Nagy Ildikó szerk.: Nagybánya művészete, Kiállítás a nagybányai művésztelep alapításának 100. évfordulója alkalmából (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 1996/1)

Gergely Mariann: Huszár Vilmos és Nagybánya

Vilmos Huszár und Nagybánya MARIANN GERGELY Vilmos Huszár (1884-1960) wurde in der Welt als einer der Gründungsmitglieder der um die holländische Avantgarde-Zeitschrift De Stijl entstandenen künstleri­schen Bewegung bekannt. Es gab jedoch nur wenige, die auch wußten, daß sich der aus Ungarn gekommene Maler mit dem ungewohnten Nachnamen 1906 in Holland niederließ und bis zu seinem Tode dort lebte und arbeitete. Der Anfang und der erste wichtige Abschnitt der Heranreifung zu einem Künstler waren mit den ein­heimischen Wurzeln verbunden. Nach zwei kurzen Jah­ren, die Huszár am Fach Dekorationsmalerei der Schule für Angewandte Kunst verbrachte, meldete er sich ab 1902 regelmäßig mit seinen Porträts, Stilleben und Land­schaftsbildern in den Budapester Ausstellungen. Die damalige Presse hielt ihn für ein viel versprechendes Ta­lent. Die von München ausgegangenen Versuche der künstlerischen Erneuerung, die sich von den überholten Konventionen der akademischen Malerei lossagten, hiel­ten Budapest damals schon seit Jahren in Erregung. Die Münchener Freischule von Simon Hollósy war den jun­gen Künstlern von Hörensagen bereits bekannt, und von 1896 an konnten viele von ihnen unter ihnen vermutlich auch Huszár die Sommermonate in der von Hollósy in Nagybánya gegründeten Künstlerkolonie verbringen. Aus sehen Aufzeichnungen geht hervor, daß er sich An­fang 1904 in Hollósys Münchener Freischule inskribie­ren ließ und im Sommer desselben Jahres in Nagybánya arbeitete. Nach Abschluß der Studien in der Schule für Angewandte Kunst mit konservativem, akademischem Geist, in der routinemäßig Muster nachgezeichnet wer­den mußten, brachte die liberale Atmosphäre der Hol­lósy-Schule eine ungeahnte Befreiung. Das ernste Stu­dium und die zum sinnvollen Zeichnen und zur Wahr­nehmung der Formen führenden minuziösen Kor­rekturen bedeuteten ein der künftigen Künstler würdi­ges, vertieftes Lernen. Huszár fühlte sich wegen seiner Umgebung angezogen, in der er mit irgendeiner ein­heitlichen Weltanschauung konfrontiert war. Die allge­mein bekannte suggestive Persönlichkeit und die innige Naturbetrachtung von Simon Hollósy machten auf Hu­szár einen tiefen Eindruck und bedeuteten für ihn eine erlebnishafte Entdeckung. Die von ihm in der Künst­lerschule angefertigen Studienzeichnungen und Skizzen sind leider nicht erhalten geblieben, und auch die frühen Stücke seines Lebenswerkes sind nur lückenhaft und zwar meistens von Beschreibungen oder den im hol­ländischen Nachlaß gefundenen schwarz-weißen Fotos bekannt. Sein vermutlich im Sommer 1904 gemalte Selbstporträt mit Hut entstand auf eine vom Meister erhaltene unmittelbare geistige Anregung. An der Figur des in der Verzückung des Schaffenes versunkenen jun­gen Malers ist die jugendlich naive Formulierung des romantischen Künstlerideals von Hollósy zu erkennen. In jenem Sommer entstand auch das nicht mehr nur von einem Foto bekannte Ölbild Frauen bei der Handarbeit, das in einem Privatbesitz in Budapest zum Vorschein kam. Auf dem eine vertraute Szene aus dem ländischen Leben darstellenden Bild können ebenfalls die Traditio­nen der Hollósy-Schule beobachtet werden. Auf diesem Bild, das in entscheidendem Maße an die naturalistische Betrachtungsweise angepaßt ist, zugleich jedoch auch impressionistische Lösungen aufweist, läßt sich aus der Einfluß der Nagybányaer Meister entdecken. Dem Maler waren die Interieure von István Réti mit ihrer lyrischen Stimmung oder einige Atelierszenen von Károly Fe­renczy, bei denen ähnliche kompositorische Prinzipien zu beobachten sind bestimmt bekannt. Die Studienperiode in Nagybánya wurde durch eine Reise nach Holland kurzzeitig unterbrochen. Huszár lernte noch in München die junge Künstlerin Anna Egter van Wissekerke aus Den Haag kennen, die dort studierte, und einer Einladung von ihr folgend verbrachte er ab Ende 1905 vier Monate in Den Haag. Die junge Freun­din, die in der holländischen Künstlerwelt über zahlre­iche Beziehungen verfügte, machte Huszár mit vielen interessanten Menschen bekannt, die später in seinem Leben eine wichtige Rolle spielten. Er besuchte, unter anderen, den von ihm sehr bewunderten alten Maler Josef Israels und ließ sich vermutlich auf dessen Rat, seine Heimreise unterbrechend, an die weit bekannte, jedoch konservative Akademie von Düsseldorf inskri­bieren. Da er aber nicht aufgenommen wurde, kehrte er heim und arbeitete im Sommer 1906 wieder in Nagy­bánya. Für Aufgeschlossenheit des unruhig suchenden jungen Künstlers ist es kennzeichend, daß man ihn unter den aktiven Teilnehmern der in Nagybánya nur einige Mo­nate nach seinem Mißerfolg in Düsseldorf ausgebroch­enen örtlichen „künstlerischen Revolution" findet. Wie bekannt, wurden die jungen Nagybányaer Künstler 1906 durch die neuesten Bilder des aus Paris heimgekehrten Béla Czóbel in Aufregung versetzt. Der aus der franzö­sischen Hauptstadt eingebrochene Stil der Fauves brach­te mit seinen prächtigen Farben, den die Formen umge­benden, frei strömenden Konturlinien und die legere Ab­lehnung der verknöcherten bildlichen Konventionen, radikale Änderungen mit sich und bestimmte für die einzelnen Lebenswerke eine neue Richtung. Als wäre ihm die Binde von den Augen gefallen, sah Huszár auf einmal alles anders. Vor ihm eröffneten sich neue Per­spektiven und er erkannte, daß er seinen eigenen Stil nur doch Zurücklegung des eigenen Entdeckungsweges finden kann. Seine damals entstandenen Werke scheinen von einer anderen Hand gemalt worden zu sein. Von der Unsicherheit, die für seine früheren Nagybányaer Bilder kennzeichnend war, ist keine Spur mehr vorhanden. Man steht bewußt komponierten, abgeschlossenen, rei­fen Werken gegenüber. Die harmonisch komponierten

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