Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Anna Szinyei Merse: Mednyánszkys Beziehungen zur Kunst seiner Zeit

Kunsthalle in Budapest Bilder einschickte, gab er als seinen Wohnort Szolnok an, 26 machte sich dann aber wieder auf den Weg, denn seine Wanderleidenschaft ließ ihn nicht weiter ruhen. Im Jahr 1880 kehrte er dorthin zurück, mußte wegen seines Gelenkrheumatismus jedoch die Pflege Deák-Ébners in Anspruch nehmen. 27 Gegen Ende des Jahrhunderts sollte er dann das Gründungsgesuch der Künstlerkolonie von Szolnok unterzeichnen, doch ließ er sich dann doch nicht in der Stadt nieder: Die Bindung an einen Ort war ihm unerträglich. Nach dem Aufenthalt in Szolnok wollte er gegen Jahresende 1877 nach Italien fahren, so dass wir nicht wissen, ob er die große Schau in der Kunsthalle gesehen hat, wo die Barbizoner bzw. die akademischen Franzosen ebenso vertreten waren wie die moderneren deutschen und österreichischen Künstler. Die Namensliste war äußerst repräsentativ, auch seitens der Ungarn, man vermisst höchstens Szinyei Merse, um das volle Spektrum der zeitgenössischen maleri­schen Bestrebungen in einem wirklich breiten Panorama erfassen zu können. Von da an waren in der Budapester Kunsthalle fast jedes Jahr die neuesten oder weniger neuen Schöpfungen der Franzosen - darunter auch von Barbizoner Malern - und anderer Nationen zu sehen, was das schwer in Gang gekommene Budapester Kunstleben unbedingt belebte. 28 Im Winter 1877/78 bereitete sich alles in großer Aufregung auf die Pariser Weltausstellung vor. Mednyánszky kümmerte sich, wie man es von ihm gewohnt ist, nicht sonderlich darum, weshalb der Organisationsausschuss den Herbstabend im Wald, der gerade in der Budapester Kunsthalle gezeigt worden war, in die ungarische Liste integrier­te. 29 Mednyánszky zog es stattdessen vor, nach Italien zu reisen. „Er wanderte über Triest, Ancona und Venedig nach Rom, zumeist zu Fuß, indem er unterwegs zeichnete und malte. In Rom ließ er sich nieder und verbrachte dort zwei Jahre. Er pachtete ein Atelier in der Via Flamenia [sie!], in der Nachbarschaft eines herausragenden Aquarellisten, Villiégasz [sic!], von dem er viel lernte; später kam er im Palast der österreichischen Gesandtschaft, im Palazzo di Venezia [sie!] zu einem Atelier, dort konnte er alles ausarbeiten, was er in der Umgebung von Rom skizzierte" - schrieb Malonyay. 30 Der erwähnte Künstler hieß richtig José Villegas Cordero (1844-1921) und gehört nicht in die vorderste Linie der spanischen Malerei, seine farbige, naturalistische Malerei stand der Mednyánszkys, 31 sogar ziem­lich weit entfernt, so dass es kein großer Verlust war, als sich ihre Wege trennten. Unter den Spaniern kennen wir auch sonst keine Parallelerscheinung zu Mednyánszkys Kunst. Wenn auch nicht von den spanischen Zeitgenossen, so erhielt er umso mehr Stärkung aus der verwandten Anschauungsweise von Goyas großen, erschütternden Kriegsfolgen. In Italien, auch in Rom, wo er sich vom Winter 1877/78 bis zum Frühjahr 1879 aufhielt, begeisterte er sich viel mehr für die großartige ältere Kunst 32 - besonders für das geheimnisvolle Sfumato Leonardo da Vincis - als für die dortigen zeit­genössischen Bestrebungen (in den Dokumenten weist jedenfalls nichts daraufhin). Dabei finden sich unter den Italienern sensible Naturdarsteller, die eine gewisse Verwandtschaft mit ihm aufweisen. Man denke nicht nur an Giuseppe Palizzi, der sich 1844 im Wald von Fontainebleau niedergelas­sen hatte und von den Franzosen akzeptiert und sogar ausgezeichnet wor­den war, der bis zu seinem Tod im Jahr 1888 regelmäßig im Salon ausstellte - wie dies übrigens auch seine in Neapel lebenden Brüder Filippo und Nicola von Zeit zu Zeit, bei Besuchen ihres Bruders taten. Eine noch glän­zendere Pariser Karriere machte der Neapolitaner Giuseppe De Nittis, der sogar zur ersten Ausstellung der Impressionisten eingeladen worden war: Von ihm klingen einige in Neapel aufbewahrten Werke an Mednyánszkys dunstige, neblige Landschaften an. Besonders nahe sind ihm die Landschaftsmaler des piemontesischen „Verismus": In der Dauerausstellung des Museums von Torino hängen zahlreiche Werke dieser Art, zum Beispiel Alfredo D'Andrades überraschend synthetisches Castelfusano von 1867 (Abb. 6), die Naturstudien von Vittorio Avondo aus den 1870er und 1880er Jahren oder zahlreiche Bilder von Antonio Fontanesi. Mit einigen späteren, geheimnisvollen Werken von der Jahrhundertwende hätten um 1900 auch der Mailänder Vittore Grubicy de Dragon bzw. Giuseppe Pellizza aus Volpedo anregend für unseren Maler sein können. 33 Eine interessante Parallele von ganz anderer Art zeichnet sich im Zusammenhang mit einer italienischen Tagebuchaufzeichnung ab. Mednyánszky behauptete von der italienischen Landschaft: „Sie interessiert mich eher als Anblick denn als Motiv, alles in allem bietet die Natur daheim mehr Stoff zum Malen." 34 Diese Worte harmonieren vollkommen mit den Gedanken seines Landsmanns aus Oberungarn, Pál Szinyei Merse, der gefühls­mäßig ebenfalls schwer den Zugang zur ansonsten prächtigen südlichen Landschaft fand. Dieser formulierte diesbezüglich 1902: „Erst jetzt weiß ich die Gegenden unserer schönen Heimat zu schätzen, ich spüre, dass ich daran mehr Anmut entdecke, und ich kann mich mehr darin einfühlen." 35 Der aus Italien nach Beckov und Strázky heimgekehrte unruhige Wandergeist soll im Sommer 1879 zu Fuß nach dem Komitat Saris (Sáros) aufgebrochen ein, um dort Pál Szinyei Merse zu treffen, der sich aus seiner dörflichen Zurückgezogenheit nicht herauslocken ließ. „Baron László Mednyánszky, der ihn 1872, als er sich an der Münchner Akademie einschreiben ließ, während der Arbeit an seinem Maifest aufgesucht hatte, besuchte ihn um 1878 aus Paris kommend auch in Jernye. Das Bild Dame in Lila gefiel ihm nicht besonders, und er gab Szinyei wohlgemeinte Ratschläge hinsichtlich der Schatten in der Freilichtmalerei." So erinnerte sich Simon Melier an den Bericht Szinyeis über diesen Besuch. In seiner Monographie findet sich noch ein Hinweis auf das Verhältnis der beiden Maler: „Mednyánszky besuchte ihn um 1884 noch einmal in Jernye und war von der Scheeschmelze voll begeistert; er meinte dazu, dass Szinyei damit jeden Landschaftsmaler in Pest überbot." 36 Von diesen beiden bezeichnenden Episoden weist die erste unverblümt darauf hin, dass sich Mednyánszky bereits in seinen frühen Pariser Jahren die Grundsätze der Freilichtmalerei angeeignet und diese Kenntnisse durch Naturstudien daheim weiterentwickeln konnte. Szinyei war dagegen damals nicht in Paris. Er experimentierte selbständig, und es ist wirklich bedauerlich, dass wir die Meinung seines 6 Alfredo DAndrade (1839-1915): Castelfusano, 1867 (Torino, Galleria Civica d'Arte Moderna e Contemporanea)

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