KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
IV. Das Vadomori
Vollmer (S. 322) erfuhr ich dann, dass sich schon Lessini. in den „Beiträgen zui Geschichte und Literatur" 1 mit einigen Handschriften und drei Ausgaben des Textes in der Bibliothek zu Wolfenbüttel beschäftigt hatte. Angeregt dazu wurde er durch die Anfrage von J. G. S. Schwabe, der dann zu Altenburg i. J. 1773 die „Ecloga Theoduli" veröffentlichte. Aus derselben Abhandlung Vollmers erhielt ich auch Kunde über die Ausgabe des Textes von August Beck. 2 Mit Bezug auf den Text der „Ecloga" des Theodulos dürfte ich vielleicht nunmehr behaupten, dass ich auf einer ziemlich sicheren Basis stehe. Umso schwieriger war es mir, etwas über den Verfasser „Theodulos' zu erfahren ! Wie es Osternacher in seiner erwähnten lateinischen Abhandlung betont, sind die meisten „Nachrichten" über die Frage der Person des Dichters erst später — auf Grund der verschiedenen Kommentare — dem Pseudonymen „Theodulos" nachgedichtet worden. Ich selber dachte anfangs an den Thomas Magister, der um die Wende des XIII —XIV. Jahrhunderts lebend Berater des Kaisers Andronikos II. Paläologos (1282—1328) war und ebenfalls den Decknamen „Theodulos Monachus" benützte. Seine „Eklogen" erhielt ich dann in der Ausgabe von Ritsehl (1842) aus Berlin ! Nachdem ich aber bei Osternacher die vielen Handschriften aus viel früherer Zeit verzeichnet fand, weiter seine Beweisführung las, dass die Versform des Gedichtes, — Strophen aus je vier Hexametern mit Zäsur und Endsilbe, an den leoninischen Hexameter erinnerd, — direkt auf eine Entste hung im IX. Jahrhundert folgern lässt, so gab ich freilich die Identifizierung mit dem griechischen Mönch des XIII—XIV. Jahrhunderts sofort auf ! Osternacher kündet auf S. 13 seiner erwähnten Abhandlung eine grössere Studie über das Gedicht des Theodulos an und verrät zugleich bei dieser Gelegenheit, dass er auch über den Dichter mehr erfahren hätte, dass er aber mit der Veröffentlichung seiner Entdeckung noch warten muss. Nun steht aber auf dem Exemplar, welches ich aus der Preussischen Staatsbibliothek in Berlin bekommen habe, eine eigenhändige Widmung Osternachers an die „kgl. Bibliothek in Dankbarkeit für die Mitteilungen Prof. Dr. R. Haeblers", vom 17. April 1913 datiert. Ich weiss nicht, ob Osternacher seine grössere Abhandlungen über die Ekloge Theoduls veröffentlicht hatte, — und wäre sehr froh, wenn ich diese irgendwo auftreiben hätte können ! Aber ich musste mich mit einer Notiz zufriedenstellen, welche zu meinem Glücke Osternacher mit eigener Hand am Titelblatte des von mir benützten Berliner Exemplars machte. Unter den Titel „Theoduli eclogam" schrieb er eigenhändig: „Godescalci Orbacensis". Er unterstrich sogar im Namen „Theoduli" den zweiten Teil, d. h. „duli" und 1 Vgl. die Lachmannsche Ausgabe Band IX. Berl. 1839, S. 181 II; Kürschner XI. 2, S. 37 ft. 1 Diss. Marburg 1836. dasselbe tat er auch mit dem Namen „Godescalci ", wo er wieder „scalci " unterstrich. Ich habe es nicht erfahren können, ob dies Osternachers eigene Erfindung ist, oder ob er diese Korrektur am Titelblatte nur unter dem Einflüsse irgendeiner anderen darüber erschienenen Abhandlung vornahm. Näheres zu erfahren verhinderten mich die kriegerischen Zeiten seit 1939. Wenn die erwähnte Notiz Osternachers das Richtige getroffen hat, so ist der Dichter „Theodulos" mit einer berühmten Persönlichkeit des IX. Jahrhunderts identisch, mit dem Benedektiner Gottschalk von Orbais, der um 805 als Sohn des sächsischen Grafen Berno geboren wurde und am 30. Oktober 868 oder 869 zu Hautvilliers bei Reims starb. Denn der erste Teil seines lateinischen Decknamens „Theo" entspricht selbstverständlich dem „Gode" in „Godescalc". Das griechische Wort dovAog bedeutet „Diener". Und auch in dieser Hinsicht entspricht der Name „Godescalc" dem „Dulos" des griechischen Namens, da doch got. skalks, anord. skälkr, angls. scealc, ahd. seale und mhd. schalc soviel bedeutet wie „Dienstmann, Knecht". Theodulos und Gottschalk also bedeuten dasselbe : „Der Diener Gottes". Ob es dann wirklich der Gottschalk von Orbais sein wird, der unsere Ekloge schrieb, dies lässt sich freilich mit meiner bisherigen Kenntnis der Sachlage nicht mehr mit Sicherheit erörtern. Wie wir es sehen werden, stellt uns das ganze Gedicht die Geschehnisse des Alten Testaments und auch das ganze menschliche Leben als ein Resultat überirdischer Mächte, der Einflüsse des Sternenhimmels und der Urkräfte der Natur, letzten Endes freilich der göttlichen Vorsehung dar, welche alles schon im vorhinein, seit Uranfang so bestimmt hat, wie es geschah. Das ist nach meiner Anschauung der eigentlichste Grundgedanke des Gedichtes. Dann aber werden im Gedichte in je vierzeiligen Strophen abwechslungsweise Wundergeschichten und Motive aus der antiken Mythologie und aus dem Alten Testament einander gegenübergestellt. Der Dichter scheint die „heidnischen" Vorstellungen seiner noch mehr oder weniger „heidnisch eigenstellten" Zeitgonssen mit „approbierten Elementen" des christlichen Glaubens substituieren zu wollen. Als wollte er dadurch seine Hörer oder Leser zur Rede stellen, warum sie sich nur die „Sagen der Heiden" erzählen, wenn doch ja auch das Christentum im Alten Testament Erzählungen aus grauer Vorzeit in Fülle aufweisen kann, und diese letzteren haben wenigstens vor den „heidnischen Erzählungen" jenen Vorzug, dass sie die Wahrheit melden, dass in ihnen alles viel edler und gerechter vorgeht, als in den „heidnischen". In dem Gedichte streiten nämlich zwei „Hirten", Pseustis, d. h. die „Lüge" und Alithia, d. h. griechisch die „Wahrheit" miteinander und zu einem Schiedsrichter rufen sie sich Phronesis herbei, d. h. die „göttliche Weisheit".