Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
László Mednyánszky im Spiegelbild kunstwissenschaftlichen Schrifttums: wissenschaftliche und kulturhistorische Beiträge - Jan Abelovsky: László Mednyánszky in der slowakischen Kunstgeschichte
doskopartigen Bild des (oberungarischen) Jugendstil-Symbolismus angehören, das in slowakischer Umgebung ganz bis zur zweiten Hälfte der zwanziger Jahre erhalten geblieben ist. Aus seiner Zeit ragte Mednyánszky nicht infolge des Synkretismus oder des dekadenten Charakters seines Œuvres heraus, sondern wegen der außerordentlichen Qualität, wegen der überwältigenden Kraft künstlerischen Strebens und wegen der überzeugenden Ausdrucksweise - diese Feststellung behält ihre Gültigkeit trotz der bis heute zahlenmäßig kaum registrierbaren Gemälde und der riesigen Zahl der Zeichnungen nach wie vor. Der undefinierbare Stil, der die Malerei von László Mednyánszky um die Jahrhundertwende gekennzeichnet hatte, regte unsere Malerei zu einer weiteren Entwicklung an. Seine Tat, die er auf dem Gebiet der bildenden Kunst vollbracht hatte, öffnete den Weg vor den eigenartig mitteleuropäischen, symbolistisch-metaphysischen Bestrebungen. Diesen begegnen wir nicht nur in der stilgemäßen, sich aus einer exklusiven geistigen Basis nährenden Malerei von Csontváry und Andraskovic, sondern auch im Symbolismus von Mitrovsky, Kern und Lehotsky, der von nationalen Motiven durchdrungen ist. Bisher schienen die letzteren und die ihnen ähnlichen Künstler mit der Ablehnung des modernistischen Radikalismus immer mehr auf ein totes Geleis geraten zu sein. Dafür verlängerten sie bloß die in der Literatur verwurzelte Tradition des Symbolismus des 19. Jahrhunderts und verbanden sie mit dem Problem des Nationalismus, sie war allerdings grundlegend universell und supranational. Zugleich distanzierten sie sich von der Kernidee der Gründer des nationalen Modernismus in den zwanziger Jahren. Ist denn das wirklich die ganze Wahrheit bezüglich ihres Œuvres? Kommt es nicht eigentlich darauf an, dass sie das spezifisch Slowakische außerhalb des Volksstils, in den inneren Gesetzmäßigkeiten des Gemäldes nicht finden wollten oder konnten? Stattdessen suchten sie nach einem Ausweg, indem sie das nationale Sujet literarisch und symbolisch bereichert haben. Benka unterscheidet sich von Mitrovsky, Lehotsky und anderen zeitgenössischen Malern lediglich durch die sicherere und über eine größere Überzeugungskraft verfügenden Variierung des konstanten Grundprinzips. In seiner Gründungstat, die er in den zwanziger Jahren vollbrachte, gelangte Benka nämlich - wie auch seine Zeitgenossen, auf dem Weg eines Kompromisses - bloß zur Feststellung, dass der richtige Ausweg aus dem Stilverismus à la August nur eine Konzeption sein kann, die als Alternative des Verismus interpretiert wird, keinesfalls aber eine diesem radikal entgegengesetzte, der Immanenz des modernen Bildes entsprechende Vorstellung. Im Stil, den man modern zu bezeichnen pflegt, in der kritiklosen Stilsimplifizierung und in der lapidaren Darlegung der überholten Form des nationalen Mythus sah er die Lösung, auf die er um keinen Preis verzichten wollte oder konnte. Unter einem ganz anderen Aspekt griffen wir hoffentlich erneut zu dem (hoffentlich) längst überholten Problem des nationalen Charakters von Mednyánszkys Kunst. Unseres Erachtens dürfte es nicht schaden, wenn wir wiederum auf die Frage der engeren slowakischen (verstehe: oberungarischen) Heimat zurückkommen, die Vaculik so oft zur Sprache gebracht hatte. Wir tun das selbstverständlich so, dass wir dabei Mednyánszky keineswegs aus dem ausschließlichen Wirkungsbereich der ungarischen Kultur herausreißen wollen. Die Problematik der nationalen Identität des Malers war nämlich höchstens zur Zeit der Abfassung der ersten Monographien aktuell, um dann in Hinkunft in der praktischen Zusammenarbeit der slowakischen und ungarischen Galerien - in einer scheinbar ideellen und freundschaftlichen Zusammenarbeit - weiterzuleben. Die komplizierte Topographie von Mednyánszkys Reisen zwischen Paris und fast allen größeren Städten der ÖsterreichUngarischen Monarchie erbringt letzten Endes den Beweis, dass keine einzige nationale Kultur einen alleinigen Anspruch auf ihn erheben darf. Denn Mednyánszky gehört in den Bereich der ungarischen und slowakischen Malerei und er gehört wiederum nicht dorthin; alle peinlichen Diskussionen über dieses Thema würden nicht nur rückwirkend von den nationalistischen Kriterien Gebrauch machen, die für Mednyánszky einfach nicht existiert haben, sondern sie würden zugleich auch die Suche nach dem Sinn seines Lebenswerkes unnötig verhindern. Wir haben den Geist des Nationalismus nicht darum aus der Flasche gelassen, damit wir mit einem vorgetäuschten Heldenmut an das Tor des Hochmutes der ungarischen Kunstgeschichte pochen. Zu diesem Entschluss sind wir infolge von Mednyánszkys Interpretationen gelangt, die einander schier widersprechen. Jene Tendenzen werden immer stärker, die den Maler aus jedweder nationalen Einschränkung aussperren möchten, wobei ihnen ein einziges Ziel vor Augen schwebt: aus dem Modernisten der Peripherie im nachhinein einen durch und durch europäischen Künstler zu fabrizieren. Eins steht fest: solche Bestrebungen existierten in der Vergangenheit und werden in der Zukunft immer intensiver werden. Und wenn aus keinem anderen Grund, so halt im Interesse der einfiussreichen ungarischen - und selbstverständlich auch slowakischen - Geschäftslobby. Die Bilder von Mednyánszky, wie auch die Werke anderer namhafter Künstler bilden ein ideales Ziel solcher Bestrebungen. Mit etwas Fleiß gelingt einem jedem sachkundigen sogenannten „Wirkungs-Experten", in ihnen „die summierte Geschichte des universellen Modernismus" zu entdecken. Darum ist also unseres Erachtens die Bewertung von Mednyánszky unter einem beschränkten, oberungarischen Aspekt - hier und jetzt - durchaus wichtig. Dadurch verstehen wir die wichtigsten Charakteristika seiner Kunst, die es letzten Endes verhindern, ihn mit der Moderne der europäischen Zentren zu vergleichen. So entsteht vor uns das Bild eines genialen Künstlers, der sowohl durch sein Leben, als auch durch seine Kunst an die verhältnismäßig eindeutig bestimmte kulturelle Peripherie gebunden war. Die Grenzen der wahren Heimat von László Mednyánszky wurden nicht von politischen oder Nationalitäten-, sondern von den geistigen, philosophischen und ideellen Aspekten seines Lebenswerkes festgelegt. Ihn haben eine rätselhafte Melancholie, ein geheimnisvolles Mysterium gekennzeichnet, die absurde Wirklichkeit eines seltsamen, eher kulturellen denn geopoliti-