KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

- 53 ­I. (S. 195 ff.) Diogenes und Pollux. Diogenes gibt dem Pollux den Auftrag, — da jetzt die Reihe an ihm ist, in die Oberwelt zurückzukehren — er möge Menippus, „den Hund" (= Zyniker) im Kra­neon zu Korinth oder zu Athen im Lyceon aufsuchen und ihm mitteilen, dass, wenn er über die Philoso­phen genug gelacht hat, er in die Unterwelt kom­men soll, denn in der Oberwelt weiss man nicht be­stimmt, was aus allem wird, aber hier kann man sicher, mit vollständiger Kenntnis der Lage, über alles lachen. Wie armselig ist hier die Figur der Rei­chen, Satrapen, Könige ! Man kann sie nur noch an ihrem Geheul unterscheiden ; — Menippus soll also eine Unterweltsreise unternehmen, die an die Vision Philiberti oder andere spätere Bearbeitungen der „Höllenfahrtsliteratur" erinnert. Dabei soll aber Me­nippus — nach der Anweisung Diogenes' — ja nicht vergessen, vor dem Antritt der Unterweltstreise seine Taschen mit „Wolfsbohnen" zu füllen und wenn er auf einem Scheideweg ein Hekatemahl oder Reini­gungsei findet, so solle er es mitbringen. Mit Hilfe dieser Zaubermittel kann ihm in der Unterwelt kein Toter was antun. Der aus dem Orient übernommene Totenzauber, welcher die Lemuren von Hause fern­hielt und den von einem Toten verunreinigten Men­schen wieder reinigte, wurde in antiken religiösen Gebräuchen und den Zeremonien der „Lemuria" ebenfalls angewendet. Der erste Dialog endet mit der Beschreibung der drei Nichtigkeiten der Everyman­Legende, die wir noch gegebenenfalls untersuchen wollen. (Kap. II—III. s. im Abschnitt über die Every­manlegende). IV. Merkur und Charon. 1 Dieses Kapitel ist wegen der merkwürdigen Beschreibung der Gestalt jener Toten, die soeben oder kurz vor einiger Zeit gestorben sind und erst jetzt von Charon am Fluss Styx übergesetzt werden müssen, überaus wichtig. Mer­kur fordert Charon auf, ihm das Geld zu bezahlen, welches er für sein Werkzeug, den neuen Anker, für Ruderriemen, Nadel, Nägel, Wachs usw. ausgab. Er wundert sich, dass Charon wegen Geldmangel seine Schulden nicht bezahlen kann. Charon ent­schuldigt sich damit, dass jetzt auf der Erde weder eine Pest, noch ein Krieg wütet und so wenig Tote zu ihm kämen, dass er fast kein Einkommen hat. Merkur äussert die Bemerkung, dass früher viel mehr mit Blut und Wunden bedeckte, in tapferem Heldenkampf gefallene Männer in die Unterwelt ka­men und heute „nur lauter blasse, hagere oder auf­gedunsene Siechlinge" sterben, die entweder von dem eigenen Eheweib oder von den Kindern vergiftet oder durch ihre Ausschweifungen und üppige Lebens­art vor der Zeit in die Unterwelt befördert werden müssen. Jene Toten also, die soeben gestorben sind, werden von Lukianos als halbverweste Leichname dargestellt, so ähnlich, wie das auf der mittleren Szene des dreifachen Bildes in Cumä bemerkbar ist. (Die Kapitel V. VI. VII. VIII. IX. s. später). X. Am Ufer des Flusses der Unterwelt. Charon macht die Toten aufmerksam, dass sie alles ablegen müssen, sonst gehe seine Barke unter. Merkur, der die Toten von der Oberwelt abholt und bis zum Styx treibt, hilft jetzt allen Toten, sich ihres schwe­ren Gepäckes zu entledigen. Menippus, welcher den Rat des Diogenes befolgt hat, ist auch am Ufer des Flusses angelangt. Er hat auch bisher nichts gehabt und seinen Schnappsack, so wie seinen Stecken hat 1 Auf Grund dieses Dialoges ist als nähere Zeitbe­stimmung das Jahr 167 n. Chr. feststellbar ; vgl. Helm : a. a. 0. 194 ff. s. weiter unten. er soeben ins Wasser geworfen. Er darf den Ehren­sitz am Schiffe einnehmen. Charmoleos von Megarae, der so viel Liebhaber hatte, muss seine Schönheit, die Haare, die Rosen auf den Wangen, alle Küsse, die er jemals gab und bekam, beiseite legen. Lam­pichus, der Tyrann von Gela kommt schwer bela­den einher. Er muss sein Oberkleid und Dia­dem, seine Aufgeblasenheit, Grausamkeit ablegen. Merkur bemerkt scheltend alle Laster. Der dicke Demasias, der Athlet, muss seine Siegeskronen, sowie all sein fettes Fleisch am Ufer lassen und muss bis an die Knochen ausgezogen in den Kahn Cha­rons eintreten. Der reiche Krato muss die prachtvol­len Leichenlücher, den Stammbaum, seinen Adel, die Titel verlieren. Der stark bewaffnete Soldat muss die Waffen und die Siegeszeichen ablegen. Endlich kommt ein Philosoph stolz und eingebildet daher, wird aber von Menippus schon von weitem geschol­ten. Dieser „Marktschreier" muss seinen grossen Mantel ausziehen, damit jeder seine Sünden durch­schauen kann. Da kommt seine Aufschneiderei, Un­wissenheit, Streitsucht, die Menge von Grillen, seine unnützen Spekulationen zum Vorschein. Er muss sich auch seines Goldes und seiner lügnerischen Spitz­findigkeit entladen. Als aber der Philosoph aller Klei­dung beraubt, ganz nackt und besitzlos in den Na­chen steigen will, wird er noch von Menippus sau­ber hergerichtet. Dieser ewig grinsende Zyniker macht Merkur aufmerksam, den Philosophen auch des mächtigen Bartes und der stolzen Äugenbrauen zu berauben und den Bart mit einer Hacke abzuhauen, da diese Zierde des stolzen Philosophen, auf die er so eingebildet ist, nach seiner Dichte geurteilt, so viel wiegt, dass der Kahn sofort untergehen muss. Auf die Aufforderung Merkurs wird der Bart von Menippus abgesägt, da er keine Hacke zur Hand hat. Er schneidet dem Philosophen auch die auf­gesträubten Augenbrauen. Der Philosoph weint und Menippus zwingt ihn, auch seine Schmarotzerei, den ungeheuren Schwall unnützer Worte, die Antithesen, die Barbarismen da zu lassen und erklärt, dass der Philosoph nicht deswegen weint, weil er gehofft habe, dass die Seele unsterblich sei und dass die Unter­welt die Toten viel freundlicher empfangen werde, sondern er plärrt nur deswegen, weil er von jetzt an nicht mehr an den Tafeln der Reichen schmausen und in seiner Kapuze verhüllt, von niemand er­kannt die Nacht durch in den „H . . . . winkeln" der Stadt die Runde tun darf, um des Morgens seinen Hörern über Tugend vorzulesen. Die Überfahrt der Toten am Styx im Rahmen primitiver Standes­reihe ist eine originelle Idee Lucians. Die auch von den eleusischen Mysten gespielten Qualen des Tartarus beginnen damit, dass die Toten alles verlas­sen müssen, was ihnen während des irdischen Le­bens an ihr Herz gewachsen war. Im folgenden Text­teil sehen die im Kahn Fahrenden in einer Vision ihre auf der Oberwelt gelassenen Leichname, die man soeben zu begraben im Begriff ist. Im IV. Dialog wurden die an das Ufer des Styx ankommenden Seelen als verschrumpfte Leichname dargestellt und hier müssen sie sich, bevor sie in den Kahn Charons stei­gen, sogar das Fleisch von den Knochen abtrennen lassen, wie der Athlet Demasias; die vollständige Ver­wesung tritt ein und der Philosoph muss seine Augen­brauen und seinen Bart und der schöne Charmo­leus seine rosigen Wangen vernichtet sehen. In der Unterwelt sind — wie das auch die späteren Dia­loge beweisen — alle Seelen Skelette (wie die Larva des Trimalchio) und dabei verflossene, geisterhafte und unkörperliche Wesen (wie auf dem dritten Bilde

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