Nagy Ildikó szerk.: ARANYÉRMEK, EZÜSTKOSZORÚK, Művészkultusz és műpártolás magyarországon a 19. században (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 1995/1)

TANULMÁNYOK / BEITRÄGE - KIRÁLY Erzsébet: „Laudatio artis" 19. századi képzőművészetünk dicséretének egykorú emlékei

Inschrift und die Buchstabenformen, aber sie veränderte den Textlaut. Demgemäß trägt das Fuhrwerk den Meister Lötz in den Himmel; er trat an die Stelle des von ihm dargestellten Heiligen. Nach dem Ende der Trauerrede ist ein nach oben blickender, und von dieser Vision erschütterter Hirt zu sehen (Abb. 7). Dasselbe Motiv nimmt bei Lötz innerhalb der oben erwähnten Komposition Platz. Der Hirt ist dort ein Betrachter des Fuhrwerkwunders des heldenhaften Königs, hier aber ist er der Betrachter des Künstlers. Indem er sich von der Szene lostrennte, hat dieser häufig vorkommende Beteiligte der märchenhaften Erzählungen der biblischen Geschichten und der Künstlerlegenden eine rhetorische Betonung erhalten: so wird aus ihm ein Bezeuger der Apotheose des Kunstmalers Károly Lötz. Vágó wählte die Reprise der Legende als Huldigungs­form, und mit einer geistreichen Modernisierung der Legende „weihte" er seinen Künstlergefährten zum Heiligen. Eine weitere, zu keinem Text gehörende Zeichnung des Bandes, die für sich eine ganze Seite einnimmt, wurde von Gyula Benczúr verfertigt (Abb. 8). Wir sehen hier die halbnackte, allegorische Frauengestalt der Malerei, sich auf eine Säule stützend, mit einer Palette in ihrer linken Hand. Mit ihrer hochgehaltenen rechten Hand setzt sie auf die Namensunterschrift von Károly Lötz einen Lorbeerkranz. In diesem Lobe eines Laufbahngefährten wird die von Hunderten der Meisterwerke gut bekannte Künstlersignatur, das identifizierende Handzeichen des „großen Mannes" glorifiziert. 42 Im Frauenakt beschwört der mit Károly Lötz kongeniale Benczúr auch die idealisierte, klassizisierende Schönheit herauf, deren Darstellung der akademi­sche Lehrkanon seit Jahrhunderten bevorzugte. Der über dem Kopf der Figur sichtbare Glorienschein und die aus ihm ausstrahlende Sternform weisen zugleich auf den Triumph der Malerei und auf den Ruf von Lötz hin, der sich in seinem berühmt gewordenen Namen symbolisiert hat. III. EIN AUSBLICK Nachdem wir je ein Beispiel dafür gesehen haben, wie sich die Verherrlichung der Kunst in den Kontext der nationalen Idee eingeflochten hat und wie sie in der engeren Gemeinschaft der Künstler einen Platz erhielt, wollen wir uns schließlich an die bildlichen Formen der Selbstbekenntnisse der Künstler wenden. In diesen äußert sich schon der Künstler selbst über den Wert seiner Person und seines Werkes, er bezieht die rhetorische Aufgabe des Lobes oder der Geißelung auf sich selbst. Als Beispiel möchten wir von der Reihe der Künstlerbekenntnisse, der artes poeticáé, eine im Jahre 1894 verfertigte Graphik von Mihály Zichy herausheben, deren Titel Die Fotografie des Künstlers in einem selbstgezeichneten allegorischen Rahmen heißt (Abb. 9). Auf der Zeichnung sieht man, auf den Boden gehäuft, verschiedene Gebrauchsgegenstände: Palette, Fächer, Gewehr, Bücher, Blumenstrauß, Brille. Ein bejahrter, bärtiger Genius sinkt auf sie. Er streckt seinen schlaffen Arm betend nach oben, wo - in die Graphik appliziert - eine in ein Medaillon gefaßte Fotografie des Malers ist. Neben der Fotografie ist die Zeichnung eines Lorbeerkranzes mit einem Stern in der Mitte zu sehen. Vor dem linken Fuß des Genius liegt ein geflügelter Helm. Unter dem Bild ist eine Inschrift zu lesen: „Pium Desiderium eines fluglahmen (sogennnten) Universal­Genies." Die Komposition des Werkes ist ein malerischer Topos 43 : er beschwört einen Altar herauf, an dem die Fotografie des Künstlers das Altarbild ist, während die angehäuften Gebrauchsgegenstände, diese Requisiten des alltäglichen Lebens, die Opferge­schenke darstellen. Die Gestalt des Genius trägt die Gesichtszüge Zichys. Sein sich erhebender Arm richtet sich dem Kranze zu. Diese Gebärde deutet an, daß das Objekt des pium desiderium, des frommen Wunsches, der Lorbeer, sowie der das Glück und den Ruhm symbolisierende Stern 44 ist. Wie auf der zum Tode von Lötz verfertigten Zeichnung von Gyula Benczúr, sind hier wieder die traditionellen Symbole des schaffenden Genius und des künstlerischen Erfolges versammelt zu betrachten. Das Wort Universal-Genie bringt einen Anspruch auf Universalität zum Ausdruck, der die Motive der laudatio in die Dimensionen von Leonardo und Michelangelo hebt. Doch worauf weist dieser seltsame Ausdruck: fluglahm hin? Die Antwort gibt der auf dem Boden liegende - abgelegte ­Merkur-Helm, das Symbol des Fluges. Dieses Motiv umwandelt den „frommen Wunsch" zu einem bloßen Verlangen, das scheinbare Selbstlob aber zum Ausdruck der künstlerischen Unzufriedenheit. So enthüllt sich die Zeichnung Zichys, die für den ersten Blick wie ein Musterbeispiel der bildlichen Veranschaulichung der laudatio anmutet, letzten Endes als eine Zurücknahme der laudatio. Dieses negative Urteil fällt hier ein Künstler über sich, den Théophile Gautier einen Monstre de Génie nannte und mit den größten französischen Malern des Jahrhunderts in eine Reihe stellte. Die künstlerische Selbstbewertung richtet sich nunmehr nicht nach den Maßstäben des Publikums-ja nicht einmal mehr nach denen der Kunstverständigen. Mit dem Modernismus wird dann eine Ära eintreten, in der diese Trennung allem Ausschein nach eine unwiderrufbare Endgültigkeit erreichen wird. Damit löst sich jene Zusammengehörigkeit von Talent und Ruhm, von schöpferischer Kraft und öffentlichem Ruf auf, die die Jahrtausende alte Tradition der Topoi der laudatio durchgehends vorausgesetzt hatte.

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