KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)
I. Die „Contemptus-Mundi"-Literatur
113 t. Heu, quam vana vanitas, Quam fallax inanitas, Quidquid est in mundo ; Si quid habet placidum, Totum reddit acidum, Quidquid est in fundo. 2. Lacrimando nascimur, Laborando pascimur, Respiramus raro ; Trituratur variis, Proh dolor injuriis Moritura caro. In den Strophen 3—26 werden dann alle Beschwerlichkeiten aufgezählt, welche der Mensch auf Erden erleiden muss. Einmal beschenkt die Welt den Menschen mit Freuden, so nimmt sie diese wieder gleich weg und gibt dafür ebensoviel oder noch mehr Leiden. Der Dichter beweint den Tod der Seinigen und dass er soeben eine Krankheit überstehen muss. Tröstet sich aber gleich mit dem Gedanken, dass andere Menschen wieder vom Zorn oder von der Unkeuschheit vielleicht noch mehr geplagt werden. Das ist die gewöhnliche Einrichtung des irdischen Lebens : Indem der Tugendhafte verhöhnt wird, übt der Reiche Unrecht und der Bauer trachtet nach Gewinn. Der Mensch weiss es nicht, wenn er ein Haus zu bauen beginnt, ob er es fertig bringen kann. Nach dieser Betrachtung der Stände und ihrer Fehler folgt nun die Beschreibung des I ebensrades. Besonders in der Strophe 31 werden die Ideen der Vadomorigedichte mit stärkeren Farben unterstrichen. In der 33-sten Strophe spricht der Dichter ausdrücklich über das „Lebensrad". 27. Illud genus hominum Nullum timet dominum Neque timet mori, Sed, heu, modo oritur Homo, modo morilur. Comparandus flori. 28. Clarus nunc dominio Cras in sterquilinio Forte reponelur, Quidquid nunc hnbuerit, Postquam mors adfuerit, Totum auferetur. 29. Heu, quid sunt divitiae Horum et deliciae. Quae praeterierunt, Quas in his miseriis Tods desideriis Male ambierunt. 30. Certe, qui suavius Hic vixerunt, gravius Sentient infernum, Ubi Stridor dentium, Ululatus flentium Erit in aeternum. Sogar dem Vadomori steht das Gedicht sehr nahe : 31. Heu, cur miser glorior, Vioo nunc, eras morior Cuncta relicturus ; Nihil hic melodiae, Nam, qui rex est hodie. Cras est moriturus. Und dann folgt das aus dem Zeitrad entwickelte Lebensrad : 32. Vere nil hic stabile, Immo totum labile. Totum fugitivum, Cuncta sunt horaria. Non aeternis paria. Nihil est mansurum. 33. Isle nunc est dominus, Uli nihilominus Vix est unus nummus, Sed cum rota uolvitur. Prior status solvitur Et Fit imus summus. Das Gedicht endigt mit der 38. Str.: Saeculum despicias, Esto memor mei." Knapp vor dem schon besprochenen Text über die Zahlenverhältnisse der Planete* bei Pythagoras in der Handschrift der „Cambridger Lieder", auf fol. 436v —437 des Kodex Gg. 5. 35. Perg. 1552 in Cambridge 1 befindet sich ein Contemptus-mundi-Gedicht aus dem IX —X. Jh., welches Ph. Jaffé in seiner schon erwähnten Abhandlung unter Nr. XXIII. mitgeteilt hatte. Der Titel des Gedichtes, „Admonitio" , beweist, dass es sich um eine Todesbetrachtung handelt, welche in einer leicht singbaren Liedform und mit einem der hl. Schrift entnommenen Refrain in 23 Strophen eine Reihe von Nichtigkeiten so behandelt, dass die Achrostichen der Strophenanfänge das volle Alphabet ergeben. 2 Ich teile hier den Text mit, da ich in ihm ein ernstes Gegenstück zur ironisch und frivol gemeinten „Generalbeichte" des „Archipoeta" , eines Zeitgenossen des Dichters der „Cambridger Lieder", sehe, der nach der Art der fahrenden Schüler oder Geistlichen aus der geistlichen Ermahung zugleich auch eine Art „Ständegedicht" machte, und im „Jüngling", den er auf seine Feder nimmt und artig bekrittelt, ein Mitglied des vornehmen Standes sah. 1. Audax es vir iuvenis, dum fervet caro mobilis ; audacter agis, perperam tua membra coinquinas. Refrain : Adtende homo, quia pulvis Es et in pulverem reverteris. (Gen. 3ia). 2. Breve est tempus, iuvenis, considero, quod morieris venietque dies ultimus et perdes flores optimos. Adtende... etc. 3. Carni tue consentiens (fehlt) animam tuam deeipis, libidine dum flecteris. Adtende . . . etc. 4. Dentes lui frendidant, labia tua exasperant, lingua mala general, vita tua trepidat. Adtende . . . etc. 5. Elevas tuos oculos, ut vanitatem videas ; fleclitur mens misera ad malum erigis membra. Adtende... etc. 1 Veröffentlicht von Philipp Joffe auf S. 485—487 im 2. Bd. der Zeilschr. für deut. Altertum. Berk 1869. 2 Vgl. die Hschr. in der Kölner Dombibl. cod. CIV. Darmst. 2104. membr. fol. IX-X. Jh. fol. 17-17 v.: Versus de contemptu mundi ; Anfang: , Audax es vir iuvenis . . ." Mone, Lateinische Hymnen. I, S. 395.