KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

III. Volkstümlich esoterische Vorbereitung derVadomorigedichte

— 165­2. Volkstümlich-esoterische Vorbendingungen der Entstehung der Vadomorigedichte Wenn auf mittelalterlichen Gemälden, Skulpturen und in Handschriften der Kampf der Engel und der Teufel am Sterbelager des Ster­benden oder über dem Grabe dargestellt wird, wie dies J. E. Wessely in seinem Werke „Die Gestalten des Todes und der 'leufels in der darstellenden Kunst' 1 zeigt, indem er auf die hohe Rolle des Schutzengels und Trutzengels, auf die Rolle des Erzengels Michael im Kampfe gegen den Teufel am Grabe 2 hinweist, — so ist dies ein Zeugnis für die lebendige Tradition der Vorstellungen von schützenden und feind­lich gesinnten „Torhüterdämonen" auf dem „überirdischen Seelenwege" . . . Aber diese Vor­stellung entspricht auch den Grundlagen der offiziellen Lehre der Kirche, wie ja auch die Bilder vom „Kampfe der Laster und Tugenden" ein „irdisches Spiegelbild" dieser überweltlichen Engels- und Teufelskämpfe sind, — freilich auf dem „irdischen Seelenwege" . . . Das hohe Alter und die Form dieser „Alterkationen" zwi­schen „Virtus" und „Vitia", die Verbindung dieser Vorstellungen mit dem Totentanz in Ker­maria, 8 und die Form, wie dieser Kampf mit der Augsburg-Münchener Legendenform verei­nigt wird, und wie dieses Thema sogar noch in der jüngsten Vergangenheit von Eduard Grützner und Eduard Ille 4 behandelt wurde, beweisen unwiderlegbar, dass diese traditionel­len Motive mit der urmenschlichen „Seelenweg"­Vorstellung in Verbindung stehen. Aber auch in einer anderen Form lebten die Vorstellungen von einem „irdischen Seelen­wege" in volkstümlichen Kreisen weiter : in der Form des Glücksrades. Das Glücksrad ist ja eigentlich eine in Radform ausgedrückte „Stan­desreihe": denn am obersten Punkte sitzt ja der „König" oder der „Reiche", unter dem Rade liegt dann der „Bauer". 5 Bei einer Gele­genheit erklärte ich das „Glücksrad" für das „Vadomori der darstellenden Kunst, 0 — und darin hatte ich eigentlich das Wesentliche ge­troffen ! Das Bild „Fatum et Nigidius", welches ich im ersten Bande meiner Gl T Tafel VI. Fig. 2 schon einmal mitgeteilt hatte und nun hier Abb. 51 mit den übrigen „Radbildern" wieder­hole, vermittelt uns jene magisch-mystische Weltanschauung, aus welcher dann die Vado­morigedichte entstehen konnten. Denn das Le­bensrad ist ja die „Everymanlegende der Kunst­1 Leipzig 1876, im IV. Kap. über die „geistliehe Allegorie" spiechend. - Vgl. das Basrelief eines Grabsteins aus dem Jahre 1095, eine Skulptur auf der Hauptfassade von Nolre Dame in Paris, ein Freskogemälde in der Kapelle des Papstes Nikolaus V. im Valikan. in S. Agnese fuori di mure, ein Glasgemälde aus dem XV. Jh. in Burgos, usw. 3 Vgl. hier Taf. XX. 6-7-8. 4 Ich sah die Bilder dieser Tugend-Laster-Kampf­bilder im Münchener Rosenthal-Anliquariat i. J. 1926. 5 GTT Bd. 1. S 74b. 0 GTT Bd. I. S. 212a. geschickte" , während das „Glücksrad" schon seit Uranfang gewisse Texte verwendet hatte, die sich auf die „ötandesreihe" am Rade bezogen. Reinhold Köhler 1 teilt uns diesbezüglich in seiner Abhandlung über „Das Schicksalsrad und den Spruch vom Frieden" 8 sehr wichtige geschichtliche Angaben mit. Es liess nämlich Felix Hemmerlin ( Malleolus ) im 21. Ka­pitel seines zwischen 1444 und 1450 verfasslen „Dialógus de Nobilitate et Rusticitate" den Edelmann das Schickalsrad (Rota Fati, Rota fatalis) beschreiben Auf Blatt LXXVII der einzigen Ausgabe des Dialogs steht die Darstellung dieses „Schicksaisrades": 9 Sepe vidisti veteres posuisse fortunae rotam quattuor figuris signanter descriptam et his versiculis annotatam : „Regno descendo iaceo super ardua tendo. Sum fortunatus, fleo, spero, fio beatus. Hic iacet, hic scandit, hic sedet, iste cadit. Regno regnabo regnavi sum sine regno. Hoc namque rota fortune variabilis ut rota lune ! Crescit et decrescit in eodem sistere nescit". 1 0 Auf der bildlichen Darstellung wurden in ein grös­seres Rad sechs kleinere Kreise gezeichnet. Auf den sechs kleineren Rädern stehen folgende Inschriften : „Pax general divitias, Divitiae generant superbiam, Superbia generat guerram, Guerra generat paupertatem, Paupertas generat humilitatem, Humilitas generat pacem". Auch Geiler von Kaisersberg kennt diesen Spruch „Fried macht Reichtum, Reichtum mach Übermut, Ubermut bringt Krieg, Krieg bringt Armut, Armut bringt Demut, Demut macht wieder Frieden . . ," 1 2 Dieser Text beweist es uns eigentlich, dass auch die Vorstellungen von den Tugenden und den Lastern mit dem Radbilde in einem engen Zusammenhange ste­hen. Der Kreislauf vom Frieden zum Frieden, die Inschrif­ten auf einem Rade mit derselben Endung, welche in der Mitte auf die Achse geschrieben wird, — wie dies schon gezeigt wurde und wie dies auch im Zusammenhange mit der Fuldaer „Gesamtlegendenkompilation" nachweis­bar ist, — lassen auch die Vermutung zu, dass man auch das „Lebensrad" mit derartigen „vadomonartigen" Monologen versehen hatte. Ein Beispiel dafür kennen wir schon aus dem Malerbuche zu AthosJ 4 wo das Lebens­und Glücksrad ineinanderlaufen, wie später Everymanle­gende und Vadomori, 1 4 und wo dann die Vorstellungen von einer „Standesreihe" auch auf einem Bilde der „Him­melsleiter", also des „überweltlichen Seelenweges" wie­derkehren. 1 5 Im Begriff des Lebensrades vereinigt sich auf den ' Vgl. „Kleinere Schriften". II. Bd. Ausg. J. Bolte. Berlin 1900, S. 66 ÍÍ. Nr. 14. 8 Vgl. Germania 19, 189—195. 1877: in den „Klei­neren Schriiten" mit einem Bilde dort auf S. 67. 9 Inhaltsangabe vgl. tí. Reher, Felix Hemmerlin von Zürich 1846, S. 197-268. 1 0 Die einzelnen Sätze der Zeilen gehören hier zu je einer Glüksradgestalt ! Vgl. W. Wackernagel : Das Glücksrad und die Kugel des Glücks. Haupts Zeitschr. f. deut. Altert. 6. 142 ff. vgl. Wackernagels „Kleinere Schrif­ten" Bd. I. S. 249 ff. 1 1 Vgl. Massmann in Mones Anzeiger 1833, S. 261, 1 2 Vgl. Ahnliches auch in einem Gedichte, das der französische Dichter Clement Marot i. J. 152! an Marga­rethe, die Schwester Franz I. schreibt . . . 1 3 GTT Bd. I. S. 213a. 1 4 GTT Bd. I. S. 212a ff. 1 5 GTT Bd. I. S. 210a.

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