KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE I. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 1. (Budapest, 1936)
ZWEITER TEIL. Entstehungsgeschichte der Grundmotive des Totentanzes
Darstellungen berufen : 1). In der herzoglichen Galerie zu Florenz befindet sich ein antikes, liegendes Bronze-Skelett, das mit einem Arme auf einem Aschenkruge ruht. —2). Ein völliges Ske lett bei Buonarotti Oss. sopr. ale. Vetri torn. XXXVIII. 3. veröffentlicht. — 3). Lipperts, Daktylothek, zweites Tausend, n. 998. — 4). Museo Florentino : ein völliges Skelett, dem ein Alter auf einer Flöte aufspielt. In Stein. Les Satires de Perse par Sinner S. 30. — 5). Ein metallenes Skelett im Kircherschen Museum. Ficoroni, Gemmae antiq. rarior. t. VIII. — 6). Meldung Winkelmanns in seinem Versuch der Allegorie S. 81. Zwei marmorne Urnen in Rom mit Skeletten. — 7). Sponii Miscell. Antiq. Erud. Sect. I. art. III. besonders n. 5. — 8). Gemaltes Gefäss bei Hamilton. Eine Furie. Collection of Etruscan, Grecian and Roman Antiquities from the Cabinet of the Hon. Wm. Hamilton, n. 6. Diese Bemerkung von Klotz gab Lessing die Veranlassung, eine Studie über die Frage zu schreiben. Gegenüber den von Klotz angeführten Angaben hat Lessing freilich recht, wenn er sie als lauter echte, antike Totendarstellungen bezeichnet und von einer antiken Skelettgestalt des Todes nichts wissen will. Jene Skelette entsprechen den ägyptischen Gisant-Typ-Mumien, deren Betrachtung am Ende grösserer Mahlzeiten auch in Rom verbreitete Mode war (Trimalchio). Der erste Teil der Untersuchung Lessings will das Problem der Todesdarstellung durch die Anführung solcher antiken Bildwerke lösen, auf denen sich „die alten Artisten den Tod, die Gottheit des Todes, wirklich unter einem ganz andern Bilde vorgestellt haben, als unter dem Bilde des Skeletts." Im zweiten Teil wird bewiesen, dass, „wenn die alten Artisten ein Skelett vorstellten, unter diesem Skelette etwas ganz anderes meinten, als den Tod, als die Gottheit des Todes", d. h. sie meinten einen Toten, der nach den von uns schon in den zwei vorhergehenden Abschnitten teilweise besprochenen Angaben den Tod symbolisierte. Das Ergebnis unserer Untersuchungen wird die Erkenntnis einer Identität zwischen dem Verfahren in der Darstellungsweise der „TodesGottheit", der „Jünglingsgestalt" und des „Skelett-Todes" herbeiführen. Der Tod ist nach altgriechischer Weltanschauung 1 und Mythologie der Zwillingsbruder des „Schlafes", da er ein „Todesschlaf" ist. „Thanatos", „Moros" (Schicksal, goTga lat. Mors) und „Ker" sind Kinder der „Nacht". 2 Der „Schlaf" lässt die Toten noch auf die Welt zurückkehren, aber „Thanatos" drückt sie in seiner finstern Behausung, im Hades, auf seine eherne, kalte Brust. Nachdem lphidamas dem Thanatos in die Arme gefallen ist, heisst es in der Iliade XI. 241 : ... Ttsatbv xoigrjaccro yákv.tov 1 Homer II. XIV. 231, XVI. 454, 672, 682. 2 Hesiod. Theog. 756, 764. ff. vnvov. Thanatos ist also anfangs nicht immer der tötende Gott, sondern auch der Gott des Zustandes, des Totseins. Er steht dem Schlaf sehr nahe. Im ersten Teil seiner Untersuchung bringt Lessing viele wichtige Belege für die Darstellungsform des „Thanatos" 1). Auf einer Kiste aus Zedernholz (Tempel der Juno in Elis) ruhen der Schlaf und Tod, zwei Knaben mit übereinander geschlagenen Füssen im Schoss, in der Umarmung ihrer Mutter, der Nacht. Der Schlaf ist weiss, der Tod ist schwarz. Der weisse Knabe, der Schlaf, schläft, der schwarze, der Tod, scheint nur zu schlafen. Gelegentlich der Beurteilung dieser Darstellung stellt schon Lessing den Grundsatz auf, dass auch in der antiken Kunst einzelne Motive und Gestalten eintönig, typisch dargestellt wurden, um die Erkenntlichkeit zu steigern. 2). 3 Winkelmann beschreibt 4 einen Grabstein im Palaste Albani. Auf diesem Stein wird der „Jünglingstod" dargestellt mit seinem Bruder, dem Schlaf, der sich auf eine umgekehrte Fackel stützt. Ähnliches befindet sich auch auf einer Begräbnisurne in dem Römer Collegio Clementino. 3). 5 Ein bei Bellori in seinen „Admirandis" bekannt gemachter 6 marmorner Sarg charakterisiert den Thanatos-Tod auf eine besonders interessante Weise. Ein geflügelter Jüngling steht in einer tiefsinnigen Stellung, den linken Fuss über den rechten geschlagen neben einem Leichnam. Er ruht mit seiner Rechten und mit dem Haupte auf einer umgekehrten Fackel, die er auf die Brust des Toten stützt. In seiner Rechten hält er einen Kranz mit einem Schmetterling. Lessing führt folgende Beweise an, dass diese Gestalt der Thanatos-Tod sei : In dieser Gestalt den Gott Amor zu erkennen, ist sinnlos, denn diese Flügelgestalt löscht ja die Fackel auf der Brust eines Menschen aus, während Amor im Gegenteil das Feuer der Affekte im Menschenherz anzünden sollte. Das ist eine sehr glückliche Beobachtung. Ebenso wichtig ist die Bemerkung Lessings, dass diese Jünglingsgestalt schon deswegen nur Thanatos sein kann, weil nach der antiken Mythologie die Götter den sterbenden Menschen in der Stunde des Sterbens verliessen. Dasselbe haben auch die Menschen getan, weil nach der antiken Religion ein Totenkörper die Lebewesen, die in seiner Nähe stehen, verunreinigt. Bei Euripides verlässt Diana den sterbenden Hippolytus.' Aus demselben Grunde verlässt im Drama Alkestis von Euripides Apollo das Haus des geliebten Admetus, als sich Alkestis ihrem Tode naht. 8 Selbstverständlich kann also auf den Steinbildern bei einem Totenleichnam kein anderer Gott stehen, als Thanatos, der Todesgott. Trotzdem Lessing später der Kirche, sowie dem christlichen Mittelalter den Vorwurf macht, mit der 3 Lessing : S. 280. * Über die Allegorie S. 76. 5 Lessing ebenda S. 281. 6 Taf. LXXIX. 7 Hippol. V. 1437. 8 Alk. V. 22-23.