Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Timár, Eszter: Regionale Umgestaltung der traditionellen Landwirtschaft Ungarns in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
deutsame Stelle einnahm. Die größten Weiden befanden sich auf den fruchtbarsten Gebieten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann sich jedoch das Eisenbahnnetz auszubreiten; parallel damit konnten für ungarisches Getreide auch ausländische Märkte erschlossen werden, wodurch der Getreidebau — im Verhältnis zur extensiven Tierzucht — sich zu einem ertragreicheren Anbauzweig entwickelte. Demzufolge wurde der Großteil der sich als Ackerfeld eignenden fruchtbaren Weiden aufgepflügt. Die am stärksten dynamische Entwicklung kann in dieser Hinsicht im Komitat Heves verzeichnet werden, wo mehr als ein Fünftel der Weiden für die Ackerbestellung in Anspruch genommen wurde. In den von den Wasserstraßen und Eisenbahnlinien entlegenen — mit Transportschwierigkeiten kämpfenden — Regionen erfolgte das Aufackern der Weiden — wie dies aus der Landkarte hervorgeht, — zu diesem Zeitpunkt bloß in geringem Ausmaß (Abb. 3). Die natürlichen Heuwiesen erstreckten sich Anfang der fünfziger Jahre noch auf 12,4 v. H. : in dieser Rate sind aber auch die Gärten inbegriffen. Ende des 19. Jahrhunderts verminderte sich ihr Anteil jedoch auf 8,9 v. H. Dies ist teils der getrennten Erfassung der Gärten zuzuschreiben; aber auch die Einschränkung der Wiesen kommt in dieser Rate zum Ausdruck. Die Verminderung der Wiesen war hauptsächlich in den Komitaten jenseits der Theiß erheblich, wo es weniger Niederschlag gab und dadurch auch geringere Heumengen eingebracht werden konnten; hier wurde bis Ende des Jahrhunderts etwa die Hälfte der Heuwiesen aufgepflügt. In den höher gelegenen Regionen kam die Verringerung der Wiesen weniger zur Geltung (Abb. 4). Für die Bedeutung des Weinbaus ist es kennzeichnend, daß die Weingärten sich auf eine Fläche von etwa 50 000 Katastraljoch erstreckten. Gegen Ende des Jahrhunderts war zwar eine gewisse Verminderung zu verzeichnen, dies war aber der Phylloxera-Epidemie und nicht der Zurückdrängung der Kultivation zuzuschreiben. Die größten Verwüstungen hat die Reblaus auf den Weingegenden von historischer Bedeutung herbeigeführt. In den Komitaten Borsod. Abaúj-Torna, Heves und Nógrád verminderte sich das Gebiet der Weingärten im Laufe von 15—20 Jahren um zwei Drittel (Abb. 5). Mitte des vorigen Jahrhunderts nahmen die Schilfdickichte eine bedeutende Fläche des Landes — etwa 300 000 Katastraljoch — ein. Zufolge der Stromregulierung und Hochwasserschutzabwehr verringerte sich dieses Gebiet auf 135 000 Katastraljoch, d. h. um etwa ein Drittel. Auf den vom Schilf befreiten Geländen konnte man mit der Ackerbestellung, sowie Wiesen- und Weidenbewirtschaftung beginnen (Abb. 6). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch unproduktive Gebiete nutzbar gemacht, wodurch die Kulturpflanzen-Regionen um nahezu 500 000 Katastraljoch ausgeweitet werden konnten. In der Gegend zwischen Donau und Theiß wurde die unproduktive Fläche durch Bindung des Sandbodens vermindert. Zufolge des ständigen Vordringens der Ackerfelder nach höher gelegenen Geländen wurde es zur unerläßlichen Notwendigkeit, die bisher unverwertbaren Karstgebiete als Weiden nutzbar zu machen (Abb. 7). Die Karten und die hier geschilderten Verhältnisse gewähren ein getreues Bild über die wichtigsten räumlichen Wandlungsprozesse der traditionellen ungarischen Landwirtschaft im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts,