KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
II. Formale Versuche vor dem Vadomori als Pro-totypen der Vadomoriform
- 158 — die Schulbücher noch in der jüngsten Vergangenheit benützt hatten : „Durch Christi Blut bin ich erkauft N. bin ich getauft N. heiss ich Gott ist mein Trost, das weiss ich, Ich leb und weiss nicht wie lang . . . usw. Ich reise . . . usw." Von den in Handschriften vorkommenden Stellen 1 möchte ich die Version aus der Münchener Hschr. Clm. 9804 (XV. Jh.) erwähnen, wo den einzelnen Verszeilen ein symbolischer Sinn gegeben wird. Die erste Zeile sagt dort das „Feuer", die zweite die „Erde ", die dritte die „Luft" und die vierte das „Wasser", — es wird hier also unser Spruch zu einem Symbol der vier Elemente : „Ich leb ich wais nicht wie ignis vnd arbait ich wais nit wann terra vnd stirb ich wais nicht wen (wann I) aér vnd var ich wais nicht wo hin aqua". Welt der nach rieht dein sinn ! Bei einer Gelegenheit hat Mone 2 diese schlechten lateinischen Hexameter veröffentlicht : „Tria sunt vere, quae faciunt me semper dolere, primum est durum, quia scio me moriturum, secundum timeo, quia nescio tempus quando, tertium hinc flebo, quia ignore ubi manebo ..." W. H. D. SuringaF bessert diesen Vers so aus : „Sunt tria nam vere, faciunt quae me usque dolere : Est primum durum, quoniam scio me moriturum ; Tunc sequitur, timeo qui nescio tempóra quando ; Postremum, flebo, quod nescio tum ubi manebo". 4 Im Brit. Mus. befindet sich ein Holzschnitt aus dem XV. Jahrhundert, auf welchem die sieben Lebensalter dargestellt werden : „rota vite que fortuna vocatur" — es ist also ein „Lebensrad" T Der Text begleitet hier also die Darstellung der Lebensalter am Lebensrade : 1 Vgl. Wilhelm Krühne : Deutsche Volksdevisen aus dem 14. 15. 16. und. 17. Jh. aus handschriftlichen Stammbüchern in Westermanns Illustrierten Deutschen Monatsheften, Nr. 78, März 1863, S. 620; vgl. K. Mündel : Haussprüche und Inschriften im Elsass. Strassburg 1883, S. 21 ; Deutsche Haussprüche aus Tirol, gesammelt von W 0. Innsbruck 1871, S. 28; Deutsche Inschriften an Haus und Oerath. Berlin, 1865, S. 9, verbesserte Aufl. Berl. 1888. S. 16. 2 Im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 1835, Sp. 207 ff. 3 H. Bebels Proverbia Germanica Leiden 1879, S. 164. 4 Vgl. GTT Bd. I. S. 263, die 90. Strophe der Altercatio animae et corporis! 5 Vgl. John Winter Jones : Observations an the division of man's life into stages prior to the 'Seven Ages' of Shakespeare. London 1853. The Archaeologia. Bd. 35. S. 167-189; Faksimile S. 22 ff. „Est hominis status in flore significatus, Flos cadit et periit, sic homo cinis erit. Si tu sentires, quis esses et unde venires, Nunquam rideres, sed omni tempore fleres. Sunt tria, que vere faciunt me sepe dolere ; Est primum durum, quod scio me moriturum ; Secundum timeo, quia hoc nescio quando ; Hinc tercium flebo, quod nescio ubi manebo . . ." 6 Auf einem allegorischen Holzschnitt des XVII. Jahrhunderts im Museo Civico in Cremona, von einem Joh. Fortuna Fortunius zu Siena ausgeführt, wird ein Rad mit acht Speichen dargestellt. Auf den Speichen befinden sich die Verszeilen, währenddessen die jedesmal wiederkehrende Endsilbe „mus" in den Mittelpunkt des Kreises auf die Achse des Rades geschrieben wurde : „Unde superbi Quid est homo nisi Ii De limo homo pri Morte(m) uitare nequi ——>- mus (?) Cum nos terra si • Terra est quasi fi Et ideo studea Darunter auf zwei Schildern : „Tria sunt vere, quae me faciunt flere. Primum quidem durum, quia scio me moriturum, Secundum uero plango, quia moriar et nescio quando, Tertium autem flebo, quia nescio ubi manebo". Wie wir sehen werden, kommen derartige Texteinteilungen auch in den Gesamtlegendenkompilationen, welche ich weiter unten bespreche, ebenfalls vor, wie z. B. in der Fuldaer Kompilationsformel, währenddessen am Schlüsse des Vergänglichkeitsgedichtes, welches allgemein Walter Map zugeschrieben wird' und unter dem Titel „De mundi miseria" bekannt ist, der Text in einer anderen Form wiederkehrt : „Qui de morte cogitat, mirum quod laetatur, cum sic genus hominum morti deputatur. quo post mortem transeat homo, dubitatur. unde quidam sapiens ita de se fatur : Cum de morte cogito, contristor et ploro ; unum est quod moriar, et tempus ignore, tertium est quod nescio quorum jungar chore, sed ut suis merear jungi, Deum oro ..." Zu ähnlichen Zwecken, wie auf dem schon erwähnten Lebensradbilde, dienten wahrschein6 Vgl. Julius Wegeier : Philosophia patrum, versibus praesertim leoninis, rhylhmis germanicis adiectis, iuventuti studiosae hilariter tradita. Ed. III. Confluentibus 1874. Nr. 2824; 4. Aufl. 1877, Nr. 3280; vgl. Franceso Nouati : Carmina medii arvi. Firenze 1883, S. 43 aus einer Hschr. der Stadt Siena; daselbst in einer Pergamenthandschr. des XIV. Jhs. Turin, Univ. Bibi. I V. 31. fol. 34b. 7 Vgl. GTT. Bd. I. S. 263. Str. 90. der Altercatio animae et corporis 1