Markója Csilla szerk.: Mednyánszky (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)

Das Leben und die Kunst von László Mednyánszky, mit besonderer Rücksicht auf die Periode vor - Zsófia Kiss-Szemán: Mednyánszky und der Wiener „Stimmungsimpressionismus"

1877 verließ Mednyánszky Frankreich mit außerordentlich wertvollen Erfahrungen und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass er eben hier zum eigentlichen Landschaftsmaler geworden war. Nicht nur seine technische Vervollkommnung ist auf diesen Aufenthalt zurückzuführen, sondern auch die freie Entfaltung seiner Orientierung. Das dichte künstlerische Milieu in Paris und Umgebung bot ihm die Möglichkeit, aus vielen Richtungen und Bewegungen zu wählen, und so zu seinem eigenen Weg zu finden. Prägend für ihn war ohne Zweifel das Erlebnis von Barbizon. Das sich unter diesem Einfluss entwickelte Erfassen der Landschaft und die Art der Malerei jener Zeit sollte sein Schaffen noch lange begleiten, bis etwa zum Ende der 1880er Jahre. Eigentlich finden wir sie in seinem ganzen Werk. Drei grundlegende Tendenzen charakterisieren Mednyánszkys Werk zwischen seinen beiden Frankreichauf­enthalten, also zwischen 1877 und 1889: die Entfaltung der Erfahrungen aus Barbizon, die Bereicherung des Schaffens durch neue Motive, Stimmungen und Art der Malerei, sowie das Streben nach Ausgewogenheit in der figuralen und der Landschaftsmalerei. Über die Zeit zwischen 1877 und 1881 erfahren wir detailliert aus seinem frühen Tagebuch. 5 Mednyánszky unternahm zahlreiche Reisen durch Ungarn, die Monarchie und besuchte auch Italien. Kurz nach seiner Rückkehr aus Frankreich, 1877, hielt er sich in Szolnok auf, bald darauf war er in Wien, um die Kunstszene kennen zu lernen. Szolnok und Wien waren sicher prägend für seine Kunst, die Anregungen aus Barbizon aber blieben weiterhin bestim­mend in seinem Werk. Die bedeutendste Errungenschaft des Aufenthaltes in Szolnok ist die Eröffnung und Erweiterung des Horizonts in seinen Gemälden und ein subtileres Einsetzen des Lichtes. 6 Diese Anregungen zeigen sich zunächst zaghaft, als vielfältiges Spiel von Licht und Schatten. Später bewältigte sie der Maler als reines Phänomen. Mednyánszkys Begegnung mit der weiten Ebene hinterließ auch eine starke Wirkung auf seine Persönlichkeit als „Maler und Denker". Die Entdeckung des „grenzenlosen Horizonts" (dieser Begriff wird im Tagebuch des Malers sowohl in physischer als auch psychischer Bedeutung verwendet) 7 bedeutete für ihn die Erweiterung des Seins, das unter anderem auch die Kunst erfasst. Die Entdeckung neuer Möglichkeiten und Tatsachen wurde für Mednyánszky von besonderer Bedeutung. Einmal das Wunder des Himmels, auf dem sich manchmal dramatische Kämpfe der Wolken abspielten, ein anderes Mal die senti­mentale Stimmung beim Zerfließen des Sonnenlichtes - das alles nahm Mednyánszky mit den Augen des Malers zum ersten Mal in Szolnok wahr. Er ging dorthin, wohin einige Jahrzehnte zuvor auch August von Pettenkofen aus Wien und nach diesem viele andere österreichische Maler zogen, um das Licht des Himmels und die Spiegelung desselben im Wasser zu beobachten und die besonderen atmosphärischen Erscheinungen im Bild cin­zufangen. Unter diesen Künstlern war auch die Malerin Tina Blau, die eine vergleichbare Atmosphäre, ähnlich László Paál, nicht nur in Szolnok, sondern auch in der holländischen Landschaft suchte und fand. Mednyánszky reiste im Jahr 1879 ein weiteres Mal nach Szolnok und gleich darauf nach Italien. Die Kopfstudien, die dort 8 entstanden sind, sollten jedoch nicht als Indiz für neue Merkmale seiner Malkunst gewertet werden. In der Landschaftsmalerei ging es ihm in erster Linie um die Steigerung des Kontrastes hinsichtlich der Lichtintensität, in der figuralen Malkunst strebte er wiederum nach einer Betonung der typischen und charakterisierenden Züge des Kopfes, die er durch einen starken Kontrast und mithilfe der Intensität des Lichtes steigern wollte. Im großen und ganzen aber hat sich die grundsätzliche Orientierung des künstlerischen Schaffens Mednyánszkys durch den Einfluss des italienischen Aufenthaltes nicht verändert. Aus seinen Tagebüchern erfah­ren wir, dass er sich nach der Heimat sehnte, die ihm seine Aufgaben klar vor Augen führte. Doch ist nicht zu übersehen, dass er die Reise nach Italien zur Vervollkommnung der Gestaltung des Menschen nützte. So notierte er im Tagebuch aus dem Jahr 1880, dass er sich bewusst von der Natur, respektive von deren Darstellung entfernen musste, da er es für notwendig befand, beim Zeichnen der Figur zu den schematischen Anfängen zurückzukehren. 9 Mednyánszkys Interesse im Rahmen seiner künstlerischen Tätigkeit war schon damals ausgeprägt und er versuchte bewusst, zu seiner früheren Orientierung in der eigenen Malkunst zurückzukehren. Zwischen 1880 und 1883 mietete Mednyánszky ein Atelier in Wien. Er ließ seine alten Kontakte wieder aufleben und verkehrte mit den Repräsentanten der Wiener Landschaftsmalerei, die sich ebenfalls unter dem Einfluss der Landschaftsmalerei aus Barbizon formiert hatten. Über die Beziehung von Mednyánszkys Schaffen und der Wiener Malerei gibt es in der Fachliteratur weni­ge Hinweise, zumeist wird diese sogar ablehnend behandelt. So schreibt Malonyay in seiner Monographie über Mednyánszky aus dem Jahr 1905: „Damals stagnierte das künstlerische Leben in Wien. [Mednyánszky] suchte sehr eifrig nach Leuten, von denen er etwas lernen konnte, aber er entdeckte insgesamt nur drei interessante Menschen: Schindler, Robert Russ und Canon. Von diesen verkehrte er meist mit Schindler: er mochte seine Art des Malens." 10 Aus diesen Worten, die die einzigen sind, die Malonyay den Wiener Malern dieser Zeit gewidmet hat, kann man schließen, dass man damals in Ungarn das Kunsttreiben in der Kaiserstadt nicht allzu hoch bewertet hat, und dass der Einfluss der Wiener Maler nicht geschätzt wurde. Die Bedeutung der Wiener Barbizoner wurde erstmals von Maria Schanzer erkannt, indem sie den Einfluss der Wiener Maler auf Mednyánszkys Werk analysierte. Schanzer stellte fest, dass die Grundstimmung im damaligen Wien wegen Hans Makart nicht sentimental, sondern dekorativ gewesen wäre. Mednyánszky aber gelangte in die Nähe des August von Pettenkofen, der ihn auf die modellierende Kraft des Lichtes, die damit einhergehende Stimmung und Steigerung der Plastizität aufmerksam machen sollte. Sie erwähnte weiter, dass sich Mednyánszky mit Schindler anfreundete und dass beide Künstler folgende gemein­l László Mednyánszky: Knabenkopf mit grünem Hut / Hlava paholka v zelenom klobüciku, um 1880, Öl auf Holz, 26,8 x 17,8 cm (SNG, Inv.-Nr. O 618)

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