KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ERSTER TEIL. Einführung in den Stand der neuesten Forschungsergeb nisse

logisierenden Todes doch festeilen. Nicht zuletzt waren es die nach Ungarn eingewanderten Deutschen, die aus ihrer alten Heimat eine le­bendige Tradition mitbringend zur Erbauung der Gemeinde deutsche Volksschauspiele zur Auf­führung brachten, in denen der Tod sprechend auftritt, den „Edelmann" in der Begleitung eines Engels und eines Teufels überrascht. Von den Deutschen auf diese Weise bis in die Gegen­wart wachgehalten, mussten diese Motive auf dem Wege der Gegenbeziehungen der unga­rischen und deutschen Volksdichtung auch in ungarischen Literaturwerken zu ihrer Geltung gelangen. Das höchst wertvolle Material, welches das ungarische Nationalmuseum als ein Ergeb­nis der überaus bedeutsamen Sammelarbeit von Josef Ernyei unlängst veröffentlichte 1 gibt uns Aufschluss über die Art der in Ober­ungarn gebräuchlichen deutschen Volksschau­spiele. Das unter IX. (S. 171 —180) mitgeteilte Herodes-Spiel vereinigt die Reminiszenzen der mittelalterlichen Mysterienspiele mit der Every­man-Szene. Das Spiel beginnt mit der Verkün­dung der Geburt Christi den Hirten. Nach dem Besuch der drei morgenländischen Könige lässt Heródes alle Neugebornen von Bethlehem töten. Nach dieser Greueltat wird er aber von Gewis­sensbissen geplagt. Umsonst schliesst er sich in seine innersten Gemächer ein, der Tod fin­det ihn auch hier. Der Inhalt seines Gespräches mit dem Tod entspricht restlos dem Gedanken­gang der Everyman-Dramen des XVI —XVII. Jahrhunderts. Als Schergen des Todes er­scheinen auch zwei Teufel mit einer geschrie­benen Sündenliste des Königs. Aber auch ein Engel tritt auf, dessen Amt ist, die Seele des Königs vor den Richterstuhl Gottes zu tragen. Nicht nur der Umstand, dass sich Heródes zu bekehren scheint, — obwohl er in den mittelal­terlichen Mysterienspielen Jn die Hölle fährt — sondern auch wörtliche Übereinstimmung ein­zelner Textteile erlauben uns festzustellen, dass in den Todes-Szenen des Herodes-Spieles Re­ste der Gesamtlegende stecken. Unter Nr. XIII. und XIV. veröffentlicht Ernyei zwei Bruchstücke, in denen ein Edelmann vor der Klause eines Eremiten von Engeln und vom Eremiten selbst zur Bekehrung ermahnt wird. Vom weltlichen Sinn will er aber nur lassen, als der Tod ihm erscheint und Engel und Teufel um seine Seele kämpfen (S. 221-226, 229-232). Derartige deutsche Spiele würden sich nach einer Fortsetzung der Sammelarbeit auch unter den Deutschen von Siebenbürgen oder in West­ungarn ebenfalls finden. Trotzdem sie aber Ge­meingut des ungarländischen deutschen Volkes sind, können wir ihnen in Bezug auf die unga­rische Literatur keine besondere Bedeutung bei­messen. Nur der Vollständigkeit willen soll er­1 Német népi színjátékok, Deutsche Volksschauspiele aus den oberungarischen Bergstädten. Gesammelt und zu­sammen mit Dr. Geiza Kurzweil bearbeitet von Josef Er­nyei. I. Bd. Budapest, 1932. wähnt werden, dass wir u. a. auch in dem sog. „Königslied" aus Siebenbürgen 2 und in dem ebenfalls deutschen Sprüchlein des handschrift­lichen Gebetbuches Cod. germ. 33 der Bibl. des Budapester Nationalmuseums (zwischen fol. 40-41 ; illustriert vgl. Taf. VII. Fig. 3.) Spuren der deutschen Tradition erkennen dürfen. Be­sonders das „Königslied", in dem ein Engel nach dem Schluss des Todes-Dialoges und nachdem der König vom Tod getötet wurde, den Toten mit der Hilfe eines weissen Stabes wieder ins Leben ruft, steht schon dem „Rangstreit des Sommers und Winters" näherund ist sicher ein Gelegenheitsgedicht, dessen man sich beim „Todaustragen", bei dieser kerndeutschen Volks­feierlichkeit bediente. Aber selbst den katholischen und prote­stantischen Erbauungsbüchern, deren grosse Zahl im XVII —XVIII. Jahrhundert in Ungarn verbrei­tet gewesen, war der Inhalt des Everyman-Dia­loges nicht unbekannt. Schon das „Trostbüch­lein" von G. Heltai, 3 sowie sein deutsches Mu­ster 4 behält aus dem dramatischen Dialog nur den lehrhaften Inhalt und die poetische Form wird vernachlässigt. Teile, welche dem Toten­tanz entlehnt wurden, werden mit Klängen der uralten „Contemptus mundi"-Literatur vermengt. 5 Während hier der Todes-Dialog und die Erinne­rung an den Ursprung dieser Motive völlig erlosch, taucht der Inhalt des alten Everyman-Dialoges in einem Volksspiel des XVIII. Jahrhunderts wieder auf. 6 Mit köstlichem Humor gibt der Verfasser im Rahmen des Trauerliedes, wel­ches der Dorfkantor am Sarge einer zänkischen und klatschsüchtigen Frau singt, die drolligsten Todesmotive in den Mund der Toten Jene Züge der Everyman-Dialoge, welche so durch den Kitt ungarisch-volkstümlicher Kombinationskraft miteinander in neue Beziehungen traten, in­spirierten die neueren und neuesten ungarischen Dichter sicher mehr, als die Rangstreit-Dialoge des europäischen Romantizismus, bzw. des Symbolismus. Deswegen ist der Rangstreit des Lebens und des Todes im „Bolond Istók" von Arany János 7 so gänzlich abstechend von je­dem auslädischen Muster und so grundverschie­den von jeder deutschen Vorstellung. An der 2 Aus Siebenbürgens Vorzeit und Gegenwart Her­mannstadt 1857, S. 74—80. Festschrift der Hermannstädter Oberrealschule zur Fünfzigjahrfeier, hg. Hermannstadt 1915. S. 127—258. Anthologie siebenbürgisch-deutscher Dichtun­gen von Dr. Rieh. Csáki. Das Spiel vom König und vom Tod. a Vigasztaló könyvetske. 1553; G. Helth : Trostbüch­lein mit christlicher Unterrichtung, wie sich ein Mensch bereiten soll zu seinem seligen Sterben. Gesammelt und zusammengesetzt aus christlichen Prediger Schriften. Klau­senburg 1551, 8°; Szilády Áron; R.M.K.T. Bd. VI. S. 109. 4 Ein new Trost Büchlein für die Krancken, Und vom Christlichen Ritter : Durch M. Joh. Spangenberg. 1549. Wittenberg ; Bl. A 1V-A VI. 5 vgl. „Ubi Porphyrius ? etc. . . aus dem angeblich vom hl. Bernhardus stammenden Gedichte : „Cur mundus militat"; s. in der Rambach-Anthologie, I. S. 354. 6 Dr. Váli Béla. Figyelő. XVI. Budapest 1884, S. 175—189.: „Magyar népszínmű a XV111. századból." 7 1850; Riedl Frigyes : Arany János munkái. V. Magy. Remekírók Bd. 45. Budapest, 1907, S. 29,

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