Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)
Lühning, Arnold: Über eine besondere Methode des Pflügens mit sechs Pferden in den holsteinischen Elbmarschen
ÜBER EINE BESONDERE METHODE DES PFLÜGENS MIT SECHS PFERDEN IN DEN HOLSTEINISCHEN ELBMARSCHEN ARNOLD LÜHNING (Schleswig, German Federal Republic) Die in Schleswig-Holstein seit dem frühen Mittelalter bis in das Ende des 18. Jahrhunderts gebräuchlichen Pflugarten gehörten alle zu einem einzigen Typus: dem Vierkantpflug mit Radvorgestell. Dieser Räderpflug, der seiner Arbeitsweise nach ein Beetpflug war, sah freilich in den einzelnen Landschaften Schleswig-Holsteins hinsichtlich seiner Größe und bestimmter Konstruktionseigenheiten recht verschieden aus, so daß es uns möglich ist, einen alten Pflug, z.B. aus der Landschaft Angeln, sehr wohl von einem solchen aus Nordfriesland oder aus Ostholstein oder aus den Elbmarschen zu unterscheiden. Ob und wie weit solche Unterschiede mit den jeweiligen landschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten der betreffenden Gebiete in Einklang gebracht werden können, ist bisher noch nicht untersucht worden. Es liegt nahe, daß solche Zusammenhänge bestehen, und ich möchte das an einem Beispiel aus den holsteinischen Elbmarschen vorführen, wo die besonderen Verhältnisse einer sehr eigentümlichen, von Menschenhand geschaffenen Landschaft eine besondere Pflugform verbunden mit einer ebenso ungewöhnlichen und hochentwickelten Pflügetechnik hervorgebracht haben. Bei den holsteinischen Elbmarschen handelt es sich um die niedrig — z.T. unter dem Meeresspiegel — gelegenen und von Deichen geschützten Gebiete zwischen dem nördlichen Ufer der Elbe und den höher gelegenen sandigen Geestgebieten. Diese fruchtbaren Ländereien sind seit dem 13. Jahrhundert planmäßig eingedeicht und mit Hilfe eines dichten Systems von Entwässerungsgräben, Sielen, Kanälen und Schleusen urbar gemacht worden. Die Dörfer mit den großen Einzelhöfen ziehen sich wie Perlenschnüre auf den Deichen entlang. Die mittelalterlichen Siedler, z.T. waren es Kolonisten aus den Niederlanden, wurden als freie Bauern nach Marschhufenrecht angesetzt. Die Höfe haben auch heute noch Durchschnittsgrößen um 40 ha, und das Land lag ursprünglich und liegt meistens auch heute noch betriebswirtschaftlich sehr günstig als ein geschlossener langer Komplex direkt hinter dem Hof. Die vielen schmalen parallelen Entwässerungsgräben teilen das ganze Land in etwa 15—17 Meter breite und viele hundert Meter lange im Querschnitt flach gewölbte Streifen ein. Die dadurch entstehenden Ackerflächen sind also außerordentlich schmal im Verhältnis zu ihrer ungewöhnlichen Länge. Eine Luftaufnahme dieser Marschlandschaft läßt die langgestreckte schmale Flureinteilung mit den Einzelgräben, den größeren Entwässerungskanälen („Wet17* 259