Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Wellmann, Imre: Die neuzeitliche „landwirtschaftliche Revolution" und ihre Anfänge in Ungarn

daß von den 1780er Jahren an auch Zeitschriften gerne Aufsätze über aktuelle Fragen der Landwirtschaft veröffentlicht haben, ja im Jahre 1796 bereits die erste ungarische landwirtschaftliche Fachzeitschrift ins Leben gerufen wurde/' Zweifellos handelte es sich dabei nicht bloß um eine aufgegriffene Mode, auch nicht um ein oberflächliches Interesse. Es ist nämlich kein Zufall, daß weitere Veröffentlichungen, die ebenfalls Ergebnisse ausländischer Autoren — von einem Österreicher und von J. C. SCHUB ART — an die heimischen Land­wirte übermittelten, durch die Propagierung des Futterbaus als zentralen Elements den am besten begehbaren Weg zur Einführung der neuen Land­wirtschaft zu erschließen versucht haben. 5 Von 1777 an aber war die Übersetzung fremder Arbeiten eigentlich nicht mehr nötig: seit diesem Jahr stand nämlich aus der Feder eines ungarischen Verfassers, L. MITTERPACHER, vorläufig bloß in lateinischer Sprache, ein wahrhaftig modernes umfangreiches Fachbuch zur Verfügung. 6 Sein Werk zeugt von einer weitgehenden Kenntnis der westeuropäischen Literatur, ohne jedoch deren Ergebnisse und Anschauungen servil zu übernehmen. Er ist ein unbedingter Anhänger der Abschaffung der Brache: seiner Meinung nach verbessert nämlich das Rasten den Boden nicht, sondern hagert ihn noch mehr aus. Statt dessen eifert er eine intensive Düngung an und lenkt die Aufmerksamkeit auf die richtige Proportion von Ackerfeld und Grünland, um den nötigen Viehbestand halten zu können. Er hält den Wechsel der Ge­treidearten mit Rüben. Futtergräsern und Hülsenfrüchten für richtig. Für ihn ist die Gemeinweide bei weitem nicht eine entsprechende Futterbasis der Viehzucht, doch nimmt er auch gegenüber dem anderen Extrem, der ständigen Stallfütterung aufgrund gesundheitlicher Erwägungen einen kritischen Stand­punkt ein und hält es für richtiger, das Vieh im Freien, in geräumigen Um­zäunungen zu halten. Seine Arbeit kann auch mit europäischem Maßstab mit Recht zu den besten zeitgenössischen systematischen Landwirtschaftslehren fort­schrittlichen Geistes gerechnet werden. Auch der Wiener Hof hat sie derart geschätzt, daß er sie für die Lombardei in italienischer Sprache zweimal erscheinen ließ. Auch in lateinischer Sprache wurde das Buch noch im Jahre 1816 in einer Neuauflage veröffentlicht. 7 Es ist nicht überraschend, daß MITTERPACHERs Werk auch den weite­ren ähnlichen heimischen Fachbüchern sein Gepräge aufgedrückt hat. M. PANKL folgte in seiner in drei Auflagen erschienenen Arbeit völlig den Spuren von MITTERPACHER, hat jedoch die Vorführung des Planzenbaus und der Viehzucht mit seinen auf die Einrichtung, Verwaltung und Ertragbarkeit der Wirtschaft bezüglichen Erörterungen ergänzt. 8 In hohem Maße stützte sich ^Vizsgálódó Magyar Gazda (Der Forschende Ungarische Landwirt) u. a. $Institvtio practica de vsv et cvltvra qvarvmdam praecipvarvm pabvlationi ac cibationi pecorvm vtilivm plantarvm: vtpote vnici certiqve ad emendationem rei pecvariae, agricvltvrae et oeconomide domesticae praesdii. Vienna 1782. — Auszüge­aus Herrn Hofrath Schubart-s Ökonomisch-kameralistischen Schriften, zur Aufnahme der zahmen Viehzucht und Einführung der Stallfütterung. Pressburg 1788. °MITTERPACHER, LUDOVICUS. Elementa rei rusticae in usum academiarum Regni Hungáriáé conscripta, I —III. Buda 1777—1794. 'MITTERPACHER, LODOVICO. Elementa d'agricoltura, I—II. Milano 1784; I—III. Milano 1794. — 2. Auflage in lateinischer Sprache: Buda 1816—1817. 8 PANKL, MATTHAEUS, Compendium oeconomiae ruralis. Buda 1790; Posonium 1793; Buda 1797.

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