KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE II. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 5. (Budapest, 1944)

Zweiter Abschnitt: Romanische Weltanschauungs-elemente im Totentanz

- 102 — nach der Beschreibung seiner von der Nonne Elsbeth Sta­gel geschriebenen Biographie, — vorne sein Skapulier zu­rück, entblösste seine Brust, nahm einen Griffel in die Hand und stach damit in das Fleisch über sein Herz den Namen JHS. „Von den scharfen Stichen floss das Blut rasch aus dem Fleische und rann über den Leib herab. Das war ihm wegen der feurigen Minne so minniglich anzusehen, dass er der Schmerzen kaum achtete". So „minnewund" ging er dann zum Kruzifix, kniete nieder und betete. Als er später von der Wunde genas, blieb der Name JHS doch gleichmässig auf seinem Herzen stehen und wenn sich seine Brust bewegte, bewegten sich auch die Buchstaben..." Was ist dies, wenn nicht noch immer jener altgermanische Glaube an die Zauberkraft der Schrift, welche dem Besit­zer der Buchstaben-Zauberrunen auch jene mystischen Kräfte vermittelt, welche sie andeutet, und mit der Gottheit chen Sommers" zieren zu dürfen. Sechsmal fiel er auf seine Knie, — es sind die „sechs Stufen der mystischen Seelenentwicklung" , über welche schon der grosse Fran­ziskaner, der hl. Bonaventura, schrieb. Die erste Stufe, aus welcher diese Entwicklung ausgeht, ist freilich der „Win­ter", der „Seelenwinter", und nun begrüsst Seuse den „geistlichen Mai", indem er beim ersten Kniefall diesem „himmlischen Maie der ewigen Weisheit, auf dem da ge­wachsen ist die Frucht der ewigen Seligkeit", ein herzli­ches Minnen anbietet, — vor allem für alle roten Rosen. Beim zweiten Kniefall schenkt er seinem Mai für alle Veilchen ein demütiges Neigen, zu dritt für alle zarten Li­lien ein lauters Umfangen. Beim vierten Kniefall bietet er dem Mai für alle schön gefärbte und glänzende Blumen, die je Heide oder Anger, Wald oder Auen, Bäume oder Wiesen in der Welt hervorgebracht haben, oder die je % x ÄÄKn w*. - -^La '4 maTv v™ Fi^Nfi if "»P'^ / rcwr mio f« j M L T VÓ f ,/}i< Crmie fmt , ' I* mw connuxKi -»c , tv t'v irtfi Cmrv-ixv' V, tvm Vo­JjKitV ««wCiíich. «tisp hat ftH.v» t «t\yi ys^ei/ Í— mt tth xvüvr na»t«7i »v« M tt> tVremViittVi 1 Abb. 29. Ausgang und Rückkehr zu Gott, — eine Darstellung in einer Seuse-Handschrift des XIV. Jahrhunderts in Berlin. vereinigt, weil sie die Gottheit am richtigen, zauberwirken­den Namen nennt ? Freilich erscheint hier dieser germa­nische Zug in einer höheren Region des mystischen Christus­erlebnisses, — aber ein Mann romanischer Weltanschau­ung wäre dazu unfähig 1 — Und wie „beging Seuse den Maien" ? Auch dieses „mystische Rituell", welches uns in seiner Lebensgeschichte ebenfalls mitgeteilt wird, weist auf eine urgermanische Grundlage hin. In der Nacht, in der der Mai anfing, begann er sich einen „geistlichen Mai" zu setzen. Der „schönste Maibaum" war für ihn das Kreuz­holz selbst, und draussen im Freien fiel er sechsmal vor seinem „Maibaum" nieder, und mit einem jeden Kniefall verband er eine Betrachtung und den Wunsch, seinen „geistlichen Mai" mit den schönsten Zierden des „geistli­wurden oder je werden, aus ganzem Herzen ein geistliches Küssen. Für aller wohlgemuten Vöglein Gesang bietet sein Herz dem Mai beim fünften Kniefall ein unaufhörliches Lob. Und zum letztenmal, — es ist der sechste Kniefall, aber zugleich die „siebente Stufe" seiner geistlichen Mai­wonne — spricht er so : „Für alle Zier, in der je ein Mai in der Zeit ward geziert, erhebt dich mein Herz heut mit einem geistlichen Singen, und ich bitte dich, dass du, ge­segneter Mai, mir helfest, dass ich dich in dieser kurzen Zeit also lobe, dass ich dich, lebendige Frucht, ewiglich geniessen mag..." 1 Seuse dachte freilich unter dieser „Maienminne" an die Liebe zum Gekreuzigten, aber die 1 Vgl. Bühler, a. a. 0. S. 232-235.

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