Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Katalin Geller: „Wir sollten uns aus dieser Welt der Sinnestäuschungen immer mehr heraushalten"

die Schriften von Madame Blavatsky kennen gelernt hatte. Laut Zeugnis der Tagebücher und nach Nándor Katona hat er das grundlegende Werk Blavatskys, The Secret Doctrine, studiert. 31 In der Monographie von Ernő Kállai ist nachzulesen, dass Mednyánszky während seines zweiten Aufenthalts in Frankreich (1889-1892) mit Chevrillon, einem Wissenschaftler und Indienreisenden bekannt geworden ist und durch ihn den Buddhismus und die Theosophie ver­mittelt bekommen hat. 32 Es handelt sich vermutlich um den Schriftsteller, Philosophen und Essayisten André Chevrillon (1864-1957), einem Neffen von Hyppolite Taine. Das erste Werk, das unter seinem Namen erschienen ist, trug den Titel Dans l'Inde? 1 Mednyánszky konnte die Theosophie und den Buddhismus aber auch aus anderen Quellen kennen gelernt haben. Ab 1892 wurden die Ausstellungen der erwähnten Rosenkreuzer-Gruppe veranstal­tet, die ein weites Echo hervorriefen. Sándor Nagy, der von 1891 bis 1899 in Paris studierte, wurde über Mednyánszky mit den Rosenkreuzern bekannt, wiewohl er laut einer anderen Quelle zufällig auf ihre Buchhandlung stieß. Er las begeistert die berühmten „grünen Hefte" Blavatskys und die Zeitschrift Le Lotus bleu, die Veröffentlichung der 1899 ins Leben gerufenen französischen Sektion der Theosophical Society, 34 und konnte das französische Gedicht, das ihn zur Philosophie der Selbsterkenntnis geführt hatte, noch nach gut zwanzig Jahren genau zitieren. 35 Während in Ungarn die starke Wirkung der Theosophie ab 1908 deutlich bemerkbar ist, konnte die erste Generation, die mystische Elemente bearbeitete, diese Lehren bereits in den 1890er Jahren in Paris oder durch die Vermittlung französischer Autoren kennen lernen. Neben den Werken Mednyánszkys, Olgyais und Sándor Nagys ist noch zu erwähnen, dass Károly Ferenczy in seiner am meisten vom Symbolismus berührten Periode, 1898, von Olivér Gömöry, der sich mit Hypnotismus und Okkultismus beschäftigte, ein frontal ausgerichtetes Bildnis malte, das die Verbindung des Dargestellten mit mystischen Kräften suggeriert. 36 In der engeren Umgebung Mednyánszkys war auch der bereits erwähnte István Czóbel mit den neuen Lebensphilosophien vertraut, die er in seinen auf Deutsch veröffentlichten Werken als Reaktion auf den Materialismus der vorangegangenen Epoche behandelte. Seine Schriften, die er ab 1901 beim Verlag Lotus in Leipzig herausgab, sind nicht einmal in der neuesten Fachliteratur zur Theosophie erwähnt. 37 In seinem Band über Religionsgeschichte ging er auf die Mystik und in einem eigenen Kapitel auch auf die moderne Mystik ein. 38 Er zählte dort die esoterischen Quellen auf, aus denen im übrigen auch die Theosophen schöpften: die Kabbala, die Astrologie, Cornelius Agrippa, Ruysbroeck, Hermes Trismegistos, Werke der Gnostiker und Neuplatonisten. Er behan­delt den damals modischen Spiritismus, die Hypnotiseure, Magnetiseure und Tischrücker. Er hielt die Theosophie für einen Zweig des modernen Okkultismus, die vom Buddhismus die Theorie der Seelenwanderung übernommen hatte. Eine eingehende Analyse verdiente der dritte Band seiner Folge, Die Genesis unserer Kultur, in der er die Entwicklung des Schönheitsbegriffs in verschiedenen Epochen verfolgte (vom alten Indien bis zur zeitgenössischen Kunst) und sich mit der Psychologie der Licht- und Klangwirkungen sowie mit der Psychoanalyse der Künstler auseinandersetzt. Auch unter den veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen Mednyánszkys finden sich zahlreiche Hinweise auf die Welt als Illusion und auf die Wichtigkeit der Vertiefung in das Innere von unserem Selbst. Einige Seiten seines bereits erwähnten Tagebuchs auf Deutsch bezeugen, dass er sich eingehend für Astrologie und Theosophie interes­sierte. Die Quelle der gezeichneten Symbole und erklärenden Texte ließ sich bis jetzt nicht ermitteln, aber es handelt sich eindeutig um astrologische und theosophische Zeichen. In den Transkriptionen der Tagebücher von 1920, die im Datenarchiv der Ungarischen Nationalgalerie aufbewahrt werden, findet sich auf der mit 252 bezeichneten Seite die Beschreibung der Theorie Annie Besants über die sieben Prinzipien (sieben Körper), in eine Tabelle gefasst und mit deutschen und sanskritischen Wörtern und Zeichen erklärt 39 (Abb. 2). Neben den sieben Körpern steht jeweils das entspre­chende astrologische Zeichen, die Farbe und der Klang. Der erste Körper ist das Atma, das von den Theosophen folgenderweise definiert wird: „Unpersönlicher Geist, göttliches Bruchstück, der Strahl des universalen göttlichen Lebens im Menschen, Wurzel der siebenfachen (septénaire) Statur des Menschen". 40 Unter den Planeten entspricht ihm der Jupiter (die Kraft), unter den Farben das Blau, und in der Musik die Tonstufe „So". Um ein anderes Beispiel anzuführen: Das vierte Prinzip ist das Kama Manas, das persönliche Ich des Menschen, dem der Saturn, die Farbe Grün und die Tonstufe „Fa" entspricht usw. Eines der häufigsten Symbole der Theosophie, der fünfzackige Stern, das Pentagramm (Drudenfuß) kommt in den Skizzen Mednyánszkys wiederholt vor. Auf Seiten 252 und 261 finden sich zwei Sterne mit ähnlichen Zeichen versehen. Die Bezeichnung der oberen Zacke ist „Buddi" (richtig Buddhi), in der Bedeutung: „spiritueller Körper. Quelle der beschaulichen Inspiration, der reinen Liebe, der Huldigung, des Opfers". 41 Nach der geheimen Lehre Blavatskys ist Buddhi das sechste Prinzip im Menschen: „Obwohl nach unseren Begriffen nicht einmal ein Hauch, ist es dennoch materiell im Vergleich zum ,Geist', dem Atma, das es trägt." 42 An der rechten oberen Zacke des Stern liest man das Wort „Egoismus" (auf Deutsch und Sanskrit). An die linke obere Zacke des Sterns schrieb Mednyánszky das Wort „Gefühl", an die linke untere „Intellekt", an die rechte untere „Intuition". Diese Begriffe entsprechen den vier funktionellen Elementen der aus ori­entalischen Wurzeln schöpfenden Jungschen Psychologie (Denken, Fühlen, Perzepzion, Ahnung). Auch das Dreieck, das Zeichen der Dreiheit kommt vor (auf den Seiten 253 und 261), das den Einen Gott bezeich­net, der in seinen Manifestationen drei ist. Nach der Auffassung der Theosophen vereinigt, gleich Gott, auch der Viktor Olgyai: Morgen im Wald, 1909, Lithographie auf japanischem Papier, 22,7 x 18 cm, r. u. bezeichnet: „Olgyai V. 12 - 1909" (UNG, Inv.-Nr. 1902­152) Róbert Nádler: Ad Luce m, Papier, Kreide, Tusche, 79,5 x 79,3 cm, sign, r. u. „Nádler Rberf ' 1. u. beschriftet: „Ad Lucem" (UNG, Inv.-Nr. F.76.20)

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