Jávor Anna szerk.: Enikő Buzási: Ádám Mányoki (1673–1757), Monographie und Oeuvrekatalog (A Magyar Nemzeti Galéria kiadványai 2003/2)
Vorwort
Die zweite Berliner Periode Pesne und Mányoki (1711) Der zweite starke künstlerische Einfluß, der an den Werken Mányokis aus der zweiten Berliner Periode neben den Anregungen aus der holländischen Porträtmalerei deutlich erkennbar wird, rührte von der Malerei Antoine Pesnes her, der sich kurz zuvor, 1710, in Berlin niedergelassen hatte und 1711 zum Hofmaler Friedrichs I. ernannt wurde. Die Art und Weise und die Bedeutung der Wirkung von Pesne auf Mányoki waren früher ungeklärt. Lázár, der seine Untersuchungen in erster Linie auf die Sammlungen auf sächsischem Gebiet und auf dort befindliche Werke und Quellen konzentrierte, ließ die Berliner Zeit im Jahr 1711 - auch mangels Werke, die sich auf diese Zeit hätten datieren lassen - völlig außer acht. Uber die Beziehung des Malers zu Pesne machte er unter Berufung auf Hagedorn nur eine kurze Bemerkung im Zusammenhang mit einem späteren Berlin-Aufenthalt im Jahr 1714, als Mányoki für August den Starken Bildnisse von Friedrich Wilhelm I. und der Herrscherfamilie malte. 1 Die Tätigkeit von Pesne am Berliner Hof war eigentlich bereits aus den Mitteilungen Paul Seidels seit Anfang des 20. Jahrhunderts ziemlich genau bekannt, 2 aber eine detaillierte Übersicht über die Ausstrahlung des Künstlers auf die Zeitgenossen und die Nachfolger wurde erst durch die Bearbeitung des gesamten Lebenswerkes in der 1958 veröffentlichten Werkmonographie möglich. 3 Der Einfluß der Frühwerke von Pesne auf die Malerei Mányokis wurde zuerst von Helmut Börsch-Supan aufgeworfen, und zwar im Zusammenhang mit biographischen Ausführungen bezüglich einiger Werke Mányokis, aufgrund seines Berliner Aufenthaltes in den Jahren 1710/11 und eines kurzen Aufenthaltes von Pesne in Dresden im Jahr 1718. 4 Es liegt am Charakter dieser Mitteilungen, daß diese Feststellungen ohne eingehende Begründung oder Analyse vorgebracht wurden. Pesne fand nach seiner Ausbildung an der Pariser Akademie und nach mehrjährigen Studien in Venedig zu seinem persönlichen, kraftvoll malerischen Stil, in dessen Farbenwelt venezianische und niederländische Anregungen auf einzigartige Weise verarbeitet sind. In seinen Frühwerken sind - je nach Gattung und Thematik gesondert - Einflüsse der großen Zeitgenossen der französischen Porträtmalerei - vor allem von Rigaud - und der Widerhall der späten Bildnisse von Rubens gleicherweise zugegen, wobei auch sein Interesse für die Atmosphäre und das innig-warme Kolorit der venezianischen und bolognesischen (an Crespi erinnernden) Genrebilder seiner Zeit greifbar wird. Mányoki war in der nordischen (deutschen, holländischen), von den traditionellen Lösungen des höfischen und bürgerlichen Bildnisses geprägten Variante der Porträtmalerei beziehungsweise in den zeitgemäßeren, moderneren französischen Abarten der repräsentativen Typen bewandert, so konnte ihm Pesne mit seiner völlig anderen Schulung eine frische malerische Anschauung sowie die Möglichkeit der Vereinigung des Genres mit dem Bildnis vermitteln. Davon zeugt das in Berlin entstandene Selbstbildnis (A. 92), dessen malerische und koloristische Voraussetzungen in Pesnes einfigurigen volkstümlichen Genrebildern entdeckt werden können. Von der Farbenwahl des Berliner Malers in seinen Genreporträts, vom charakteristischen Ensemble der warmen Braun- und Rottöne mit gebrochenem Weiß, ist auch Mányokis Selbstbildnis gekennzeichnet, und zwar in einer bei ihm zuvor unbekannten - und auch später nie wiederkehrenden - häuslich unmittelbaren Vortragsweise. Es war gerade die direkte Wirkung von Pesnes etwa zeitgleichen Arbeiten, die die Unterbringung des zuvor unsicher datierten Werkes im Schaffen Mányokis ermöglichte. Die Inspirationsquellen des Selbstbildnisses lassen sich von Detail zu Detail verfolgen. Die vermutliche Vorlage für die lässige Arbeitskleidung, das offene Hemd, war das ähnlich komponierte Selbstbildnis von Johann Heinrich Roos aus dem Jahr 34. Johann Heinrich Roos - Philipp Kilian: Selbstbildnis, 1684 Frankfurt am Main, Historisches Museum