht zifgleich auch das sog. „Zeitrad" ? Was bewog also den Schreiber, der in der erwähnten Berner Handschrift gleich nach den zwei Strophen der Phronesis ein Vadomorigedicht kopierte ? Er dachte sicherlich an die aus der Unterwelt auf die Lautentöne des Orpheus wie in einem Reigentanz (pecten !) zurückkehrenden „manes", d. h. „animas infernales" — wie es der Kommentar sagt, er dachte an jenen „anderen Gesang", den diese Totengeister nächtlich auf das Saitenspiel des Orpheus singen mögen — und er sah in dem Vadomori den Text jenes Gesanges, den die aus der Unterweltemportanzenden Toten singen ! Dabei dachte er sicherlich an das Wort „mortales" gleich am Anfang der Worte der Phronesis (Vs. 337), es fiel ihm ein, dass. auch die einzelnen Vadomoridistichen etwas Ähnliches über die einzelnen Stände aussagen ... Es fiel ihm auch das andere Wort ein : desine, quod restat, ne desperatio laedat . . . Damit nur die Verzweiflung des Menschen wegen des traurigen Todesschicksals nicht auch die Seele verletzt ! Auch im Vadomori wird es ausdrücklich betont, dass man sich der Vadomoridistichen bediene, um schon während dieses irdischen Lebens das „tunc bene vado mori" zu erlernen ! D a s bewog ihn, nach dem Streitgedichte zwischen „Lüge" und „Wahrheit", d. h. zwischen „Teufel" und „Leben", bzw. „Tod" und „Leben" sich gleich die Vadomorimonologe aufzuzeichnen. Während andere Handschriften die Ekloge Theoduls mit einer Doxologie der Alithia beenden, — sie wird bei Osternacher S. 54 mitgeteilt, — glaubte unser Schreiber mit den Vadomoridistichen einen würdigeren und passenderen Abschluss des Streitdialoges gefunden zu haben. Denn das Vadomori ist ja eine praktische Anwendung jener Zauber-Zahlensysteme, mit denen auch in der Theodul'schen Ekloge das mystische Bild des Kreuzes, dieser höchsten, irdisch-himmlischen „Weltachse", vereinigt wurde. Die Monologe, welche im Vadomorigedicht von den sterbenden Vertretern der Stände rezitiert werden, sind hier zu einem Totengesang der aus der Unterwelt zurückkehrenden Gespenster umgedeutet worden ! D a s ist jene Auslegung der Vadomorigedichte, welche später zum „Toten-Tanz" führen musste ! Nach den 15 Vadomoridistichen Hess zwar der Schreiber diese Seite weiter leer, er notierte sich nur eine einzige Zeile als Schriftprobe aus irgendeinem Everymandialog, aber auf fol. 143a (bis 152b) folgt dann ein „Computus versibus conditus cum glossis et tabulis", — was uns wieder nur jenen Umstand beweisen kann, dass man im Abschluss der Theodul'schen Ekloge irgendwo Elemente der von mir schon öfters erwähnten mittelalterlichen Zahlenmystik aufzuHnden meinte, daher vereinigte man sie mit einem „Computus". Und diese Stelle gegen den Schluss des Gedichtes befindet sich im 36-sten Strophenpaar, im Rahmen der zweiten Rätselfrage der Alithia. Nun folge hier der Text der Theodul'schen. Ekloge, dieses Streitgedichtes zwischen „Lüge" und „Wahrheit", d. h. zwischen dem „Teufelstod" und dem „Leben" : der Teufelstod-Lügner mit der Panflöte. Alithia, d". h. die „wahre Kirche" mit der Harfe König Davids : — vereinigt mit einem Vadomorigesang der nach Ständen geordneten Reihe der Unterweltsgeister — nach der Auslegung des Schreibers ! Theoduli ecloga Einleitung : Aethiopum terras iam iervida torruit aestas, In cancro solis dum volvitur aureus axis ; Compuleratque suas tiliae sub amoena capellas Natus ab Athenis pastor cognomine Pseustis ; Pellis pantherae corpus cui texit utrimque 5 Discolor et rigidas perflavit Fistula buccas Emittens sonitum per mille Foramina vocura. Ad Fontem iuxta pascebat oves Alithia, Virgo decora nimis David de semine regis Cuius habens citharam fluvii percussit ad undam. 10 Subsliterat fluvius tanla dulcedine captus