KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
IV. Das Vadomori
diesen wieder der Mönch, usw. — und es ist ebenfalls ein getanzter Liedertext. Diese orientalischen Märchenmotive wurden aber dann wieder von den Apokryphschriflen im Abendlande verbreitet. In dem als „Buch Esdrae "genannten Werk 1 wird der Wettstreit der drei jüdischen Leibwächter des Perserkönigs Darius erzählt, wobei eine nach Stärke eingerichtete Reihe von Wein, König, Weiber und Wahrheit entsteht. 2 Nachdem schon Emile Mäle in seiner zitierten Studie über das Totentanzmotiv 8 betont, dass das Vadomorigedicht eigentlich der Text eines getanzten Liedes sei, welches noch i. J. 1453 4 die Stände nach der Art des Vadomorigedichtes in der Hschr. Bibl. Mazarine Nr. 980, fol. 83v auftreten Hess, steht die Tatsache der Verwandtschaft des Vadomoritextes mit den getanzten Volksspielen fest. Dieses getanzte Ständegedicht war eigentlich ein „geistliches Tagelied", ein „ Wecklied vor dem lod". Das geistliche Tagelied, eine Gattung des mittelalterlichen höfischen Minneliedes schilderte das heimliche Scheiden der Liebenden am Morgen, der durch den warnenden Wächter verkündet wird. Dies wurde in der Reformationszeit geistlich umgedeutet, kontraf aktiért, — wie im Mittelalter die Sprüche von den „stärksten Dingen" und von den „stärksten Ständen" ebenfalls „umgedeutet" wurden . . . Diese „Umdeutung" ist die Wiege des Vadomoriliedes, dessen immer wiederkehrender Refrain „vado mori " zu jenen Sprüngen gesungen wurde, welche auch im „Siebensprung" die einzelnen Standesvertreter charakterisieren sollten. Das Vadomori führt uns zwar nicht unmittelbar bis zum Entstehungmoment der Totentänze, aber seine Textvarianten werden uns später vielleicht ermöglichen, das „richtige Original" der Standesreihe des ersten Todes- oder Toten-Tanzes auffindig zu machen. IV. Das > 1. Das Vadomorimaterial Das Vadomori ist also nach den bisherigen Ausführungen eine Art Priamel, — aber in Distichen geschrieben. Eine lange Reihe von monologartigen Distichen zählt alle jene weltlichen und geistlichen Stände auf, welche alle nicht über den Tod siegen können, welche alle vom Tod auf den „überirdischen Seelenweg" gezwungen werden, um die verschiedenen „portae mortis" singend und klagend zu passieren. Die Monologe, welche die Standesvertreter der Reihe nach hersagen, welche am Anfang des Hexameters und am Schluss des Pentameters immer mit demselben Refrain „vado mori" beginnen und enden, lassen im Laufe des ganzen Gedichtes die Frage unbeantwortet, welcher von den aufgezählten Ständen dem Tode gegenüber der stärkste sei. Durch einen Vorbehalt wird die Lösung des Problems verschwiegen, um das Interesse des Lesers oder Zuhörers — wie in einer Priamel — weiter zu steigern, — bis dann am Abschluss in dem Refrain des „braven Mönchs", im „sie bene vado mori", die Auflösung der bis zum schlagenden Schluss zurückbehaltenen Konklusion treffend erfolgt. Von allen Ständen ist dann der stärkste, — der mit Christus den Tod überwindet. Wie wir es in den im vorigen Kapitel besprochenen Sprüchlein gesehen haben, stand auch in anderen Versionen der Gedichte über die kettenartige Reihenfolge der je stärkeren 1 III. Kap. 3-4. 2 Vgl. Joseph us Flauius : Antiquilates Judaicae 11,3: J. W. Wulfs Zeitschrift „Der Broederhand". Brüssel 1845, S. 180 : In dem Spruch eines Weisen entwickelt sich die Reihe von Fels, Eisen, Feuer, Wolke, Wind, Mensch, Gram, Wein, Schlaf, Tod und Tugend. 3 Revue des deux mondes. LXXV/ Jahrg. V. Folge. Bd. 32 1906, S. 657. 4 Vgl. Mäle, a. a. 0. S. 659. und die Standesliteratur Dinge oder Stände der Tod oder die Gottheit am Ende der Reihe. Wenn wir es dann ausserdem noch in Rechnung ziehen, dass die oben besprochenen Rätselspiele in den je höheren Regionen der Stärkeren und Stärksten nicht nur die vier Elemente, sondern auch Sonne, Mond und Planeten, ja sogar einzelne Tiere auftreten Hessen, die als Symbole der Planetenkreise und des Tag- und Nachtwechsels gelten durften (wie z. B. die Maus), und wenn wir es weiter nicht ausser Betracht lassen, dass im Vadomorigedichte der Weg der Stände „via mortis regia" heisst, auf welchem die „Tore des Todes" ausdrücklich erwähnt werden, so dürfen wir auch die Vermutung offen aussprechen, dass es sich euch im Falle der Vadomorigedichte um eine Gattung jener volkstümlichen Spruchgedichte handelt, welche die Lebensalter und Stände in den kosmischen Zusammenbang der je stärkeren und mächtigeren Dinge, Mächte und Regionen des Weltalls stellen, um dann bald den endgültigen Besitz der Gottheit, bald wieder den Sieg des Teufels-Todes, bzw. der „feindlich gesinnten Torwächterdämonen" am „überirdischen Seelenwege" mit einem schlagfertigen Abbruch der kettenartigen Gedankenfolge als letztes Glied der Regionen darzustellen. Bei Bernhardus Morlanensis wurde schon im XII. Jahrhundert der Gedanke besonders hervorgehoben, dass das Leben der „weltlich gesinnten" und nicht gottesfürchtigen Stände eigentlich ein von Saitenistrumenten begleiteter „Falscher Gesang" sei, dessen Disharmonie unzweifelhaft zum Ausdruck bringt, dass sie schon im Laufe ihres irdischen Lebens dem „zweiten Tod", d. h. „dem ewigen Tod" geweiht seien. Dabei zitiert aber Bernhardus den Inhalt jenes „falschen Ständeliedes", — und dieser erinnert