KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

Jüngling empor, sitzt am Höhenpunkt des Ra­des als erwachsener Mann und fällt rechts als ein Greis in die Hände des neben dem Leich­nam-Symbol der Vergänglichkeit als ein Teufel personifizierten Todes, der ihn mit einer Sense tötet. Die mittelalterliche Kunst übernahm diese Teufelsgestalt des Todes, — deren bildliche Darstellung im Orient wesentlich von der heu­tigen abweicht 1 — bildete aber aus dem „Leich­nam-Symbol" des Todes unter dem Einfluss der Apokalypsen und der História fabri lignarii eine dem orientalischen Teufelstod ähnlich han­delnde Person. Die Bedeutung des einfachen und dreifa­chen Gisant-Typs liegt in seinem symbolischen Wert, in derAnnäherung zum Lebensrad, durch welches die äusserliche Form der mittelalterlichen Todesgestalt bestimmt wird. Dabei ist es durch die oben erwähnten Darstellungen naheliegend, dass sich die mittelalterliche Legende von den drei Lebenden und drei Toten aus der dreifachen Gisant-Typ-Darstellung des Lebensrades durch die Vereinigung mit einer orientalischen Erzäh­lung (N'omän) entwickelt hat. In der St. Marghe­rita-Höhle bei Melfi, 2 auf einem Bilde der Ab­tei Wymondham, 3 in Hurstbourne, 4 im Psaul­tier de la reine Bonne, 0 werden auf den Bil­dern der Legende von den drei Lebenden und drei Toten die als Jüngling, Mann und Greis charakterisierten drei Lebenden drei Toten gegen­übergestellt, welche in drei Verwesungsstadien gezeichnet sind. Der Tote des bisher besprochenen einfa­chen und dreifachen Gisant-Typs ist als ein ein­zelner Leichnam schon infolge seiner leblosen Natur, dabei aber auch als ein, jeder Realität entkleidetes, lebloses Symbol, stumm. Dies ist aus rein logischen Gründen leicht denkbar. Der Gisant-Typ-Tote des Orients ist ebenfalls stumm, was auch aus dem Inhalt und aus der Illu­stration einer Buddha-Legende 6 ersichtlich ist. Eine Hetäre erscheint vor andächtig betenden Menschen und entblösst sich, um sie zur sinn­lichen Freude zu verlocken. Alle Betenden wen­den sich ihr zu und vergessen ihre Pflicht. Buddha aber will sie von dieser Versuchung abschrecken und lässt die Hetäre hinter ihrem Rücken als einen verschrumpften, knochenar­tig gegliederten Leichnam erscheinen. Der schö­ne Körper des Weibes wird also zu einem Skelett. Der Körper des Mädchens und jener des Leichnams ist eigentlich identisch. Die Ähn­lichkeit mit der Darstellung der römischen Ter­rakotta-Lampe ist unverkennbar. Dort wird der­selbe Körper als ein Wickelkind, ein Mann und ein Leichnam aneinander gereiht. Der Tote der buddhistischen Legendenillustration ist also ein 1 s. Tat. 111. Fig. 7—9. 2 Xlll. Jh.; Storck : Legende von den drei Lebenden und den drei Toten. Nr. 78. 3 Xlll. Jh ?; Storck : Nr. 125 ; Norfolk. 4 Tarrant; Anf. d. XIV. Jh.; Storck Nr. 114. 5 fol. 320v —32 lr ; vor 1349. Storck: Nr. 34; 6 s. Taf. 111. Fig. 2. Gisant-Typ symbolischen Wertes. In diesem Zu­sammenhange ist die Hetäre nicht mehr irgend­ein sündhaftes Weib, und der Tote nicht mehr der Leichnahm desselben Weibes. Das Mädchen ist hier „die sündhaft sinnliche, irdische Schön­heit", der Leichnam aber „die Vergänglichkeit aller Schönheit". Der Leichnam ist hier stumm, seine blosse Erscheinung in der Vision der buddhistischen Gläubigen symbolisiert in sich schon die Lehre. Zugleich soll aber betont werden, dass die Bedeutung des einfachen Gisant-Typs nur als ein Beispiel der Vergänglichkeit allgemein menschlich ist. Die symbolische Auffassung ist menschliche Erfindung und hat im Wesen der Sache nur einen willkürlich gewählten Anhalts­punkt. Dies lässt also vermuten, dass jene Totendarstellungen, welche den Leichnam nur als ein Beispiel der Vergänglichkeit betrachten, auch ohne einen Einfluss irgendeiner Tradition, früher entstehen konnten, als die symbolische Form. Von der Priorität des Gisant-Typs als eines „Beispiels" kann uns aber auch ein Um­stand überzeugen, der ihn in den meisten Fäl­len begleitet. Es ist der begleitende Text, den die Grabschriften in den Mund des betreffen­den Toten geben : „Was du bist, das war ich ; Was ich bin, das wirst du sein" ; oder „Was ihr seid, das war ich ; Was ich bin, das wer­det ihr sein" ; auch „Was ihr seid, das waren wir ; Was wir sind, das werdet ihr". Dieser Text wird im Alten Testament — also in weit­bekannten Schriften des vorchristlichen Altertums — zu einer Zeit zitiert, als er noch bei euro­päischen Völkern beispiellos war. Erst nach Jahrhunderten erscheint der Text in Rom, zu einer Zeit, wo Italien von griechischen und orientalischen Gelehrten, sowie auch von Rö­mern, die im Orient gelernt haben, überströmt war. Jene Darstellungen also, deren Bedeutung mit dem Sinn dieses Textes übereinstimmt, sind orientalischer Herkunft. Das erstemal wird der erwähnte Text zitiert im Buche Ecclus Jes. Sir. 38. 16. 21—24. „16. Mein Sohn, über einen To­ten vergiesse Tränen und beklage ihn, wie ei­ner, dem grosses Leid widerfahren ist. Verhülle seinen Leib ..... und versäume sein Begräbnis nicht. . . 21. Überlass dein Herz nicht der Be­trübnis, sondern treibe sie von dir, und geden­ke des Endes. 22. Vergiss es nicht, denn von dort gibt es keine Wiederkehr ; jenem nützest du nicht, dir selbst aber schadest du. (Und nun spricht der Tote , der im Grabe liegt ; seine Wor­te werden hier schon als allbekannt zitiert.) 23. „Gedenke an das Urteil über mich : denn ebenso wird das deinige sein ; gestern mir und heute dir!" 24. Wenn der Tote ruht, lass auch sein Andenken ruhen, und tröste dich über ihn, wenn sein Geist ihn verlässt (s. auch 2. Kön. 12. 2l), Das Wesen dieses Textes, welcher also nicht ohne Grund der Kern jeder einfachen, als „Beispiel" aufgefassten Gisant-Typ-Darstellung ist, befindet sich in der ernsten Mahnung,

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