KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes
ke bin. Amen. Gewaschen (Getauft) werden will ich und waschen (taufen) will ich. Amen. Die Gnade tanzt den Reigen : Flöten will ich, tanzet alle. Amen. Klagen will ich, jammert alle ! Amen. Die einzige Achtzahl lobsingt mit uns. Amen* [Ogdoas,die eine,sie rührt uns die Seiten. AmenJ Die Zwölfzahl tanzt oben den Reigen. Amen[Die Zwölfzahl führt den Reigen an. Amen.] (Übersetzung von Fendt). Dem All wird zuteil, oben zu tanzen. Amen. Wer nicht tanzt, erkennt nicht, was geschieht. Amen. Fliehen will ich und bleiben will ich. Amen. Schmücken will ich, und geschmückt werden will ich. Amen. Geeint werden will ich, und einen will ich. Amen. Ein Haus habe ich nicht, und Häuser habe ich. Amen. Eine Stätte habe ich nicht, und Stätten habe ich. Amen. Einen Tempel habe ich nicht, und Tempel habe ich. Amen. Eine Leuchte bin ich dir, der mich sieht. Amen. Ein Spiegel bin ich dir, der mich erkennt. Amen. 1 Eine Tür bin ich dir, der an mich klopft. AmenEin Weg bin ich dir, dem Wanderer. Wenn du aber meinem Reigen Folge leistest, sieh dich in mir, dem Redenden und wenn du siehst, was ich treibe, so verschweige meine Mysterien! Wenn du tanzest, bedenke, was ich tue, dass es dein (Leid) ist, dies Menschenleid (= der „Tod"), welches ich leiden will 1" usw. weitere Belehrungen über das Wesen Christi und über den Tod des Logos, der „alles getäuscht hat (?) und selbst nie getäuscht worden ist (?)". Die nach dem Hymnus folgende Ansprache Christi an die Jünger endet mit einer nochmaligen Anspielung auf den Tanz : „Ich hüpfte, du aber bedenke das Ganze, und wenn du es bedacht hast, sprich : Preis dir, Vater ! Amen . .. Nach diesem Reigen, Geliebte, ging der Herr mit uns hinaus ..." Der Tod Christi ist also ein Zaubertanz, in dem sich das Geheimnis seines Wesens geoffenbart hat. Diesen ruhig „umgehenden" Tanz der Apostel muss jeder Christ nachahmen. Deswegen ist auch der Todes- und Toten-Tanz ein Zaubertanz, in dem sich der Triumph des Todes und des ewigen Lebens gleichzeitig offenbart. In diesem Zaubertanz Christi ist das Motiv des Todes-Tanzes enthalten, den jeder Mensch vor seinem Tod nachahmen soll. Auch der Triumph Christi über Teufel und Tod äussert sich. Endlich fehlt diesem Zaubertanz Christi vor seinem Tod auch das Lockungsmotiv nicht. Nicht nur seine Apostel lockt er, sondern die ganze Menschheit, an diesem Todes-Tanz teilzunehmen. Während die Gestalt des orientalischen Teufels-Todes in der História Josephi Fabri lignarii ohne Tanzmotiv auftrat, wurde das Motiv des Zauberreigens in den Johannesakten auf Christus übertragen. Der Tanz des Todes im mittelalterlichen Sinne konnte also nur so ent1 Der „Tod", ein „Spiegel". stehen, wenn die beiden Szenen, die „Ars-moriendi"-Szene der História Josephi und die Zaubertanz-Szene der Johannesakten in eine Legende verflochten wurden. Auch dies geschah in der bekannten und schon mitgeteilten Migne-Legende, wo zwar der Tod in die Gestalt des Engels und Teufels zerfällt, wo aber die Engel die Seele des sterbenden Guten mit Gesang und Tanz in die Uberwelt locken. Neben Engel und Teufel tritt in dieser Migne-Legende wahrscheinlich auch der Tod auf, denn am Sterbebette des Sünders erscheinen zwei schwarze Ritter, die im Vergleich mit den apokalyptischen Reitern und mit dem nebeneinander auftretenden Tod und Teufel des Triumphes Christi in der Höllenfahrt unbedingt den Teufel und Tod personifizieren sollen. In den Passionsspielen und Mysterienspielen des Mittelalters hat der Teufel das Motiv des Gesanges und Tanzes von den Engeln übernommen ; um so sicherer musste dieses Motiv auf den Tod übertragen werden, der doch auch ein Teufel, ein Todes-Teufel ist. Im „Leben-Jesu", in dem bekannten Mysteriumdrama 2 aus St. Gallen 3 hat der Autor die ziemlich sinnliche und weltlich gestimmte Szene der Maria Magdalena weggelassen, obwohl sie ein wesentlicher Bestandteil aller Passions- und Mysterienspiele ist. In einem Mysteriendrama des XIII. Jahrhunderts 4 wird Maria Magdalena durch den Spiegel des Teufels verführt — wie in der Augsburg-Münchener und Trier-Homburger Legendenform „die Schönheit" (s. das Motiv des Spiegels auch am Trienter Legendenbild und im Todes-Toten-Tanz). Im Alsfelder Passionsspiel 6 erscheint Maria Magdalena „in habitu superbo... cum Lucifero et aliis demonibus corisans." Erst hält ihr Lucifer einen Spiegel vor, später Natyr und beide loben ihre Schönheit (s. die Augsburg-Münchner Legendenform). Es tritt auch der Geliebte Magdalenas, der „miles Herodis" auf, mit dem sie auf die Musik und den Gesang der Teufel zu tanzen beginnt. 6 Wenn der Teufel auf dem Legendenbild von den drei Lebenden und drei Toten zu Briey (XVI. Jahrhundert) einen Toten vertreten kann (er hält eine Sense in der Hand und trägt eine Krone am Haupt, wie der „König-Tod"), so ist es noch leichter möglich, dass der Teufelstod die Rolle des tanzenden und die Seele des Sünders durch einen Zauberreigen in die Unterwelt lockenden Teufels spielt. Auf jenem bekannten Grabdenkmal des Halberstädter Doms 7 triumphiert der Tod über Adam und Eva und der Teufel musiziert. Im Teufels-Tod ist der triumphierende und mu2 Bibl. St. Gallen Nr. 919. 3 Mone : Schauspiele des Mittelalters. S. 51. 4 Hoffmann : Fundgrube ... 2, 245. 5 Kürschner: XIV. 2. 562 ff. 1770-1937 Vs. 6 Vs. 2155 ff. erscheint der Tod und tötet Lazar ; die Auferweckung des Lazar ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der verwandten Motive ; die Legendenform in Trient und Berlin erscheint als die Begleitung der LazarSzene. 7 Ilg : Zentralkomission : 1872. LXXXIV.