Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Árpád Tímár: Mednyánszky in der ungarischen Presse, 1876-1919
László Mednyánszky: Alkony a lápon [Dämmerung über dem Moor], ausgestellt im Winter 1903/1904 in der Kunsthalle, Kat-Nr. 1 (Verbleib unbekannt, Repr. aus dem Katalog) Landschaftsmaler kamen massenweise zur Ausstellung, und wer die Natur liebt, kann hier viele schöne Werke bewundern. [...] Der Hervorragendste ist zweifellos Mednyánszky, dessen Szeles hajnal [Windige Frühe] ein wahrhaftiges Meisterwerk ist. Niemand kann die Natur so nachvollziehen, wie er. Er betrachtet sie aus der Nähe, er fühlt und lässt die Seele der Gegend fühlen. Die Windige Frühe schüttelt die mit Reif bedeckten Äste, alles ist weiß und zwischen den Ästen scheint die Sonne geballt durch den Nebel. Dieser durchschimmernde Sonnenschein ist einzigartig schön. Die anderen zwei Gemälde sind ebenfalls Winterbilder, Erdőben [Im Walde], Megérkezett [Eingetroffener]. Aber beide verbindet das Grauen der winterlichen Landschaft mit dem menschlichen Gräuel. Auf dem ersten Bild sieht man einen getöteten Mann, der von einem Bewohner des Waldes gerade aufgefunden worden ist, während in der Luft die Vision eines blutigen Antlitzes zu sehen ist. Auf dem anderen ist ein erfrorener Mensch unter der Schneedecke begraben. Auf dem vorigen Bild dominiert der Schrecken, und die Phantasie des Malers macht durch die betrübte Gegend ein noch trübseligeres Schrecken nachvollziehbar. Uns gefällt das Bild Szeles hajnal [Windige Frühe] besser." 18 Demnach schickte Mednyánszky für die Ausstellung Bilder, von denen zwei durchaus als mehr zu betrachten sind, denn als stimmungsvolle Landschaftsbilder, wie ein Teil der Kritiken meinte. 19 Das Urteil des angesehensten konservativen Kritikers Gusztáv Keleti ist ebenso aufschlussreich. Mit den mystischen, symbolischen Elementen konnte auch er nichts anfangen, er begrüßte jedoch mit großer Freude, dass im Falle von Mednyánszky die Landschaftsbilder von der nihilistischen - d. h. von der extremen naturalistischen - Naturnachahmung abwichen: „In manchen seiner Werke, wie auf dem Bild mit dem Titel Megérkezett [Eingetroffener] muss auch über den Grundgedanken gerätselt werden, obgleich die Landschaftsszenerie allein, ohne des Rätsels Lösung, einen Genuss bereitet. Seine Winterlandschaft mit dem Titel Szeles hajnal [Windige Frühe] war einfach herrlich. Das Bild besteht sozusagen nur aus einem Amalgam, aus den bezaubernden silbergrauen Farbtönen des raureifigen Waldes und den noch helleren Farbtönen des Lufthimmels. - Mit dieser feinen Empfindungsfähigkeit und gestalterischen Kühnheit können wir in Mednyánszky die vorteilhafte Wendung willkommen heißen, die aus dem freudlosen Nihilismus der absichtlichen Unterlassung von guten Motiven einen Übergang zu jener Richtung der Landschaftsmalerei schafft, die wiedererkennt und bereit ist zu bekennen, dass in der reichlichen Fundgrube der Natur das Gras, der Baum, der Himmel und das Wasser, sowie die tausend Formen der Terra Firma, sobald wir diese sehen wollen, über eine separate Seele und einen separaten Charakter verfügen, die es würdig sind, dass man sie beobachtet, mitempfindet und gewissenhaft darstellt, denn der Lohn dafür ist Herrlichkeit." 20 Nahezu als Ausnahme kann der Artikel in der Zeitung Magyar Géniusz bezeichnet werden, denn der Kritiker des Blattes würdigte gerade die von der Mehrheit abgewiesenen „mystischen", „symbolistischen" Züge in Mednyánszkys Kunst: „Unter den Exzentrischen müssen wir unbedingt über eine überaus interessante Künstlerpersönlichkeit berichten. In Baron László Mednyánszky wohnt ein tiefer Mystizismus inne. [...] Man fühlt, dass seine Bilder über einen idealen Inhalt verfügen, der nahezu unbegreiflich ist. Man braucht ein wenig Inspiration, um die Bilder von Mednyánszky verstehen zu können. Das Werk Erdőben [Im Walde] ist eines der charakteristischsten Bilder des Künstlers. Ein menschliches Wrack liegt im dichten Gebüsch, zwischen den Ästen erscheint der Kopf des Erlösers. Man sieht nur mystische Schattenlinien. Eine grauenhafte Stimmung durchzieht das Bild; es schaudert einen. Dieses Schaudern ist der Beweis dafür, welch ein großer Künstler Mednyánszky durch Gottes Gnade ist; man wird bis in die Tiefe des Herzens erschüttert, obwohl wir ihn nicht verstehen. Mednyánszky geht weder dem Symbolismus, noch den eigenartigen Farben nach, sondern er wirkt mit seinen Themen, mit seiner Seele, die er in die Bearbeitung seines Themas einbringt." 21 Die Personalausstellung von Mednyánszky und József Somssich, veranstaltet im Jahr 1897 in Paris, fand auch in Ungarn große Resonanz. Die ungarischen Berichte kommentieren die Vorfälle, fügen ihre eigene Meinung über Mednyánszkys Kunst dazu und zeigen durch Hervorhebungen und Verschweigen, was sie an seinen Werken für wertvoll halten. Der erste Bericht erschien in der Zeitung Budapesti Hírlap: „Die Halle Georges Petit veranstaltet nun eine Ausstellung der Werke zweier ungarischer Maler. Das Pariser Publikum ergötzt sich an sechzig Bildern unseres Mednyánszky, und an siebenundzwanzig Bildern des jungen Somssich. Im Katalog, der den Zuschauern den Weg weist, schrieb Adrien Remacle eine Studie über Mednyánszky, in der er beim Beschreiben des Bildes mit dem Titel Két abszint ivó [Die zwei Absinthtrinker], folgende Anmerkung machte: während wir über diese Studienköpfe schreiben, wollen wir den Namen Rembrandts nicht aussprechen, da jeder Vergleich dieser beiden Künstler lächerlich und verdrießlich wäre, und die Heiterkeit und Größe von Rembrandt nur Rembrandt gehört; allerdings gibt es etwas von seiner Stärke in den Studienköpfen von Mednyánszky. - Im Ganzen berichtet Adrien Remacle mit großem Entzücken über diesen sonderbaren, interessanten, originellen Künstler, über diese künstlerische, einsame Natur, mit der sich der Künstler ausdrückt." 22 Die Zeitung Fővárosi Lapok berichtet über die Resonanz der Ausstellung in den Pariser Blättern: „Obwohl in Paris außer der doppelten Ausstellung des Salons auch die Zurückgewiesenen und die Zurückgewiesenen der Zurückgewiesenen ihre Kunstausstellungen eröffnet haben, bildet die Ausstellung zweier ungarischer Maler sowohl in der Gesellschaft, als auch in Künstlerkreisen eine bewegte Sensation. Baron László Mednyánszky, der bei uns wohl einzigartige, die Natur darstellende Impressionist, und Graf József Somssich, den man in den Budapester Kunstausstellungen seltener sehen konnte, der aber immer ein anerkannter Künstler war, haben eine Ausstellung veranstaltet, die von den Pariser Zeitungen ,Echo de Paris', ,Temps', ,Gaulois', ,Petit Journal' und noch weiteren mit einem wahrhaftigen Enthusiasmus gelobt wurde. Es ist schön zu erfahren, dass die Franzosen