Wellmann Imre szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1971-1972 (Budapest, 1973)

Vargha, László: Wirtschafts - und architekturgeschichtliche Denkmäler in Ungarn aus dem 18. und 19. Jahrhundert

FESTETICS, anschließend an den landwirtschaftlichen Baukomplex seines Gutshofes, der nun als Zweiganstalt des Ungarischen Landwirtschaftsmuseums (..Georgikon-Meierhof museum") wiederhergestellt wird, im Jahre 1797 die erste landwirtschaftliche Hochschule Europas errichtet. Aus der mannigfaltigen und bedeutenden Reihe der Gutshofsgebäude möchte ich noch die für das Gestüt, das Kelterhaus und die Gärtnerei in Fenékpuszta errichteten hervorragenden Bauten in Barock- und klassizistischem, dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts schon in romantischem Stil, hervorheben. Die großen wirtschaftlichen Gebäude, welche um 1800 in Szigliget erbaut wurden, weisen einen eigenartigen, auf eine ab­gegrenzte Gegend hindeutenden lokalen Charakter auf. Von den kirchlichen Domänen, die nach der Türkenzeit, im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut wurden, zeigt uns das Zentrum des Landgutes des Bene­diktinerordens Pannonhalma—Győrszentmárton die gleiche Eigenart der Ent­wicklung. Die Bauten des Meierhofes der Abtei von Tihany bieten auch ein aus­gezeichnetes und charakteristisches Beispiel eines eigenartigen lokalen Baustils. Am südlichen Ufer des Balaton-Sees, beim Dorf Zamárdi bietet der ehemalige Gutshof des Benediktinerordens von Szántódpuszta einen auch heute noch le­bendig wirkenden Wirtschaftsgebäudekomplex, mit vielen Beziehungen zu den neugebauten Meiereien des 17. Jahrhunderts. Die ehemaligen Gutshöfe des 18. und 19. Jahrhunderts bilden solche Einheiten, die fast ganz alleinstehende agrar­historische und zugleich architekturgeschichtliche Denkmäler der Volksarchi­tektur und der Baukunstgeschichte darstellen. Es bedeutet eine erstrangige Auf­gabe, wie wir diesen mehr als 30 Bauten zusammenfassenden Gebäudekomplex: Kapelle, Verwalterhaus, Gasthof, ehemaliges Übernachtungsquartier, Gesinde­häuser, Speicher, Ställe, Weinkeller, Maisscheune, Schrotmühle, Steigen, Öfen usw. beisammen retten und als bedeutungswolle Denkmäler für die Agrar­museologie und den Fremdenverkehr verwerten können. Die Meierhöfe sind nicht nur bezeichnende Siedlungseinheiten je einer ab­gegrenzten Gegend, sie wirken oft auch auf eine wesentliche Umgestaltung des unter historischen Gegebenheiten sich entwickelten Siedlungsbildes aus. In der Gemeinde Dörgicse bestimmte das zu Anfang des 19. Jahrhunderts ausgebil­dete Gutszentrum mit seinem kirchliehen Gebäude, seinen Gesindenhäusern. Kornkammer und Verwalterhaus die architektonische Konstruktion des Dor­fes und dessen Mittelpunktsbild in einem auch heute noch sichtbaren Maße. Oft können wir besonders in Marktflecken beobachten, wie die Siedlungs­konstruktion und das Staßenbild durch die Entwicklung der ehemaligen Gutshof­zentren bedeutend beeinträchtigt wurden. Es genügt hier, wieder auf Keszthely, Tata und den Baukomplex vom 19. Jahrhundert der Domäne der Familie Orczy in Gyöngyös hinzuweisen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts — hauptsächlich den Bestrebungen der Reformzeit entsprechend — werden die Gutswirtschaftszentren im Rahmen des sich fortdauernd steigernden industriellen Produzierens mit kleineren-grö­ßeren Gewerbeanlagen: Brennereien, Dampfmühlen usw. erweitert. Die sich in den Rahmen des allgemeinen landwirtschaftlichen und in­dustriellen Bauens in Europa organisch einfügenden Bauwerke weisen jedoch in Ungarn häufig einen eigenartigen lokalen Charakter auf, der vor allem von den landschaftlichen Bedigungen herrührt und hauptsächlich mit der im we­sentlichen extensiven Getreidewirtschaft des einstigen herrschaftlichen Gutes

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