Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Árpád Tímár: Mednyánszky in der ungarischen Presse, 1876-1919

und was betrachtet er? Nichts. Woran denkt er? An alles. Daran, dass wir hier sind, und davongehen werden. Er fragt alles, antwortet aber auf nichts. [...] Dieser Stadtstreicher ist ein erstklassiges Memoire von Mednyánszkys eigenem Leben, ein Selbstporträt, welches eine tiefe Psychologie verbirgt, die symbolische Bewahrung des nichts Wollens und des philosophischen Stillstandes" 61 (Abb. 8-12). Auch in der ersten Hälfte der 1910er Jahre nahm Mednyánszky mit seinen Landschaftsbildern regelmäßig an Ausstellungen teil. Ein radikaler, neuer Abschnitt seines Lebens und seiner Kunst begann mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Als Kriegszeichner der Zeitung Budapesti Hírlap und als Mitglied des Pressequartiers gelangte er an die Front. Die Zeitungen und Zeitschriften schrieben oft über seine Tätigkeit. Den gründlichsten, ausführ­lichsten Bericht publizierte Dezsö Malonyay in der Zeitschrift Művészet: „Keiner erträgt die Anstrengungen, das Marschieren, die Unbequemlichkeiten und Entbehrungen besser, als er. Zu Fuß, auf Kutschen und mit Autos saust er vom einen zum anderen Kriegsplatz, und selbst auf einem Flugzeug zeichnete er schon." 62 An der Front fertigte er viele Zeichnungen, Skizzen, Aquarelle, sogar Gemälde an, die während der Kriegsjahre regelmäßig ausgestellt wurden. Im Herbst 1915 wurde im Ernst-Museum eine Gruppenausstellung veranstaltet: „Unter den Ausstellern hatte die Sammlung von Baron László Mednyánszky den größten Anteil. Der Meister, der früher die Formationen, atmosphärischen Erscheinungen von sacht absteigenden Gegenden und Berglandschaften erforschte, scheint einen neuen Abschnitt seiner Kunst frisch, mit einem jugendlichen Schwung anzufangen. Seit Anfang des Krieges lebt und arbeitet er sozusagen ohne Unterbrechung an den verschiedensten Fronten, von Zeit zu Zeit kehrt er mit einer Menge von Skizzen, graphischen Aufzeichnungen, Studien heim, um seine Bilder zu malen. Er elektrisierte sich sozusagen an seiner Kunst. In dieser Ausstellung präsentierte er eine Kostprobe seiner neuen Arbeiten, die ihn ein­facher und kraftvoller zeigen, denn je. Ein traditionelles, gewohntes Schlachtgemälde erscheint von seinen Händen natürlich nicht. Für ihn bedeutet auch der Krieg dasselbe, was die von den Menschen ungestörte Natur war: ein Mysterium." 63 Mednyánszky war an mehreren Fronten. Im Sommer 1916 wurde er an der italienischen Front verwundet. Dies bot ihm eine neue Gelegenheit, seine künstlerische Tätigkeit als Kriegsberichterstatter zu würdigen. Das Tagblatt Világ schrieb darüber Folgendes: „Baron Mednyánszky meldete sich sofort am Anfang des Krieges zur Stelle, um als Maler auf dem Schlachtfeld zu arbeiten, und seitdem war er an jeder Front des Krieges. [...] Er gehört zu den Kriegsmalern, die auch die Dramen und psychischen Emotionen des Krieges verewigen können. Er ist nicht nur einfacher Beschreiber der Kriegsszenen. Seine unendliche Herzensgüte und edle Philanthropie kann das Leiden des Krieges nachempfinden, obgleich dieses Leiden nicht nur den Menschen, die Massen, sondern auch die Tiere oder die Natur ereilt." Seine Werke „bekräftigten auch unabsichtlich den philosophischen Gedanken, dass die Teilnahme und das Zusammensein mit den Leidenden eine edle Sache ist. Dies war der Grundton der Kriegskunst von Mednyánszky. Auch in seinen gegenwärtigen Werken bietet er die malerische Schönheit, die das ungarische Publikum von ihm so sehr liebt, die Melancholie der Landschaften, nebelige Gegenden, und die Soldaten, die Flüchtlinge; er nahm auch die Menschen hinter den Frontlinien wahr, und er fand, was er in den armen und verlas­senen Menschen der Friedenszeiten gesucht hatte: die Jämmerlichkeit, die Qual und das Elend." 64 Auf den jährlich veranstalteten Ausstellungen der Werke der Kriegsberichterstatter wurden die Arbeiten von Mednyánszky immer mehr hervorgehoben, da sie hinsichtlich ihres künstlerischen Wertes mehr als die überwie­gend naturalistischen Zeitungszeichnungen vermitteln konnte. „Auch diesmal ragen aus der Masse der Bilder die Werke unserer Künstler heraus. Vaszary und Mednyánszky repräsentieren an dieser Ausstellung die elementare künstlerische Stärke. [...] László Mednyánszky schöpft mit unverringerten jugendlichen Kräften. Seine Kunst wurde im Krieg verjüngt und befruchtet. Wunderschöne Landschaftsbilder von ihm hängen in den verschiedenen Sälen. Die schönsten Werke sind wohl die Dämmerungen, die in graubraunen Farbtönen dargestellten Ansichten, das Bild mit dem Titel Kenyér [Brot] und ein weiteres, auf dem die nach Belgrad ziehenden Truppen zu sehen sind." 65 Am Ende des Krieges, in den Zeiten der Revolutionen, lebte er, bereits schwer krank, in Wien, wo ihn im Frühling 1919 der Tod ereilte. Die anlässlich seines Todes veröffentlichten Nekrologe boten den Kunstkritikern eine gute Gelegenheit, Rechenschaft über die Bedeutung der Kunst von Mednyánszky abzulegen. Sein Monograph, Dezső Malonyay lebte zu dieser Zeit nicht mehr, doch veröffentlichte Károly Lyka eine umfangreiche Würdigung in der Zeitung Uj Idők: „Der große Künstler, der uns jetzt zur Blütezeit für immer verlassen hat, verdient es, dass wir zum Abschied die Fülle seiner Meisterwerke heraufbeschwören, da er darin und dadurch auch ferner in unserer Kultur weiterleben, und die Konversation über den großen Kosmos fortsetzen wird, womit er die Menschen zum Empfinden der Schönheiten der Welt und der Stärke der Natur ermunterte." 66 Bei der Würdigung der Kunst von Mednyánszky wiederholte Lyka praktisch die Feststellungen seiner großen Studie aus dem Jahr 1903. Aladár Bálint verfasste für die Zeitschrift Nyugat einen Nekrolog. Er gedachte der wandernden, streunenden Lebensform von Mednyánszky, wies darauf hin, dass er außerordentlich viel gearbeitet hatte, und dass es aus diesem Grund unter seinen Bildern auch solche gibt, die „ein marktschreierisches Niveau" kaum überträfen. Er fasste zusammen, was im allgemeinen bislang über Mednyánszkys Landschaftsbilder formuliert worden war: „Mednyánszky forschte ununterbrochen die Geheimnisse der sich von Stunde zu Stunde, sogar von Minute zur Minute ändernden Phänomene. Er hob die Form der vorüberhuschenden Wolken, die Schwere, die Masse des Nebels und der Dünste, das Lichtspiel der den Bergrücken streichelnden, oder die das dichte Laub durchdringenden Sonnenstrahlen, das Ausstrecken der Schatten [...] mit nervösem, gebrochenem Takt hervor. Seine Formen flössen ineinander, über seinen glühenden Farben flutete ein silberner oder gedeckter goldfarbener Qualm." Über die Figurenbilder schrieb er mit Verständnis, ja sogar mit Hochachtung: Mednyánszky „liebte den hilfsbedürftigen, ausgestoßenen Menschen, das aus den Banden der Moral freigekommene Individuum. Das Motiv einiger seiner bekannten Werke war der Stadtstreicher. In seiner Einsamkeit sitzt dieser stolz, fast verklärt auf irgendeiner Bank im Hain, unter ihm Laub, über ihm gelbes Blattwerk, hinter ihm braune Luft, Nebel, zugleich die Unendlichkeit

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