Fehér György szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1995-1997 (Budapest, 1998)
ZSIGMOND CSOMA-GYÖRGYI GYÖRKÉ: Die bäuerliche und bauer-bürgerliche Lebensform und Trianon - Tatsachen und Illusionen im Leben der Minderheiten Mitteleuropas (Historisch-ethnographische Ausstellung zum Anlaß des 75. Jahrestages der Unterschreibung des Friedensvertrages von Trianon)
stieg nach der Verabschiedung des Emanzipationsgesetzes von 1867 sprunghaft an, besonders zwischen 1880 und 1914. Der osteuropäische Prozeß der Nationbildung und der Eigenstaatlichkeit zersetzte seit Jahrzehnten das Habsburgerreich und später auch die Österreich-Ungarische Monarchie. Im Karpaten-Becken, wo viele Nationalitäten zusammenlebten, verfügten nur die Ungarn und die Kroaten über eine als vollständig zu bezeichnende Gesellschaftsstruktur. Die anderen Volksgruppen bildeten eine unvollendete Gesellschaft. Die Erfassung des ethnischen Bestandes der bürgerlichen rumänischen, slowakischen und serbischen alten Nationalgemeinschaften machte es der gebildeten Schicht der Nationalitäten klar, daß es zwischen dem „geschichtlichen Rumänien und geschichtlichen Slowakien" und dem „ethnischen Rumänien und etnischen Slowakien" gravierende Unterschiede gibt. Die Absicht, das Nationalterritorium der Nationalitäten abzustecken, verknüpfte sich mit dem politischen Begriff der nationalen Identität und der Idee der nationalen Selbständigkeit. Die extremste Erscheinung dieses Prozesses war der Vortrag von Benes an der Sorbonne, wo er die Studenten offen aufrief, folgende Losung gebend: „Schlagt die Österreich-Ungarische Monarchie auseinander. " Dabei war die Monarchie nicht nur ein von vielen Nationalitäten, vielen Religionen und vielen Kulturen gekennzeichnetes politisches Konglomerat, sondern auch eine relativ gut organisierte, auf Gebiets-Arbeitsteilung basierende wirtschaftliche Einheit, wo die geschichtlich-ökologischen Bedingungen auf dem Innenmarkt gut zur Geltung kommen konnten. Das verhältnismäßige Florieren der Wirtschaft der Monarchie erwies sich auch darin, daß sie Ungarn und auch Budapest zu einem wirtschaftlich-kulturellen Zentrum des bedeutendete Reiches Europas machte. Die Monarchie bedeutete den Vorteil der aufeinander angewiesenen, zusammenarbeitenden Partner, in dem aber die Nationalitäten nicht als gleichrangige, föderalistische Gebietseinheiten teilnehmen durften. Mit der Niederlage im ersten Weltkrieg löste sich die Monarchie auf. Doch 1918-1919 löste sich auch das seit dem 10. Jahrhundert das Karpaten-Becken füllende sog. geschichtliche Ungarn auf. Bei der Absteckung der Gebiete der neuen Staaten hat man neben den ethnischen Verhältnissen auch strategische, wirtschaftliche und verkehrsbezogene Gesichtspunkte in Betracht gezogen und bei der Bestimmung der Grenzen in jedem Fall zu Gunsten der neuen Nachfolgestaaten entschieden. Die selbständige nationalstaatliche Existenz, die grimmige Gehäßigkeit zwischen den Nationalitäten und die Gegensätze hatten Gebietsforderungen und später die Besetzung der Randgebiete Ungarns zur Folge. Am 4. August 1919 marschierte sogar eine rumänische Division in die ungarische Hauptstadt ein und zwei weitere wurden in der Nähe stationiert. Die Rumänen rekvirierten riesige Sätze und transportierten sie hinaus. Nur nach langer Überzeugung gesprächen der Entente sind sie vom 24. Februar bis Ende März hinausgezogen. Die Rote Armee der Räteregierung schlug sowohl die slowakischen als auch die rumänischen Eindringenden zurück, doch auf der Friedensverhandlung wurde die Räteregierung als Verhandlungspartner nicht akzeptiert und die ungarische Friedensdelegation auch später mit Mißtrauen empfangen.