Nagy Ildikó szerk.: A Magyar Nemzeti Galéria Évkönyve 1992-1996 (MNG Budapest, 1998)
BUZÁSI, Enikő: EINIGE KAPITEL AUS DEM LEBENSWERK DES BILDNISMALERS ÁDÁM MÁNYOKI - Arbeiten für den Dessauer Hof sovie für Auftraggeber in Dresden und Leipzig. In Nachstichen überlieferte Werke (1714-1723)
erhebliche Anzahl von Bildniskupfern auch heute noch bezeugt werden. Es liegt auf der Hand, im Zusammenhang mit diesem neuartigen Prozeß die Wirkung der Beziehung mit Martin Bernigeroth, der für den Leipziger Markt arbeitete - bezüglich der Absetzung seiner Werke ist das im Wortsinn zu nehmen 241 - und die unmittelbaren Eindrücke von den französischen Vorbildern, die der Stecher „verwertete", in Betracht zu ziehen. Die Anzeichen dieser Wende, dieser Neuerungsabsicht, lassen sich bei Mányoki vor allem in der Verwendung von bezeichnenden Lösungen der Kompositionen von Rigaud und Largillière und in der Aneignung einer gefälligeren, eleganteren Kompositionsweise erkennen. Diese Bestrebungen treten vor allem in Bildnissen in Erscheinung, deren Dargestellte vermutlich zum Einflußbereich des Dresdener Hofes gehörten. So ein zur Zeit verschollenes Dreiviertelporträt eines unbekannten Edelmannes aus der Zeit um 1719, einst im Stadtmuseum von Danzig, an dem der Einfluß der französischen Vorbilder auf die Kompositionsweise Mányokis am deutlichsten in Erscheinung tritt (Kat. Nr. 95). Die Behandlung der Draperien, die bezeichnende Pose und die Geste der Hand knüpfen sich derart eng an die oft wiederkehrenden Lösungen Largillières an, daß man die Inspiration durch Nachstiche des französischen Meisters mit Sicherheit annehmen darf. 242 Eine gleich enge Verbindung mit den französischen Vorbildern zeigt noch ein weiteres Kniestück im Krakauer Nationalmuseum, das einen unbekannten Mann im Harnisch darstellt. Die Bewegtheit der Komposition und die enge Verwandtschaft mit den Vorbildern werden auch hier durch die bei Rigaud wohl bekannte und auch bei Largillière oft vorkommende halbe Drehung 243 gewährleistet, die auch hier, wie so oft bei Rigaud, durch den schwungvollen Kontrapost der in die Hüfte gestemmten Hand und des nach hinten greifenden Armes begleitet wird (Kat. Nr. 90). Ein weiteres ansprechendes Halbfigurenbildnis aus der Zeit um 1718, in der Literatur als Bildnis der Gräfin Montmorency bekannt, wird ebenfalls durch die in die Hüfte gestemmte Hand und das früher bei Mányoki unbekannte gegensätzliche Bewegungsmotiv der halben Drehung des Körpers und des zurückblickenden Kopfes gekennzeichnet. Dieses Bildnis steht nicht nur in der Komposition, sondern auch in der Eleganz und in der Großzügigkeit der Mal weise und in den Kontrasten der Lichtbehandlung - meines Erachtens auch zeitlich dem Männlichen Bildnis in Harnisch in Krakau nahe (Kat. Nr. 85). Aufgrund der Komposition und des deutlichen Kontrapostes gehört noch ein weiteres unveröffentlichtes Halbfigurenbildnis eines vornemen Herren in rotem Mantel, ein Kriegsverlust des Berliner Schloßmuseums in diesen Zusammenhang, das nur mehr von Archivfotos bekannt ist (Kat. Nr. 96). Dieses Gemälde scheint in den Sammlungsinventaren als Werk eines unbekannten Malers auf, aber ich glaube es wegen der engen Verwandtschaft in der Malweise und der Formbehandlung mit den Bildnissen aus den Jahren um 1720 (Graf Georg Wilhelm Werthern, Unbekannter Edelmann, einst Danzig) Mányoki zuweisen zu dürfen. Während an den bisher aufgezählten Werken eher nur kompositionelle und typologische Entsprechungen entdeckt werden konnten, findet sich in dieser Periode ein einziges bekanntes Beispiel das Bildnis des Grafen Georg Wilhelm Werthern, auch malerisch eines der ausgereiftesten Werke dieser Zeit -, bei dem Mányoki auf ein konkretes Vorbild von Largillière zurückgriff (Kat. Nr. 94). Das Vorbild war ein Dreiviertelporträt des Thronfolgers Friedrich August (des späteren August III.), das anläßlich seines Aufenthaltes in Paris 1714—1715 ausgeführt wurde. 244 Das 1719 gemalte Bildnis des Grafen Werthern scheint wegen der Kopfhaltung, der Perücke und der Anordnung des Mantels eine Variante des Porträts des Thronfolgers in Brustbildformat zu sein, obwohl die Art und Weise der Übernahme der Komposition von Seiten Mányokis unklar bleibt. Es läßt sich nämlich nicht nachweisen, daß Largillières Bild jemals nach Dresden gelangte, und die Provenienz des Gemäldes kann nur bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts zurückverfolgt werden, als es bei der Versteigerung der Sammlung Hohenlohe in Paris auftauchte. 245 Die Komposition des französischen Malers ist nur über eine mittelmäßige Kopie von Louis de Silvestre am Dresdener Hof bekannt geworden, welche aber die französische Leichtigkeit und Eleganz völlig vermissen läßt, die Mányoki im Bildnis Graf Werthern - sozusagen Largillière heraufbeschwörend - realisieren konnte. Ähnlich unklar ist der stilistische und kompositionelle Zusammenhang, der zwischen dem Bildnis Werthern und einem unsignierten Dresdener Bild Largillières besteht - und im übrigen mehr als die vorhin erwähnte Analogie ins Auge sticht. 246 Das Brustbild zeigt traditionsgemäß den Kämmerer Montargu, und die genauen Entsprechungen und Übereinstimmungen in der Behandlung der Details und der Malweise harren noch der Erklärung im Hinblick auf die Mányoki-Forschung. Die Aufdeckung der Zusammenhänge stößt allerdings auf Hindernisse, denn einerseits läßt sich die Provenienz des Largillière-Bildes nur bis 1778 zurückverfolgen, als