Nagy Ildikó szerk.: A Magyar Nemzeti Galéria Évkönyve 1992-1996 (MNG Budapest, 1998)
BUZÁSI, Enikő: EINIGE KAPITEL AUS DEM LEBENSWERK DES BILDNISMALERS ÁDÁM MÁNYOKI - Arbeiten für den Dessauer Hof sovie für Auftraggeber in Dresden und Leipzig. In Nachstichen überlieferte Werke (1714-1723)
berufsmäßigen Arbeiten auch noch jene Reihe von Künstlerbildnissen hinzunimmt, die wohl als Anerkennung der Berufskollegen, als Eingliederung Mányokis in die Künstlergemeinschaft zu verstehen sind. Wie bereits erwähnt, bildete neben den Arbeiten für August den Starken im Jahr 1714 die Porträtierung der Familie des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau den anderen bedeutenden Auftrag Mányokis. In dem bereits zitierten Gesuch des Jahres 1735, in dem auch sein Aufenthalt und seine Arbeiten in Dessau angeführt sind, erwähnt der Künstler „mehr als neun Bilder", von denen er die vier oben behandelten Stücke für den Dresdener Hof ablieferte, weitere sechs haben sich aber in der Familiensammlung der Dessauer erhalten. Drei davon sind schon bei Lázár behandelt. Eine davon ist das ursprünglich halbfigurige Bildnis, dessen Dargestellte früher vermutungsweise für Prinzessin Marie Eleonore von Anhalt-Dessau, die Gattin des Herzogs Georg Joseph Radziwill gehalten, neuerdings aber als Anna Luise, die Gattin des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau erkannt wurde (Kat. Nr. 72). Unter den Dessauer Arbeiten ist es das einzige Bildnis, das eine enge Verbindung zu den Berliner Bildnissen der vorangegangenen Zeit - und einen gleich starken Einfluß von Pesne erkennen läßt. Dieses später von fremder Hand zum Kniestück ergänzte Brustbild gehört zu jenen Arbeiten, die wegen ihrer künstlerischen Qualität und der Nähe zu Pesnes malerischen Lösungen in der Monographie Berckenhagens unter den Arbeiten des Berliner Malers behandelt werden. 218 Im Zusammenhang mit dem unter Vorbehalt Pesne zugeschriebenen Bildnis wurde der Name Mányokis nur in der älteren Literatur vor Lázárs Monographie erwogen, 219 worauf Lázár dieses Bildnis mit vollem Recht Mányoki zuschrieb. Im heutigen, in den Kleiderpartien zum Teil übermalten Zustand läßt sich das Porträt nur anhand des Kopfes und der Brustpartie beurteilen, aber es zeigt auch so eine derart enge Verwandtschaft mit dem in Dresden befindlichen, signierten Bildnis der Henriette von Anhalt-Dessau, daß wir die Autorschaft Mányokis bezüglich des Dessauer Bildes nicht mehr zu bezweifeln brauchen. Die weiteren vier Bilder, die sich mit dem Dessauer Aufenthalt des Künstlers verbinden lassen, stellen die Söhne des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau dar. Lázár kannte und veröffentlichte nur zwei davon, das Bildnis des Prinzen Dietrich von Anhalt-Dessau und das des Prinzen Leopold Maximilian von AnhaltDessau, die seit dem Zweiten Weltkrieg beide verschollen sind (Kat. Nr. 61, 70). Die Komposition und die malerische Lösung verweisen auch das Bildnis des älteren Sohnes Wilhelm Gustav von AnhaltDessau in diese Reihe, das bereits in der älteren Literatur als ein Werk Mányokis geführt wurde, aber bei Lázár nicht angeführt ist (Kat. Nr. 74). Die drei etwa zehnjährige Kinder verewigte der Maler in Halbfigur, in Harnisch und mit Hermelinmantel vor einheitlichem dunklem Hintergrund, von dem nur die stark beleuchteten Gesichter mit den grätig gemalten Allongeperücken, das Hermelin der Mäntel und die gedämpften Lichter des Harnisches abheben. An allen drei Bildnissen spürt man die selbstbewußte, elegante, man möchte sagen, französische Überlegenheit, die wieder an das französische Porträt, vor allem an Largillière als Inspirationsquelle verweisen. Der Einfluß des französischen Malers sticht besonders an den Bildnissen von Wilhelm Gustav und Leopold Maximilian ins Auge, und zwar wegen des etwas aufgeworfenen Kopfes, der leichten Untersicht, eines der bezeichnendsten Merkmale der überwiegend dreiviertelfigurigen männlichen Bildnisse Largillières, das bei Mányoki sonst nicht vorkommt. Ich glaube, daß Mányoki im Verlauf seiner gesamten Laufbahn hier, bei diesen drei Kinderbildnissen dem ersehnten hohen Niveau, wie sie die „großen" französischen Zeitgenossen vertraten, am nächsten heranreichte, wenigstens was die Eleganz der Komposition, die formale und technische Feinheit und vor allem die natürliche Würde der Erscheinungsform anbelangt. Mányoki hat hier etwas begriffen, was er auch zum Ausdruck bringen konnte, daß nämlich die höhere Qualität des höfischen Porträts nicht einfach nur in der Eleganz der Pose und der Requisiten, in der gefälligen Darstellung und im überzeugenden Anblick begründet ist. Die Umsetzung dieser Erkenntnis macht diese drei Kinderbildnisse dem Wesen nach und nicht nur äußerlich zu „höfischen Porträts", die aber zugleich paradoxerweise die malerische Intimität - sonst ein wesentlicher Zug seiner künstlerischen Handschrift - am meisten vermissen lassen. Aufgrund von wesentlichen Übereinstimmungen mit dem einzigen erhaltenen der drei Kinderbildnisse, dem des Prinzen Wilhelm Gustav von Anhalt-Dessau - aufgrund der gesamten Komposition, der Lichtführung, der Behandlung der Haare und des Harnisches - läßt sich vielleicht auch das signierte Halbfigurenporträt des Fürsten Leopold von AnhaltDessau mit diesem Dessauer Aufenthalt in Zusammenhang bringen, das im Jahr 1927 aus dem Berliner Kunsthandel in die Des sauer Amalienstiftung gelangte: es handelt sich um die Replik der Dresdner ersten Fassung, die laut der Rechnung von 1714 für August den Starken ausgeführt wurde (Kat. Nr. 68). Manche Details der Modellierung des Gesichts, die leichte Pinselführung, die lockeren Farbtupfer bewahren noch ziemlich viel von den Lösungen