KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur

-115­demptoris" loben ihn als ihren Meister. Mit an­mutigem Scherz und vollem Ernst beschäftigt er sich auch mit der Verskunst und schreibt für Nonnen das Lehrgedicht „De VIII vitiis prin­cipalibus", während er ausser einem Traktat „De Monochordo" auch eine Reihe von musi­kalischen theoretischen Studien verfasst hatte. 1 Sein „Contemptus-mundi-Gedicht", welches Ernst Dümmler im XIII. Bd. (NF) der Zeitschr. für deut. Altertum" 2 unter dem Titel „Opusculum Herimanni diverso metro conpositum" veröf­fentlicht, welches zuerst sein Schüler und Freund Berthold von Reichenau erwähnt und sich in der Hschr. Cod. Lat. Monac. 14698 (früher St. Emmerammi G. LXXIII) aus dem XII. Jh. befin­det, entstand gegen 1044—1046. Es wird näm­lich in dem Gedichte Vers 626 der ungarische König Ovo, d. h. Aba Sámuel, erwähnt, der aber im Sommer 1044 starb, während Hermann an den König Peter noch wie an einen Leben­den denkt, der im Herbste 1046 das zweitemal entthront wurde. Somit beschränkt sich die Ab­fassungszeit auf den Zeitraum 1044—1046. Am Anfang der erwähnten Münchener Hschr. (fol. 1—24) stehen metrische und arith­metische Schriften von Beda, Marius Servius Honoratus, Priscianus, Mallius Theodorus, Ade­bold von Utrecht. Auf fol. 25—37 befindet sich dann das Contemptus-Gedicht Hermanns : In­cipit opusculum Herimanni diverso metro com­positum ad amiculas suas quasdam sanctimo­niales feminas. Unmittelbar darnach 15 Verse über die Sternbilder ! Ein Contemptus-mundi­Werk also wird hier mit einer Betrachtung der Sternbilder und einer Beschreibung jener mittel­alterlichen Weltanschauung vereinigt, welche ich im Zusammenhange mit dem Kreuzbilde des fast zur gleichen Zeit verfertigten Evange­liars der Nonnenkönigin Uta eingehend bespro­chen habe ! Und Hermann selbst verstand jene „mystischen Zusammenhänge" zwischen Welt­verachtung, zwischen dem „überirdischen See­lenweg" und der mittelalterlichen Musiktheorie sicherlich sehr gut, da er ja derartige theoreti­sche Betrachtungen in grösserer Zahl schrieb. Nach lateinischen Vokabeln mit ahd. Glossen (fol. 38—48) folgen in der Hschr. astronomische Lehrbücher von Gerbert, von Hermann selbst, von Wilhelm von Hirschau (t 1091), Heriger von Lobbes und Gerland. Der Kopist hat das lateinische Contemptus-Gedicht nur deswegen aufgezeichnet, weil ihn nicht der Inhalt, sondern die Form interessierte. Er benützte das Gedicht als ein Muster für die verschiedensten metri­schen Formen, welche er auch in Glossen erklärt. Das Contemptus-mundi-Gedicht Hermanns, das auch infolge seines Inhalts den Contemp­1 Vgl. W. Brambach Hermanni contracli musica. 1884; P. Wagner. Einführung etc. Bd. III.; Dietrich. Ge­schichtsquellen des Klosters Reichenau. 1897 ; usw.; vgl. auch Stammler, a. a. 0. S. 12, 52, Anm. 13; Buchheit. a. a. 0. S. 54; Rehm. a. a. 0. S. 39, 64 ; J. Kelle. Gesch. d. deut. Lit. Bd. II. Berl. 1896, S. 31. 91 ; Anm. 260, 295. 2 Hg. von Moritz Haupt; Berlin 1867, S. 385-434. tus-Mundi-Werken eines Henricus de Hassia* eines Jacobus de Paradiso oder Jac. Carthu­siensis oder Jac. de Juterbogk de Erfurt, 4 sowie eines Dionysius Charthausiensis 6 oder sogar des „Secretum" eines Petrarca " immer für ebenbürtig gehalten werden darf, 7 beginnt mit den Worten Hermanns an die Muse. Er fragt sie, worüber er seinen „Schwesterchen" singen soll.Die Muse geht zu den Nonnen und erkundigt sich bei ihnen, worüber ihnen Hermann ein Gedicht schreiben sollte. Diese, mit der Äbtissin Engila an der Spitze, erschrecken bei der Erscheinung der Muse Melpomene, obwohl sie sich sehr ar­tig vorgestellt hatte, — wie in einem Barock­drama. Sie schildert die Hässlichkeit der Welt, die Furcht vor dem Körper und die Gefahr, dem Satan dienen zu müssen, wenn man den irdi­schen Freuden allzu gierig nachgeht und den Körper, „putre solum, mortis alumnum, uermem, post modicum uermibus esum", liebt. Aber die Muse bittet die Nonnen gleich wieder um Ent­schuldigung, dass sie über ein so finsteres The­ma spricht, wo doch die „Sorores" sicherlich lustigere Töne zu hören wünschten. Die Non­nen versichern ihr, dass ihnen auch Heriman über ähnliche Dinge zu singen pflegt, indem er durch die Lehren der Vergänglichkeit die Sün­den tilgt. Die Muse weiss es besser, was ihnen heilsamer zu hören sei, — sie möge also dar­über selbst entscheiden, welches poetische The­ma Heriman für sein Gedicht wählen soll. Nun kehrt die Muse wieder zu Hermann zurück. Dieser bittet sie, ihm ja keine leichtfertigen Ge­danken zuzuflüstern, da er das wahre Leben und die Gefahren des irdischen Treibens zu schildern geneigter wäre. Nun beginnt die Muse ihr Lied, welches sie den Nonnen vorträgt und welches Heriman aufzeichnet. Das Gedicht „De Contemptu Mundi" beginnt mit einer allgemeinen Ermahnung, die Welt zu verachten, denn wenn man hier auch ewig leben sollte, so verdient die Welt doch nichts Besseres. Also auch hier beginnt die Schilderung mit einem Bilde der „Frau Welt", — wie in der Augsburg-Münchener Legendenform : (507) . . . haec uero nec breuissimo perstare quit in mutulo, sed semper ad finem suum (510) festine transit ultimum, ad terminum certae necis horis, minutis, athomis 3 Frankfurt, Ms. Praed. 14. Nr. 783. XV. Jh. fol. 8a ff.; Würzburg, Univ. Bibi. Cordiale saec. XV. M. ch. f. 109. 4 Sachs. Landesbibl. Dresden, cod. P. 42. Pap. f. 62; Würzburg, Univ. Bibi. M. ch. Qu. 140, f. 143b; über diese Hschr. später eingehender! 5 Rehm. a. a. 0. S. 111. 6 Rehm, a. a. 0. S. 109-110, Anm. 1 ; vgl. die Con­temptus-mundi Episode in Hugo von Langensteins „Mar­iina", Köhler, Germania 8. 15—35. 1863, S. 126 in den „Kleineren Schriften" Köhlers hg. von Bolte. 7 Vgl. Migne, Patr. lat. CXLllI. Sp. 550 ff. wo ein „Libellus de conflictu viliorum atque virtutum" Leonis IX. Papae zwar mitgeteilt, Sp. 21 die Werke Hermanns auf­gezählt. aber das Contemptus-mundi-Gedicht nicht veröf­fentlicht wurde I

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