KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)

ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes

die Sonne als ein Knabe, der Mond, welcher von Zeit zu Zeit verschwindet — als würde er geraubt werden — als ein Weib dargestellt werden könne, muss man doch zugeben, dass die Verbindung des Lichtes mit dem Bilde der Jugendunddie desMondes mitdem aufgezehrten, beendeten Leben poetisch nicht ganz unbegrün­det ist. Für uns wird es noch von besonderer Bedeutung sein, dass die antike Todesgöttin Persephone-Proserpina eine Inkarnation im Bilde des Mondes erlebt hat. Wenn nämlich Proserpina, die Unterwelts­göttin, durch die Vermittlung der Jahreszeiten und durch das Bild des Mondes mit dem Zeit-, bzw. Lebensrad in Verbindung stand, so kann ja ihre Darstellungsweise auch von dem Begriffe der Skelettgestalt des Todes nicht mehr weit stehen, da doch diese sich geradewegs aus dem Lebensrade entwickelt hat. Hat die bei Kastner Fig. 9 veröffentlichte Darstellung Beziehungen zum Gnostizismus, so können die Darlegungen des Hippolytus von Rom (geb. gegen 160 und gestorben gegen 235 während der Christenverfolgung unter Maximin dem Thraker, der ihn nach Sardinien in die Ver­bannung schickte) in seiner „Widerlegung aller Häresien" 1 von den Lehren der gnostischen Sekte der Naassener für die Möglichkeit der Skelettgestalt Merkurs von sehr grossem Interes­se sein. Denn, wenn es sich herausstellen würde, dass nach einer üblichen Anschauung der er­sten christlichen Jahrhunderte der Begriff des Götterboten Hermes-Merkur mit dem Lebensrad identisch war, so ist auch seine Skelettgestalt kein Absurdum mehr, da sich ja die diesbezüg­liche Meinung der Naassener an der Hand der klassischen Mythen-Vorstellungen herauskristal­lisiert hat. Im 7. Kapitel des V. Buches seines Wer­kes schildert Hippolyt jene Anschauungen der Naassener, welche durch eine Vermengung der griechischen Motive mit ägyptischen Kulteigen­heiten entstanden. 2 Aus den Erörterungen des Hippolyt erhellt, dass die Gestalten des Osiris und Hermes einander entsprechen. Die Interpreta­tionen, welche die Gnostiker (Naassener) an griechische und ägyptische Motive und Zitate knüpfen, beweisen, dass Hermes, der antike Seelenführer, den Begriff des Lebensrades tat­sächlich deckt und durch seine Vermittlung auch die Gestalt Adams mit dem Lebensrad identisch wurde. In ägyptischen Tempeln steht Osiris vor der Isis und seine nach oben gerich­tete Scham ist unbedeckt und mit allen wer­denden Früchten bekränzt. Ganz ähnlich schil­dert man auch Hermes, der zugleich „Erklärer und Schöpfer" des Werdeganges ist, der sich am Zeitrad, bzw. Lebensrad im Kreislauf ab­1 Philosophumena ; Migne Patr. gr. 10, Paris 1857 ; Bibl. d. Kirchenväter Bd. 40,' übers, v. Gr. Konrad Prey­sing. München 1922. Kösel. Nur die Bücher I und IV—X erhalten. 2 Bibl. d. Kv. Bd. 40, S. 94 11. spielt. Oder wie es Hippolyt wörtlich sagt : „Den Kylienischen (Hermes) aber, den sie (die Naassener) besonders verehren (nennen sie) Lo­gios. Denn Hermes ist der Logos, der als Er­klärer und Schöpfer des Gewordenen, Werden­den und Künftigen bei ihnen in Ehren steht. Er wird unter folgendem Bilde dargestellt : Die Scham eines Menschen, die von unten nach oben gerichtet ist". Dass bei den Griechen „die Hermessäulen" in Ehren gehalten werden, das ist daher nach Hippolyt ein Geheimnis, wel­ches die Griechen von den Ägyptern gelernt ha­ben. Weiter sagt Hippolyt : „Dass gerade die­ser Hermes der Seelenführer, Seelengeleiter und Seelenurheber ist, ist selbst den heidnischen Dichtern nicht entgangen ; sie sagen : „Aber, der Gott der Kyllenier, nahte sich jetzo ,/ Rief den Seelen der Freier". 4 Nicht den Freiern der Penelope, ihr Unseligen, sondern (den Seelen) der vom Schlaf Erwachten und zum Bewusst­sein Gekommenen" („Freier" und „zum Bewusst­sein kommen" ist nämlich im Griechischen ho­monym). Auch Hippolyt sieht die Ursache, warum gerade Hermes zum Seelenführer wurde, darin, dass sich mit seiner Person eine Art Kreislauf verband, der sich im Leben durch den Aufstieg zum vollen Bewusstsein und im Abstieg in die Unterwelt, in Bezug auf das Schicksal der Seele aber in der Seelenwanderung kundgab. Denn im Leben kann Hermes die schlummernde Seele zum Bewusstsein erwecken und auch dem To­ten, dessen Augen er schloss, kann er wieder neues Lebens schenken. Hippolyt zitiert weiter : B „Er (Hermes) hielt in der Rechten den schönen,/ Goldenen Herrscherstab, mit dem er die Augen der Menschen/ Zuschliesst, welchen er will, und sie wieder vom Schlummer erwecket". 0 Jene Lehre der Naassener, welche damit im Zusam­menhang steht, interpretiert Hippolyt auf diese Weise : 7 „Dieser (der Stab des Hermes) ist es, der allein über Leben und Tod Gewalt hat". Er ist also nach dieser gnostischen Vorstellung zu einem Gott vorgedrungen, der das Leben spendet und es auch in der Rolle eines Todes­gottes wieder nimmt. „Von ihm (also vom Stab des Hermes) — sagt weiter Hippolyt — steht (nach den Naassenern) geschrieben : ,Du wirst sie lenken mit eiserner Rute'. 8 Der Dichter aber, der die unbegreifliche selige Natur des Logos verherrlichen wollte, gab ihm nicht eine eiserne, sondern eine goldene Rute. Er schliesst die Augen der Toten und weckt sie wiederum auf aus dem Schlafe, die vom Schlummer erwach­ten, zum Bewusstsein gekommen. Von ihnen sagt die Schrift : „Erwache, der du schläfst, und werde wach, und Christus wird dich erleuch­3 a. a. 0. S. 95. 4 Od. 24, 1 11. 5 a. a. 0. S. 95-96. 6 Od. 24, 2 ff. 1 a. a. 0. S. 96. 8 Ps. 2, 9.

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