Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Lühning, Arnold: Über eine besondere Methode des Pflügens mit sechs Pferden in den holsteinischen Elbmarschen

das linke Rad gesteckt wurde, von einem kräftigen Mann auf der anderen Seite des Grabens getragen werden. Auf diese umständliche Weise, die vier Pferde und vier Mann erforderte wnd „Absammeln" genannt wurde, pflügte man also fast bis an den äußersten Rand der Uferböschung. Bauern, die es ganz beson­ders genau nahmen, gruben außerdem noch die letzte Kante mit dem Spaten ab, damit sich in der äußersten Furche kein Regenwasser sammeln konnte, das die Kanten hätte in den Graben drücken können (Abb. 3 und 5). Es leuchtet ein, daß das Absammeln und überhaupt das Pflügen dicht an den Rändern der bis zu zwei Meter tiefen Gräben nicht ganz ungefährlich war denn es konnte leicht vorkommen, daß ein Pferd scheu wurde, abrutschte und die anderen Pferde mitriß. Daraus erklärt sich die große Sorgfalt beim Zusammen­stellen der Pfluggespanne, überdies trugen die Pflüger stets ein Kappmesser bei sich, um im Notfall die Zugstränge abschneiden zu können. Leider sind weder das sechsspännige Pflügen noch das vierspännige Ab­sammeln in der Zeit, als diese Arbeiten noch allgemein üblich waren, bildlich dokumentiert worden. Die wenigen Fotos, die es gibt, stammen alle aus dem Anfang dieses Jahrhunderts, als bereits eiserne Pflüge anstelle der hölzernen getreten waren und auch die Art der Anspannung sich geändert hatte: zwei Pflugjungen statt ursprünglich nur eines Jungen und eine lange Mittelkette anstelle der vier Zugtaue. Die Technik des vierspännigen Absammelns wird sehr anschaulich auf einem Foto aus den neunzehnhundertzwanziger Jahren gezeigt, das, obwohl es wahrscheinlich gestellt ist, die Anspannung und das Tragen des linken Pflug­rades mit Hilfe einer langen Stange richtig wiedergibt. Beide Fotos verdeutlichen beispielhaft — und das war das Ziel dieses kur­zen Beitrages —, bis zu welcher Perfektion eine ländliche Arbeit — in diesem Falle das Pflügen — entwickelt werden konnte, aber auch, welchen Auf­wand man dafür unter bestimmten Voraussetzungen zu leisten bereit war. Diese Voraussetzungen bestanden einmal in der besonderen Struktur des Ent­wässerungssystems und der Ackerflächen der Elbmarschen, zum anderen in dem ausreichenden Vorhandensein von Arbeitskräften und Gespanntieren und zum dritten in der Tatsache, daß sich der hohe Arbeitsaufwand, der mit dieser Art des Pflügens verbunden war, angesichts der auf den fruchtbaren Marsch­böden zu erzielenden reichen Ernteerträge lohnte. Wir erkennen, wie sich auf der Basis mehrerer, sich zum Teil gegenseitig bedingender Faktoren ein hochentwickeltes Arbeitssystem herausgebildet hatte, das wie alle Systeme solcher Art, nur solange funktionstüchtig und ren­tabel sein konnte, solange die genannten Voraussetzungen gültig waren. Wenn nur eine ausfiel, mußte das ganze System fallen, und das ist nach 1945 rasch und radikal geschehen. Heute sind die Getreidepreise niedrig und der Einsatz von Maschinen ist billiger als der menschlicher Arbeitskräfte; Arbeitspferde gibt es in der schles­wig-holsteinischen Landwirtschaft praktisch überhaupt nicht mehr, und die Gräben zwischen den schmalen Ackerstreifen werden in zunehmendem Maße durch Drainagerohre ersetzt zugunsten großflächiger Äcker, die für den ratio­nellen Einsatz von Mehrscharpflügen und Mähdreschern besser geeignet sind. Zweieinhalb Jahrzehnte haben genügt, um eine in Jahrhunderten ge­wachsene bäuerliche Arbeitstechnik, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Voraussetzungen bis zur Höchstform entwickelt worden war, obsolet werden zu lassen — so obsolet, daß sie heute bei der jüngeren Generation praktisch schon

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