Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Wellmann, Imre: Die neuzeitliche „landwirtschaftliche Revolution" und ihre Anfänge in Ungarn
eines günstigen physischen Zustands des letzteren eine Hilfe boten, sondern auch das Miteinbeziehen der bis dahin unbenutzten Bodenschichten in die Produktion ermöglicht haben. All dies führte zum Ergebnis, daß obwohl sich die Saatfläche des Getreides vermindert hat, seine Produktion dennoch nicht zurückgefallen ist, und der Ackerboden im ganzen genommen einen größeren, vielseitigeren Ertrag von besserer und differenzierterer Qualität lieferte. Dadurch wurde eine feste Grundlage dazu geschaffen, um die extremen Fälle von Fülle und Hungersnot, die sich bei dem früheren einseitigen Getreidebau auf chronische Weise abgewechselt hatten, endgültig auszuschalten. Ohne größere Kapitalanlage und gesteigerten Arbeitsaufwand konnte all dies selbstverständlich nicht vor sich gehen. Bis dahin zeigte auch der Arbeitshaushalt der landwirtschaftlichen Betriebe extreme Schwankungen: Hast und Überlastung im Sommer, oft Nichtstun im Winter. Nun wurden die Sorgen um Arbeitskraft dadurch erleichtert, daß die vielseitig gewordene Produktion eine ausgeglichenere, fast in jeder Jahreszeit eingehende, aber keine abgehetzte oder oberflächliche Tätigkeit beanspruchte. Dem Bauern stand bereits weniger Zeit dazu zur Verfügung, um den Bedarf seiner Wirtschaft und seines Haushalts, soweit möglich, durch eigene Arbeit herzustellen; auch die mannigfaltigere und immer mehr massenhaft gewordene Produktion veranlaßte — zufolge der Auflösung der feudalen gebietsmäßigen Zergliederung, sodann durch die Revolution des Verkehrswesens — zur Aufgabe der Selbstversorgung und zum Anschluß an den sich auf das ganze Land bzw. sich über die ganze Welt erstreckenden Marktverkehr. Das sich der Landwirtschaft zuwendende Interesse, die Sorge um das Mehr und das Bessere trugen aber noch weitere enorme Folgen im' Schöße. Der Forschergeist des Menschen, nachdem er die Fesseln der Traditionen abgeschüttelt hatte, drang in der Erforschung der Lebensbedingungen und -prozesse der Haustiere und Kulturpflanzen sowie der Vererbung ihrer Eigenschaften und auf dem Gebiet der Bekämpfung ihrer Feinde immer tiefer vor. Auf diese Art eröffnete sich durch die Einschaltung der Biologie, durch Anwendung der Mechanisierung und der Chemikalien der Weg zur wissenschaftlich begründeten modernen Landwirtschaft. Überblicken wir die neuzeitliche Entwicklung der Landwirtschaft in einer derart weiten Perspektive, so glaube ich, mit Recht von einer revolutionären Umwandlung sprechen zu können. 1 Auf der einen Seite stand die sich auf die rieh möchte also bei dem Ausdruck „neuzeitliche landwirtschaftliche Revolution" verharren, obwohl heute — wie es G. E. MINGAY festgestellt hat — im agrargeschichtlichen Schrifttum das Wort „Revolution" schon altmodisch klingt und bei dessen Gebrauch die Gefahr besteht, daß man für einen gefährlichen Reaktionär oder unbesonnenen Rückständigen gehalten wird; vielmehr wird es bevorzugt, von einem beschleunigten Tempo der landwirtschaftlichen Entwicklung oder von einer Beschleunigung des Wachstumsprozesses zu sprechen. (The "Agricultural Revolution" in English History: A Reconsideration. Agricultural History 37: 1963. 127. Cf. DOVRING, FOLKE. Eighteenth-century Changes in European Agriculture. A Comment. Agricultural History 43/1: 1969. 181.) So vertritt B. H. SLICHER VAN BATH die Ansicht, daß es sich um eine pluralistische Entwicklung handelte und zu einer großen revolutionären Umgestaltung lediglich in Regionen von armer und spärlicher Bevölkerung und von magerem Boden kommen konnte. (Eighteenth-century Agriculture on the Continent of Europe: Evolution or Revolution? Agricultural History 43/1: 1969. 169, 17.) Auch DOVRING (loc. cit. 181—186.) will anstatt „Revolution" den Ausdruck „multiple lock-in" gebrauchen, da er die Eigenart der Landwirtschaft des 18.