Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Anna Szinyei Merse: Mednyánszkys Beziehungen zur Kunst seiner Zeit

men, aber ihre künstlerischen Interessen unterschieden sich erheblich voneinander. Nirgendwo liest man hingegen darüber, dass er im Winter 1872/73 in München mit den übrigen Ungarn Beziehungen angeknüpft hätte. Aus den Erinnerungen seiner Schwester lässt sich nur soviel feststellen, dass er Szinyei bereits aus München kannte. 8 Pál Szinyei Merse malte zu dieser Zeit sein Maifest, dort arbeiteten Gyula Gundelfinger, Gyula Benczúr - alle drei stammten wie Mednyánszky selbst aus dem nordungarischen Oberland -, und unter den späteren Pariser Bekannten hielten sich noch Lajos Deák Ebner, Gyula Aggházy, Artúr Tölgyessy in München auf, und hauptsäch­lich Géza Mészöly, der für Mednyánszky tatsächlich von Interesse gewe­sen wäre. 9 Unter den Deutschen konnte er die Kunst von Eduard Schleich d. Ä. und Adolf Lier kennen lernen, die die Grundsätze von Barbizon nach München vermittelten, und unter den jüngeren Ludwig Willroider, der als „deutscher Corot" bezeichnet wurde, beziehungsweise Joseph Wenglein. Unter den Landschaften des letzteren zeigt mehr als eine, so etwa die Gewitter an der Isar (Abb. 1) einige Verwandtschaft mit Mednyánszkys späterer Landschaftsauffassung. 10 Mag sein, dass er viel zu sehr mit den trockenen Grundstudien an der Akademie beschäftigt war, die er so sehr einübte, dass er in seinen Tagebüchern noch nach Jahrzehnten darüber klagte, wie schwierig es ihm war, sich später von der minuziösen Formbehandlung und der kleinlich realistischen Genreauffassung als Folgen der Münchner und Pariser akademischen Unterrichtsmethode zu befreien. Der junge Mann, der mit München unzufrieden war, zog wahrscheinlich im September 1874 in seiner Pariser Wohnung in der Rue des St. Pères ein. An der Akademie kam er in die Klasse von Isidore Pils, 11 aber er fühlte sich auch dort nicht wohl. Seine Schwester berichtete darüber als Augenzeugin: „Er verbrachte seine ganze Freizeit im Louvre, im Musée du Luxembourg und an den übrigen Ausstellungen, zum Beispiel in einer herrlichen Corot-Ausstellung. [...] Die auf ihn zukommenden Eindrücke waren wohl viel zu intensiv, denn die Reaktion darauf war bei László Pessimismus, düstere Nervosität, was zuweilen in schillernden Hochmut überschlug." 12 Millet starb am 20. Januar 1875 in Barbizon, Corot ein Monat darauf in Paris. Das Auktionshaus Drouot zeigte den Nachlass beider großer Meister, den des letzteren Ende Mai/Anfang Juni. Dem Andenken Corots huldigte auch die Ecole Nationale des Beaux-Arts mit einer Ausstellung. In diesem Jahr hat es sich besonders gelohnt, die Auktionen des Hôtel Drouot zu besuchen, im März tauchten dort beispielsweise zum erstenmal Bilder von Monet, Renoir, Sisley und Berthe Morisot auf. Wir wissen nicht, ob Mednyánszky ein Jahr zuvor bei Nadar die erste Gruppenausstellung der Impressionisten, die einen derart großen Skandal hervorgerufen hatte, gesehen hat oder nicht, aber am Salon von 1874 sah er möglicherweise Edouard Manets Gare St. Lazare. Auf die Rezeption einer derartigen Kunst war er damals wohl noch nicht vorbereitet, man denke nur an sein lebensgroßes Gemälde des Verurteilter (Kat. 26). Im Katalog des Salons stößt man aber auf zahlreiche Werke, die sein Interesse möglicherwei­se geweckt haben. Wohl kannte er einige Namen vom Hörensagen, aber selbst wenn er die Wiener Weltausstellung von 1873 nicht gesehen hatte, konnte er nun erstmals die Originalgemälde der Barbizoner und anderer, diesen verwandter Künstler studieren, die ihm gewiss dazu verhalfen, seine früh eingeübte Landschaftsroutine weiterzuentwickeln. Außer den drei Corots, zwei Daubignys bzw. den Bildern von Boudin, Breton und Karl Bodmer waren ausgezeichnete bel­gische Exponate zu sehen: Louis Artan (Abb. 2), Boulenger, Coosemans, César und Xavier De Cock. Die Holländer Mauve, Mesdag, Roelofs, der Italiener Giuseppe Palizzi und der Pole Szermentowski arbeiteten ebenfalls in dieser Richtung, vom Ungarn László Paál gar nicht zu reden, von dem die Jury das Bild Nach dem Regen - Herbststimmung annahm. Munkácsys Leihhaus und seine Nächtlichen Landstreicher konnten seinen Blick vielleicht durch den Typus der armen Leuten anziehen. Und schließlich eine uralte Erinnerung: das monumentale Gemälde des Stephan Báthori von Matejko, über den die polnische Erzieherin seiner Schwester so oft geredet hatte. 13 Kein Wunder, dass der Kunststudent von derartigen Ausstellungsbesuchen sehr aufgeregt wurde. Am Salon von 1875 könnten für ihn wohl außer den bereits Erwähnten der Italiener Fattori, der Corot-Schüler François-Louis Français, der Österreicher Jettel und dessen ungarischer Freund László Paál, Géza Mészölys Theißufer und schließlich Manets Argenteuil von Interesse gewesen sein. 14 Laut seiner Schwester ging Mednyánszky „im Frühjahr nach der Eröffnung des Salons nach Barbizon, wo er sich mit László Paál und mehreren anderen Malern anfreundete. Wir suchten ihn dort in der berühmten Künstlerkneipe auf. Er war glücklich dort, malte den ganzern Tag im Wald." 15 Falls sie sich in München versäumt hatten, konnte er in Barbizon Lajos Deák-Ebner begegnen, von dem gerade in jenem Jahr zum erstenmal ein weibliches Bildnis für den Salon angenommen wurde. Letzterer ging auf den Rat von Pettenkofen hin diesen Sommer zum erstenmal nach Szolnok in Ungarn, um zu malen, zwei Jahre später folgte ihnen auch Mednyánszky dorthin. Möglicherweise war auch Jettel in Barbizon, Karl Bodmer zählte dagegen auf jeden Fall zu den vielen Ausländern. Von den Alten, die der Künstlerkolonie zum Ruhm verholfen hatten, kam damals kaum mehr einer dorthin, hin und wieder vielleicht Jacque. Diaz und Dupré stellten um jene Zeit leider nicht auf dem Salon aus. Letzterer lebte zurückgezogen in LTsle-Adam und hielt gerade mit Daubigny den Kontakt aufrecht, der in der Nähe, in Auvers-sur Oise lebte 16 (Abb. 3). Die Bilder der noch Lebenden und der verstorbenen großen Alten Louis Artan (1837-1890): Seelandschaß bei Blankenberge, 1871 (Gent, Museum voor Schone Künsten) Charles-François Daubigny (1817-1878): Ein Apfelgarten, um 1870 (New York, The Brooklyn Museum)

Next

/
Oldalképek
Tartalom