Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Jacobeit, Wolfgang: Die Umwandlung der traditionellen Landwirtschaft in volkskundlicher Sicht

mus immer stärker anwachsenden nichtbäuerlichen Schicht — werden von ihren Existenzbedingungen, der Spezifik ihrer unterschiedlichen beruflichen Tätigkeit und den gegen die Besitzbauern unternommenen Versuchen, eine Mitbestimmung oder Gleichberechtigung innerhalb des noch bäuerlich bestimm­ten Dorfes durchzusetzen, geprägt. Eine Mischung von Elementen traditionel­ler bäuerlicher und städtisch-plebejischer Formen von Kultur und Lebensweise ist für die Landarmut, des bedeutenden Teiles der späteren industriellen Re­servearmee, kennzeichnend. Diese sich in den einzelnen sozialen Schichten abzeichnenden Veränderun­gen spiegeln sich besonders deutlieh auch im Bild der ,Dorfgemeinschaft' jener Epoche zwischen Feudalismus und Kapitalismus wider: der bereits am Vorabend der Französischen Revolution beginnende Auflösungsprozeß setzte sich, wenn auch an Intensität und Dauer landschaftlich wieder sehr differen­ziert, fort. Die Agrarreformen, die starke Zunahme nichtbäuerlicher Bevölke­rungsteile, die wachsende Polarisierung der bäuerlichen Klasse, die Aufhebung der Dreifelderwirtschaft, der Einbruch einer die Agrarprodukte verarbeiten­den Industrie, die Mobilität unter dem Einfluß der industriellen Revolution usw. lösten die brauchtümlichen Bindungen. Vereine städtisch-bürgerlichen Charakters begannen das gesellschaftliche Leben auch im Dorf allseits zu beeinflussen. Wenn auch landschaftlich und zeitlich verschieden, gilt die ge­nerelle Feststellung, daß das ehedem bäuerlich geprägte Dorf mehr und mehr zur Wohngemeinde einer unterschiedlich großen Zahl einzelner sozialer Schich­ten wurde. Diesem Wandel trug der bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahr­hunderts in Sachsen eingeführte Verwaltungsbegriff der „Landgemeinde" oder „Gemeinde" an Stelle der alten Bezeichnung „Dorf" Rechnung. 6 In weiten Teilen Ostelbiens gab das Landproletariat in seiner sozialen Differenzierung dem „Gutsdorf" als der typischen Siedlungsform des agrarfkapitalischtich-jun­kerlichen Betriebes bereits das Gepräge. Diese hier nur skizzierten und keineswegs vollständig erfaßten Merkmale eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungsprozesses, der sich im Bereich der werktätigen Klassen und Schichten des Dorfes beim Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus vollzog, sind zunächst Tendenzen, die sich im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts zu spezifischen Formen von Kul­tur und Lebensweise entwickeln, wie sie für den Agrarkapitalismus typisch geworden sind. Sie hatten in der deutschen Geschichte so lange Bestand, bis im Gebiet der heutigen DDR die Grundlagen für die sozialistische Gesellschafts­ordnung gelegt wurden und somit gesetzmäßig auch ein neuer Umwandlungs­prozeß von der kapitalistischen zur sozialistischen Landwirtschaft statt hatte, der durch die Etappen der demokratischen Bodenreform, der Bildung von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und schließlich der Enste­hung von großräumigen sozialistischen Kooperationsverbänden gekennzeichnet ist. Die damit eng verbundenen und tiefgreifenden Wandlungen in Kultur und Lebensweise der Genossenschaftsbauern und Landbarbeiter in der DDR voll­ziehen sich im Vergleich zum 19. Jahrhundert auf einer höheren gesellschaft­lichen Entwicklungsstufe und bilden Formen sozialistischer Bewußtheit und 6BLASCHKE, KARLHEINZ. Strukturwandel und Begriffswandel zwischen Agrar- und Industriegesellschaft. In: Wege und Forschungen der Agrargeschichte. Frankfurt/Main 1967. 230—241.

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