KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

IV. Das Vadomori

- 195 — Lebens nicht auch diese Schande, diesen kläglichen Zu­stand der Menschheit verewigen können, wehrt das flam­mende Schwert vor der Pforte des Paradieses jedermann den Zugang. Womit „besiegt" hier wieder die Alithia ih­ren Gegner? Pseustis weiss nur so viel, dass Juppiter „ex­pulit patrem crudeliter illatis armis" und dass die fahl­farbige Welt nur eine „missiarbige imago" dieses „silber­nen Zeitalters" sei. Die Alithia weiss es aber, dass es über dem Todesschwert noch ein anderes Schwert gäbe, welches auch über den Tod regiert. — Im dritten Stro­phenpaar erzählt dann Pseustis, dass Cecrops, der Grün­der Athens, das Opfer aufgebracht hatte, er schlachtete Juppiter den ersten Stier und dieses heilige Opfer wieder­holt die ganze Nachkommenschaft, um die Gunst der Göt­ter zu erwerben. Pseustis will damit herausbekommen, durch welches Opfer die Menschheit aus der kläglichen Herrschaft des Todes befreit werden könnte. Er weiss es 1 Aber eben, weil er sich vor der darauf folgenden An­kündigung der Alithia schon im vorhinein fürchtet, lenkt er das Zwiegespräch auf dieses andere Opfer, — das i h m die Macht nimmt 1 Alithia antwortet aber noch nicht ganz offen. Sie geht in der chronologischen Reihen­folge weiter. Kain opfert Gott Früchte, Abel aber ein Lamm, — und nur nebenbei erwähnt es Alithia, dass ein derartiges Opfer den Heiland vorbedeute (talis docet hostia Christum). Dann aber fällt Abel durch Schwert und spricht noch sogar nach dem Begräbnis, — d. h. „sein Blut ruft Gott um Rache an". — Den am Opferaltar verübten Bru­dermord Kains will dann Pseustis im vierten Strophen­paar mit der Gestalt Lycaons überlrumphen, den Juppiter der verdächtigen Gerüchte wegen in seinem Hause in Arkadien als ein fremder Gast besucht ; der König, von dem erzählt wird, dass er einst ein Kind den Göttern opferte, legt dem bei ihm gastierenden Gott, um seine Allwissenheit zu erproben, in einer Schüssel Menschenfleisch vor, wofür er nach einer Sage von Juppiter samt seinem Hausgesinde und seinen Söhnen mit den Blitzen des Gottes getroffen wurde. Nur ein einziger Sohn blieb am Leben, Nyctimus. unter dessen Herrschaft dann die Sint­flut kommt. Nach einer anderen Sage wird Lycaon von Juppiter in einen W olf verwandelt. Pseustis will also mit diesem Beispiel zeigen, wie schlecht die Welt sei. sodass ihr nicht einmal der Zorn und die strafende Hand Gottes mehr hilft. Alithia aber beruft sich dagegen auf den from­men Enoch, der sogar auf dieser mit Sünden besudelten Erde (polluto in orbe) ein „Pfleger der Gerechtigkeit" war (cultor iustitiae). Er wurde aber in den Himmel erhoben — so lohnt der „wahre Gott" seine Gerechten ! Und wa­rum war Enoch gerecht ? Er glaubte an die zweite Wie­derkunft des Richters am Ende der Welt ! Er dachte also an das Jüngste Gericht. Er wird einst mit seinem Kampf­genossen Elias gegen den Leviathan kämpfen. — In dem fünften Strophenpaar beschreibt Pseustis die antike Form der Sintflut. Vom Ozean her kommt die Flut, die alles verschlingt, was lebte. Nur Deucalion und Pyrrha, die ein­zigen, welche die Flut verschonte, erneuern das Menschen­geschlecht durch die nach rückwärts geworfenen Fels­stücke. Warum erzählt dies Pseustis ? Es handelte sich ja bisher nur über die bösen Menschen, die also alle unter dem „Hirtenstab" des Satyr-Teufels stehen. Pseustis will mit dem Bilde der Sintflut betonen, dass es zwar eine Sintflut gab, welche die „bösen Menschen" vertilgen sollte, aber zwei von ihnen sind doch noch am Leben geblieben ; und die übrigen Menschen sind ja ihre Nach­kommen. Also — gehört die „Menschheit", d. h. deine Kythara, doch mir ! — meint Pseustis . . . Was Alithia hierauf antwortet, ist wirklich sehr interessant, denn es zeigt uns, wie tiefgehend die Vorstellung des Mittelalters von der sog. mystischen Zahlenwissenschaft und von der sieben-, bzw. achtstufigen Seelenleiter war. Alithia gibt zu, dass der gerechte Zorn Gottes die Sintflut herbeiführte, aber „den achten", d. h. Noé, rettete er in der Arche. Gott Hess aber zugleich den Regenbogen auf dem Him­mel erscheinen, damit die Welt nicht nochmals durch ein ähnliches Weltunglück vernichtet werde. Was soll das bedeuten, dass es von Noé heisst, er sei „der achte"? Im 2. Briefe des hl Petrus wird im 5. Vers des 2. Kapitels gesagt : „Auch der alten Welt hat er nicht geschont, son­dern nur Noé hat er bewahrt, den Prediger der Gerech­tigkeit, und mit ihm sieben Personen, ..." Also sieben Personen waren mit Noé zugleich auf seiner Arche,]daher ist er „der achte". Aber wenn wir uns an die Vorstellung von der Himmelsleiter erinnern können, so bedeuten die sieben Stufen der Himmelsleiter den irdischen und über­irdischen Seelenweg, währendessen die achte Stufe zum „Besitz der Gottheit" führt. Die Zahl „Acht" bedeutete auf dem mystischen Kreuzbilde des Evangeliars der Uta den Sieg über den Infernus, und wenn nach der Sintflut der Regenbogen mit seinen „sieben Farben" wie ein „sieben­faches Tor" erscheint, so vertritt Noé, als „der achte" in der Arche, jenen Vollkommenheitsgrad des Menschen, der erst nach einem Hinwegschreiten durch die früheren un­vollkommenen Stadien zum Siegespreise des Vollkomme­nen wird. Es vernichtete zwar die Sintflut viele der „bö­sen Menschen", in der „Arche", — und nun soll man sich darunter die „Arche der Kirche" denken! — versam­melten sich sieben Menschen, die Vertreter verschiedener Vollkommenheitsgrade, unter denen Noé das „achte Voll­kommenheitsstadium" vertritt. Nicht nur Noé also, sondern alle jene Menschen, die in der „Arche derKirchp" diesea achten Vollkommenheitsgrad erreichen, gehören nicht mehr unter die Regierung des Hirtenstabes von „Pseu­stis", sondern stehen unter den „Schafen der Alithia". Darum hören diese Schafe auf zu weiden, wenn Alithia singt. Auch die vollkommensten Menschen im Besitze des achten Vollkommenheitsgrades hören mit den irdischen Genüssen gänzlich auf, weil sie den wunderbaren Gesang der „göttlichen Wahrheit" vernehmen. — Pseustis will nun wieder mit einem anderen Gedanken die Ankündigung geheimnisvoller Wahrheiten der Alithia in den Schatten stellen. Noé war schon ein alter Mann, als er zu „einem achten" werden konnte. Was ist das gegen einen Gany­medes, der am Idaberge als Knabe noch die Hasen vor sich trieb. — und dann plötzlich von Juppiter (in der Ge­stalt eines Adlers) geraubt und in die ätherischen Höhen getragen wurde, wo er am Olymp zum göttlichen Mund­schenk werden sollte, welches Amt vorher Hebe bekleidete ! Aber auch Aletheia bleibt in diesem sechsten Strophen­paar ihrem Gegner mit der Kunde von merkwürdigen Din­gen nicht schuldig ! Prahlte sich Pseustis mit dem Jup­piter-Adler, der auch den Ganymed-Knaben in den Him­mel emporhob, so weiss sie von zwei „merkwürdigen Vo­gelarten". Beide gehören noch in das Bild von der Arche Noachs und sind freilich im übetragenen Sinne auf die Arche der Kirche zu verstehen. Der eine Vogel, über den Aletheia zu berichten hat, ist der Rabe, dessen Treu­losigkeit alle Tiere kennen, und um deren willen ihn alle hassen : er wollte den in der Arche Verschlossenen den Botendienst leisten, um ihnen von der Rettung (d. h. vom „Heile") die Freudenkunde zu bringen I Und dieser Rabe verkörperlicht alle jene Menschen, die unter dem Hirten­stabe von „Pseustis" schmachten. Dagegen brachte die Taube den grünen Zweig von einem nahen Berge ! Ar­menien ist Zeuge davon ! Nach Vollmer soll man 1 in Ar­meinen noch im Mittelalter die Reste der Arche Noachs gezeigt haben. Ich aber glaube es nicht, dass es hier die „Arche" wäre, an welche Alithia denkt I Nein! Es ist der Berg, den man u. a. auch in Armenien gezeigt hatte, wo Noach mit seiner Arche landete und woher die Taube den ersten grünen Zweig brachte. Und dieser zweite Vo­gel. die Taube, bedeutet also freilich den hl. Geist, der nicht — wie der Juppiter-Adler — die Kinder raubt, son­dern auch die Kinder bestärkt ... Das ist der richtige Sinn des Zusammenhangs zwischen den einzelnen Stro­phenpaaren der Ekloge Theoduls ! — Nun, wenn also je­ner „Berg" noch in Armenien zu sehen ist. so weiss auch wieder Pseustis „andere Berge", welche — nach sei­nem Berichte in dem siebenten Strophenpaare — von den „erdgebornen" Titanen gebaut und übereinander getürmt wurden, um die Inwohner des Himmels zu übertreffen und zu schlagen. Aber der Mulciber-Hefaestos stiess sie alle mit seinen Blitzen in die Höhle des Vulcanus. Wenn aber die „Berge der Riesen" den Himmel erreichen soll­ten, so weiss dagegen wieder Alithia, dass zu einem sol­chen „Riesenbau" nicht unbedingt auch Riesen nötig sind, denn es brachten auch die „Söhne Adams" den Turmbau zu Babylon zustande, der ebenfalls bis zum Himmel rei­1 S 324 und auch in mittelalterlichen Kommentaren wird die Stelle so erklärt.

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